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Für eine bessere Klimapolitik demonstrierten die Schüler am vergangenen Freitag auch in Weilheim. Trotz des schlechten Wetters und laufenden Unterrichts waren rund 750 Jugendliche auf den Marienplatz gekommen.

„Fridays for Future“-Demos

Verweise als Klimaschutz-Trophäen?

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Nach den jüngsten „Fridays for Future“-Demonstrationen in Weilheim, Penzberg und München steigt in den Schulen die Nervosität. Einige Schüler geben offen zu, dass sie Verweise wegen Schulschwänzens gerne in Kauf nehmen. Vor allem in Weilheim wächst die Sorge, dass Schüler und Schule gegeneinander ausgespielt werden.

Weilheim-Schongau In Schongau waren die Klimademos zuletzt noch kein großes Thema. Bei den jüngsten Freitagsdemonstrationen in München und Weilheim waren aber sehr wohl auch Schüler des Welfen-Gymnasiums mit von der Partie. Die 16-Jährige Natalie Gantner zum Beispiel ging in der Landeshauptstadt auf die Straße. Sie sei hier, „um für unsere Zukunft zu kämpfen“, sagte sie dem Münchner Merkur. Und ein bisschen sei sie auch aus Trotz hier, „weil mein Papa und einige Lehrer von der Demo nicht begeistert waren“. Der möglichen Konsequenzen war sich Natalie vollauf bewusst: „Wenn ich einen Verweis kriegen sollte, ist mir das egal. Der wird dann golden eingerahmt.“ Auch der 19-jährige Schongauer Gymnasiast Andreas Holl, der in Weilheim demonstrierte, weiß noch nicht, ob er einen Verweis erhält. Er würde das aber auch begrüßen, „denn wenn es von der Schule eine offizielle Befreiung gibt, bekommt man auch keine Aufmerksamkeit“, meint er.

Welfengymnasium klärt Fälle schulintern

Ob Natalie und Andreas von der Schule ihre Klimaschutz-Trophäen erhalten werden, wird sich noch zeigen. Die derzeit von der Grippewelle heimgesuchte Schulleitung des Welfen-Gymnasiums gibt sich auf Anfrage verschnupft. Von den einzelnen Fällen sei ihm bislang nichts bekannt, erklärt der stellvertretende Direktor Hubert Orthuber. Zu möglichen Sanktionen gegen die Schüler äußert er sich nicht. Das werde schulintern geregelt, es gebe keine pauschalen Regeln, macht Orthuber klar und verweist auf das Kultusministerium.

Dort spielt man den Ball zurück: Daniel Otto, Sprecher im Kultusministerium, erklärt, dass die Schulleiter darauf achten müssen, dass die Schulpflicht eingehalten wird. Wie sie das machen, „liegt in ihrer Souveränität“. Otto zufolge werden in den Schulen viele Fälle unterschiedlich betrachtet und behandelt. Wenn etwa Schüler Mitglieder in Umweltverbänden seien und zwei bis drei Wochen vorher um eine Befreiung bitten, sei das zwar auch nicht erlaubt, aber etwas anderes, als wenn ein Schüler unentschuldigt fehle.

Verschärfte Verweise sind kein Thema

Natalie Gantner (16) will ihren Verweis golden einrahmen.

Mittel für Sanktionen sind nach Angaben des Kultusministeriums etwa, dass man verpassten Unterrichtsstoff am Nachmittag in der Schule oder zu Hause nachholt. Oder auch Team-Abende in Projektgruppen. Klassische Ordnungsmaßnahmen sind Ottos Angaben nach Verweis und verschärfter Verweis, die bis zum Schulausschluss führen können. Derart scharfe Sanktionen sind dem Ministeriums-Sprecher im Zusammenhang mit den Klima-Demos aber nicht bekannt.

Und sie sind auch im Weilheimer Gymnasium kein Thema: Bei einmaligem Fehlen müssen die Schüler die verpasste Unterrichtszeit nacharbeiten, erklärt Schulleiterin Beate Sitek. Zum Beispiel habe es in der vergangenen Woche eine schulische Veranstaltung zum Thema Umweltschutz gegeben, an der viele der Schüler teilnahmen, die wegen der „Fridays for Future“-Demos nicht im Unterricht waren. „Dort konnten die Schüler sehen, was bei uns an der Schule bereits für den Umweltschutz getan wird, und vielleicht sind Schüler dadurch auch auf Ideen gekommen, was konkret getan werden kann.“

Schulschwänzer verpflichten sich, an Umweltprojekten mitzuwirken

In Penzberg wird es ähnlich gehandhabt. Die Schüler, die bei „Fridays for Future“ demonstrieren und im Unterricht fehlen, verpflichten sich, im mindestens selben zeitlichen Umfang auf schulischer Ebene an Umweltprojekten mitzuwirken, erklärt Schulleiter Bernhard Kerscher. Etwa beim Ramadama.

Im Kultusministerium bedauern die Verantwortlichen derweil, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung der Demos zu 90 Prozent nur noch um die Sanktionen gegen die Schüler geht. „Über die Ziele des Klimaschutzes spricht man gar nicht“, meint Sprecher Otto. So sieht das auch die Weilheimer Direktorin: „Denn jetzt passiert eigentlich etwas blödes; Schüler und Schule werden gegeneinander ausgespielt, dabei verfolgen wir das gleiche wichtige Anliegen“, sagt Beate Sitek. Das Weilheimer Gymnasium will bekanntlich Umweltschule werden. Trotz Verständnis für das Anliegen der Schüler: „Wir müssen natürlich die Schulpflicht durchsetzen. Und wenn einige mehrmals fehlen, auch zu anderen Ordnungsmaßnahmen greifen“, erklärt Sitek.

Lesen Sie auch: In Weilheim und Penzberg demonstrieren über 1000 Jugendliche für Klimaschutz

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