Heftige Unwetter wüten in Bayern: Mehrere Orte unter Wasser - dramatische Rettungsaktion für weggespülte Autofahrer

Heftige Unwetter wüten in Bayern: Mehrere Orte unter Wasser - dramatische Rettungsaktion für weggespülte Autofahrer
Auf dem Hof von Florian Jocher, seiner Frau Theresia und Tochter Antonia hat jedes Tier einen Namen. Hier ist die junge Landwirts-Familie mit Kuh Frieda zu sehen, die sie zur Hochzeit geschenkt bekommen haben. 
+
Auf dem Hof von Florian Jocher, seiner Frau Theresia und Tochter Antonia hat jedes Tier einen Namen. Hier ist die junge Landwirts-Familie mit Kuh Frieda zu sehen, die sie zur Hochzeit geschenkt bekommen haben. 

Bauernhof in Schongau

Ceres-Award: Florian Jocher aus Schongau ist als bester Junglandwirt nominiert

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
    schließen

Jedes Jahr werden Landwirte für besondere Leitungen mit dem Ceres-Award nominiert. Heuer kommen drei der Finalisten aus dem Landkreis Weilheim-Schongau. Zum Beispiel Florian Jocher. 

Schongau – Sobald sich Florian Jocher morgens dem Stall nähert, wird er mit lautem Muhen begrüßt. Jetzt geht es raus auf die Weide, das wissen seine 85 Kühe genau.Vor sechs Jahren hat Jocher zusammen mit seiner Frau Theresia den Hof im Schongauer Westen übernommen.

Ob ein Landwirt nun jung oder alt ist, liegt wohl im Auge des Betrachters, könnte man meinen. „Weil aber kaum ein 18-jähriger einen eigenen Hof hat, sondern ihn meist erst mit 30 Jahren oder später bekommt, spricht man bis zum 40. Lebensjahr vom ’Junglandwirt’“, erklärt Florian Jocher. In dieser Kategorie ist der 35-Jährige für den Ceres-Award nominiert (siehe unten). „Ein Faible für die Arbeit mit Natur, Tieren, Technik und Menschen sowie findige Ideen“, so lautet die offizielle Kategoriebeschreibung. Passt perfekt.

Florian Jocher aus Schongau für Ceres-Award nominiert: Kühe dürfen bei ihm Hörner behalten

Das Tierwohl liege ihm besonders am Herzen. Und deshalb dürfen bei Florian Jocher auch alle Kühe ihre Hörner behalten. „Es steht uns nicht zu, die Tiere an unser System anzupassen. Dass Hörner ausgebrannt werden, nur damit noch mehr Tiere in den Stall passen, geht nicht“, so Jocher. Die Rinder sollen unversehrt bleiben.

Weitere Landwirte aus dem Landkreis Weilheim-Schongau sind für den Ceres-Award nominiert: Darunter auch Jürgen Fischer aus Hohenfurch.

„Bei uns haben die Kühe sogar ein Rundum-Sorglos-Paket“, sagt Florian Jocher und lacht. Er und seine Familie kümmern sich nicht nur selbst um die Kühe, auch zahlreiche Maschinen sind im Einsatz, die sicherstellen sollen, dass es den Tieren an nichts fehlt. Ein Roboter melkt die Kuh, wann sie mag – auch mitten in der Nacht – und überprüft die Milch gleich auf die Inhaltsstoffe, erklärt Jocher. Und der automatische Futterschieber sorgt dafür, dass es genug zu fressen gibt. Ob sie einen sonnigen Nachmittag draußen auf der Weide verbringen oder sich lieber in den kühlen Stall verkrümeln, entscheiden die Rinder selbst.

Florian Jocher aus Schongau für Ceres-Award nominiert: Maschinen übernehmen körperlich schwere Arbeit

Zu tun gibt es auf dem Hof im Schongauer Westen trotzdem genug, betont Jocher. Ihm sei es aber wichtig, dass das Familienleben nicht zu kurz komme. „Wir müssen natürlich trotzdem regelmäßig nach den Viechern schauen – sind aber nicht an bestimmte Zeiten gebunden.“ Ein weiterer Vorteil: Es ist die körperlich anstrengende Arbeit, die von den Maschinen erledigt wird.

Im Jahr 2016 hat Jocher den Hof von seinen Schwiegereltern übernommen, davor hatte er ihn fünf Jahre lang gepachtet. „Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Maschinenbau studieren“, erzählt Jocher. Doch schon damals kannte er Theresia, half auf dem Hof mit und merkte: „Landwirt ist das Richtige für mich.“ Statt Maschinenbau studierte er Landwirtschaft.

Florian Jocher aus Schongau für Ceres-Award nominiert: Junglandwirt hat zahlreiche Ideen

Voller Tatendrang und gesammelten Eindrücken von verschiedenen Betrieben aus ganz Deutschland legte Jocher schließlich los. Sein erstes Projekt auf dem eigenen Hof: Er hat einen gut durchlüfteten, lichtdurchfluteten Laufstall gebaut. Fotovoltaik-Anlagen und Batteriespeichersysteme sollen seinen Betrieb so autark wie möglich machen.

Die Ideen gehen Jocher nicht aus. Er hat eine Direktvermarktung aufgebaut. „Milch von unseren Kühen gibt es rund um die Uhr an der Rohmilch-Tankstelle.“ Und seit vergangenem Jahr verpachtet er Teile einer Blühwiese an Bürger, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. „Eine moderne Landwirtschaft mit Nachhaltigkeit in Verbindung bringen“, so beschreibt Jocher seine Philosophie.

Nach Ermutigungen durch eine Freundin, habe er sich „einfach mal für den Ceres-Award beworben“. Ob er die Jury auch vor Ort überzeugen kann, wird sich bald zeigen. 

Das ist der Ceres-Award:

Über 200 qualifizierte Bewerbungen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum sind heuer für den Ceres-Award eingegangen. Dass gleich drei Finalisten aus der Region kommen, sei ungewöhnlich – „oder ein Hinweis, dass es ein sehr guter Landkreis ist“, sagt Projektleiterin Antonia Große. 

Der Award wurde im Jahr 2014 vom Deutschen Landwirtschaftsverlag initiiert, um die Leistungen der Landwirte hervorzuheben. Ceres, die römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit, steht als Leitfigur für den Award. Landwirte können sich selbst für den Preis bewerben oder vorgeschlagen werden. Ausgezeichnet wird je ein Preisträger in den Kategorien Ackerbauer, Biolandwirt, Energielandwirt, Geflügelhalter, Geschäftsidee, Junglandwirt, Manager, Rinderhalter, Schweinehalter und Unternehmerinnen. Bewerben können sich Landwirte für mehrere Kategorien gleichzeitig, gewinnen aber nur in einem Bereich. 

Eine Jury aus Fachleuten von Branchenorganisationen, Redakteuren der Fachzeitschrift „agrarheute“ sowie Sponsoren wählt drei Vorschläge pro Kategorie aus (insgesamt 30). Die drei Landwirte aus dem Landkreis, Jürgen Fischer, Florian Jocher und Thomas Schweyer, haben es bereits in diese Auswahl geschafft. Alle Finalisten wurden in den vergangenen Wochen von Jury-Mitgliedern auf ihrem Betrieb besucht. 

Bei der Auswahl der Preisträger seien nicht höchste Leistungen auf dem Feld oder im Stall ausschlaggebend, sondern beste wirtschaftliche Ergebnisse bei Berücksichtigung bäuerlicher Unternehmertugenden wie Mut, Ideenreichtum sowie Verantwortungsbewusstsein für Familie, Betrieb, Tier, Natur und Gesellschaft. 

Aus allen Kategoriesiegern wird zudem der „Landwirt des Jahres“ gekürt. Alle Preisträger werden im Rahmen der „Nacht der Landwirtschaft am 28. Oktober bekannt gegeben. Die Kategoriesieger erhalten unter anderem je 1000 Euro Preisgeld, der Landwirt des Jahres bekommt 10 000 Euro. Mit dem Geld soll ein Projekt unterstützt werden, das das Ansehen der Landwirtschaft stärkt.

Und hier gibt es weitere Nachrichten aus Weilheim und Schongau

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mesner-Job für Bürgermeister Dorsch
Die drei evangelischen Gemeinden aus Schongau, Peiting-Herzogsägmühle und Peißenberg kamen an der Wallfahrtskirche zusammen. Bürgermeister Thomas Dorsch musste als …
Mesner-Job für Bürgermeister Dorsch
Seit 100 Tagen Peitings Bürgermeister: „Ich kann es nicht jedem recht machen“
Seit 100 Tagen heißt der Peitinger Bürgermeister Peter Ostenrieder. Im Interview mit den Schongauer Nachrichten spricht der Birkländer über die ersten Wochen seiner …
Seit 100 Tagen Peitings Bürgermeister: „Ich kann es nicht jedem recht machen“
Der letzte Juli-Tag war der heißeste
Der Juli zeigte dieses Jahr sein gesamtes Spektrum von hochsommerlich bis kühl, auch unwetterartige Phasen gab es. Das Azorenhoch streckte gelegentlich einen Keil nach …
Der letzte Juli-Tag war der heißeste

Kommentare