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„Bis fast auf die Wurzeln abgemäht“ , und dies direkt beim Insektenhotel, kritisiert die Bürgerinitiative. 

Insektensterben

Bürger beklagen „Mähschlacht“ am Schongauer Bikepark

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Eine regelrechte „Mähschlacht“ habe die Stadt am Bikepark zu verantworten, beklagt eine Gruppe Schongauer Bürger. Die Stadt hält dagegen. 

Schongau – „Paragrafen zerstören die Natur.“ So formuliert es Peter Haggenmiller im Namen der Bürgerinitiative Schongau-West. Zehn motorbetriebene Freischneider hätten am Bikepark alles plattgemacht und „sicher fast alles Getier am Boden mitbeseitigt“, befürchtet Haggenmiller. „Damit scheint der letzte Funke Vernunft für unsere Natur der Stadtverwaltung abhanden gekommen zu sein“, schreibt er an die Schongauer Nachrichten. Die meterhohen Gräser und Blumen, die Nahrung, Feuchtigkeit und Schutz für Blindschleichen und teilweise zehn Jahre alte Weinbergschnecken bieten, seien weg, bemängelt er.

Die Stadt Schongau hat auf die Vorwürfe der Bürgerinitiative bereits reagiert. Wie Martin Blockhaus aus dem Städtischen Bauamt auf Anfrage der Schongauer Nachrichten erläutert, ist das Gebiet „Bikepark an der Schärfelshalde“ als Sportplatz festgesetzt. „Die zweimalige Mahd entspricht den grünordnerischen Festlegungen des rechtskräftigen Bebauungsplanes“, so Blockhaus. Sie sei sowohl im Zuge der Verkehrssicherungspflicht – Stichwort Sichtbeziehungen – als auch aus naturschutzfachlicher Sicht zwingend erforderlich.

Balkenmäher war defekt

Dies sieht auch der Bund Naturschutz, Ortsgruppe Peiting-Schongau, so. „Eine Mahd der Fläche Mitte Juli ist nicht zu beanstanden“, erklärt Ortsvorsitzender Markus Keller. Die Fläche am ehemaligen Lechlauf dürfe ab dem 15. Juli gemäht werden, eine Pflege sei sogar erwünscht. Ziel solle sein, auch diese Fläche zu einem wertvollen Magerrasen mit ortstypischer Flora zu entwickeln. Keller: „Dazu ist eine zweimalige Mahd über einen längeren Zeitraum (mindestens zehn Jahre) notwendig, um die Fläche auszumagern.“ Allerdings sollte die Mahd nicht mit Freischneidern, sondern mit Balkenmähern erfolgen, da dies wesentlich schonender für Insekten sei. Keller hatte sich diesbezüglich bei der Stadtgärtnerei erkundigt: In der Regel werde ein Balkenmäher verwendet, dieser sei jedoch defekt gewesen. „Wichtig wäre, jeweils einen kleinen Teil der Fläche nicht zu mähen, um Insekten eine Möglichkeit zur Nahrungssuche und Überwinterung zu geben.“. Um eine Verbuschung zu vermeiden, müsse im Folgejahr dann ein anderer Bereich gewählt werden.

Umweltreferentin: Mahd schädige Flora und Fauna nicht

Bettina Buresch als Schongauer Umweltreferentin hat Verständnis. „Dem aufmerksamen, vielleicht durch das Volksbegehren Artenschutz sensibilisierten Beobachter, mag das Mähen einer in Teilen noch blühenden Wiese wie am Schongauer Bikepark brutal erscheinen.“ Jedoch folgt sie den Argumenten des Bund Naturschutz. Eine Mahd schädige Flora und Fauna nicht und sei zum Erhalt und zur Verbesserung des Artenreichtums auf lange Sicht unerlässlich. „Auch bei der Pflege unserer Schongauer Siechenhalde, eines nicht nur von Fachleuten bewunderten Biotops, gehen wir seit Jahrzehnten so vor“, vervollständigt Buresch.

Beschwerde beim Umweltministerium

Die Begründung „aus naturschutzfachlicher Sicht zwingend erforderlich“ nennt Haggenmiller einen „schlechten Scherz“. Er bezeichnet sich zwar als Laie, aber empfiehlt, bei der zweiten Mahd Mitte/Ende September mit Bergsensen zu arbeiten und lediglich schmale Fahrstreifen freizuschlagen. Er habe sich ans Umweltministerium gewandt.

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Der Mäheinsatz der Straßenmeisterei entlang der Bundesstraße 2 gefällt nicht jedem. „Vollkommen unverständlich“ sei das, schimpft ein Leser.

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