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„Bei der Fronveste“ soll nach dem Willen der Bürger der Platz vor dem Münzgebäude zukünftig heißen.

Aus dem Stadtrat Schongau

Bürger stimmen für „Bei der Fronveste“

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Jetzt ist es entschieden: Der Platz am Münzgebäude in Schongau heißt künftig „Bei der Fronveste“. Der Stadtrat, der sich im März für den Namen Marie-Juchacz-Platz entschieden hatte, folgte damit dem häufigsten Vorschlag aus der Bürgerbefragung, allerdings mit 11 Gegenstimmen. Diskutiert wurde, ob es sich wirklich noch um ein demokratisches Prozedere gehandelt hat.

Schongau – Geschäftsleiterin Bettina Schade war es vorbehalten, in der Stadtratssitzung am Dienstag die Ergebnisse der Bürgerbefragung vorzustellen, die nach der Sommerpause abgehalten worden war. 100 Mal sei in den Vorschlägen der Begriff „Fronveste“ vorgekommen, 66 Mal war die „Münze“ oder das „Münztor“ im Namen. Weitere 40 Bürger bestätigten den bereits vergebenen Namen Marie-Juchacz-Platz. Insgesamt 21 Bürger brachten einen neuen, historischen Namen ins Spiel, der großen Bezug zu Schongau hat: Agnes Weiß. Natürlich hatten die Bürger auch noch einzelne weitere Ideen, jedoch hatte man sich vorab darauf geeinigt, dass Stadtarchivar Franz Grundner gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine Vorauswahl trifft. Insgesamt 260 Schongauer gaben ihre Vorschläge schriftlich im Rathaus ab, wobei nur 253 der Stimmen gültig waren. Die Beteiligung an der Bürgerbefragung war mit etwa 3 Prozent der Wahlberechtigten äußerst gering.

Barbara Karg fand das Ergebnis der Bürgerbefragung nicht eindeutig 

Barbara Karg, die im Frühjahr den Vorschlag eingebracht hatte, den Platz nach der AWO-Gründerin Marie Juchacz zu benennen, fand das Ergebnis der Bürgerbefragung nicht ganz eindeutig, da zwar 100 Bürger für Fronveste votiert hatten, aber auch 153 für andere Namen. „Aber wir müssen schauen, dass wir zu Potte kommen, es gibt wichtigere Themen für die Stadt als den Namen eines Platzes“, so die SPD-Stadträtin. Sie wolle sich in jedem Fall weiter persönlich dafür einsetzen, dass in Schongau eine Straße oder ein Platz nach Juchacz benannt wird. „Das Licht dieser wichtigen Frau darf man nicht unter den Scheffel stellen.“

Und dieses Ansinnen werde man ebenfalls unterstützen, betonte Kornelia Funke. Die CSU-Fraktionssprecherin freute sich jedoch über den Ausgang der Bürgerbefragung. Gewählt worden sei der schon lang bestehende Name für das historische Gebäude.

Siegfried Müller: „Thema zwischen Lachnummer und Trauerspiel“

Siegfried Müller (ALS) hatte eine andere Meinung: „Ich sehe das Thema irgendwo zwischen Lachnummer und Trauerspiel.“ Man befinde sich nun in der mittlerweile fünften Abstimmung. Diese sei alles andere als repräsentativ, 100 Bürger würden nun über den Stadtrat entscheiden. „Dafür habe ich gar kein Verständnis.“ Bürgermeister Falk Sluyterman erläuterte, dass man sich im Vorfeld bewusst gegen ein Quorum entschieden habe, eine bestimmte Anzahl abgegebener Stimmen. „In unserer Stadt atmet alles Geschichte“, so Sluyterman. Aber ob ein Marie-Juchacz-Platz an dieser Stelle sein müsse, darüber könne man sich eben streiten.

Stephan Hild (UWV) nannte die wenigen Bürgerstimmen „eine homöopathische Menge“. Friedrich Zeller hatte ebenfalls eine Auslegung für die geringe Wahlbeteiligung parat: „Vieles, was uns hier bewegt, dafür interessiert sich draußen keiner.“ Der SPD-Stadtrat sah wie Karg das Ergebnis der Bürgerbefragung nicht als eindeutig an. „Wir sind da nicht bockig, aber ich bleibe bei Marie Juchacz.“ Auch Peter Huber (SPD) wollte sich „von dieser lächerlichen Zahl“ nicht umstimmen lassen in seiner Entscheidung. Bettina Buresch (ALS) wiederum warb für den Kompromiss Agnes-Weiß-Platz, ein historischer Name und die Würdigung einer Frau gleichzeitig.

Robert Stöhr: Legitimen demokratischen Prozess genutzt

Robert Stöhr (CSU) wollte die Debatte über die Demokratie an sich so nicht stehen lassen. Er war der Meinung, dass man einen ganz legitimen demokratischen Prozess ausgenutzt habe. „Über jedes Farbdetail beim Straßenpflaster wird diskutiert, und bei der Namensgebung plötzlich nicht? Wir machen hier nur einen Gesamtwurf für das Münzgebäude“, so Stöhr. Auch die Beteiligungen bei den Planungskonzepten IKEK oder ISEK seien nie repräsentativ, so die Meinung von Helmut Hunger. „Dann brauchen wir die Bürger gar nicht mehr fragen.“

„Es geht nicht um das Wohl und Wehe unserer Stadt“, fasste Bürgermeister Falk Sluyterman zusammen und ließ abstimmen. Mit 14:11 Stimmen votierte der Stadtrat für „Bei der Fronveste“.

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