Demonstration direkt vor der Realschule: Die „Klardenker“ fordern die Abschaffung der Maskenpflicht.
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Demonstration direkt vor der Realschule: Die „Klardenker“ fordern die Abschaffung der Maskenpflicht.

Schulleiter und Politiker entsetzt

Corona-Kritiker demonstrieren vor Schule - und sprechen Kinder auf Maske an: „Ihr könnt doch nicht richtig atmen!“

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Sie nennen sich „Klardenker“ und demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen - ausgerechnet vor einer Schule. Ein Landtagsabgeordneter sorgt sich deshalb um die „ohnehin schon belasteten Kinder“.

  • Rund zwanzig Personen haben vor der Realschule in Schongau gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert.
  • Zahlreiche Kinder wurden von ihnen direkt auf die Maske angesprochen oder mussten an der Demonstration vorbei gehen.
  • Die Schulleiter äußerten sich besorgt, auch ein Landtagsabgeordneter übte Kritik.
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Update vom 16. November: Reaktion des Landtagsabgeordneten Andreas Krahl (Grüne)

Schongau – Der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Krahl kritisiert das Landratsamt dafür, dass es die sogenannte „Klardenker“-Demonstration vor der Schongauer Realschule erlaubt hat. „Es wäre eine kluge Entscheidung gewesen, diese Demonstration inmitten von Kindern und Jugendlichen nicht zu gestatten“ und ihr einen anderen Ort zuzuweisen, schreibt er an Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU). „Das Recht der freien Meinungsäußerung ist ein hohes Gut und unbedingt schützenswert“, erklärt er. „Es hat jedoch da seine Grenzen, wo es andere einschränkt, gefährdet oder verletzt.“ Dies war seiner Ansicht nach am Donnerstag geschehen.

Wie berichtet, hatten rund 20 Personen vor der Schongauer Realschule demonstriert und gefordert, Maskenpflicht und Abstandsregeln für Schüler abzuschaffen. Das Landratsamt hatte vergangene Woche erklärt, dass die Meinungs- und Versammlungsfreiheit den Veranstaltern es gestatte, selbst Ort und Zeit zu bestimmen.

Krahl bezeichnete die Demonstranten in seinem Brief als selbst ernannte Freiheitskämpfer, „die unsere Solidarität in Frage stellen und unsere Demokratie untergraben“. Ihnen käme es gar nicht gelegen, wenn sich die Lage entspannen würde, so der Grüne. „Sie könnten sich nicht mehr dazu verabreden, andere zu gängeln und ohne Masken Eintritt in Restaurants und Geschäfte zu fordern, sie könnten nicht mehr von abgeschafften Grundrechten phantasieren, und sie könnten nicht mehr vor unseren Schulen aufmarschieren und den ohnehin schon belasteten Kindern noch mehr Angst vor der Zukunft machen.“

Erstmeldung vom 13. November: Klardenker demonstrieren gegen Masken vor Schule

Schongau – Direkt vor der Realschule demonstrieren am Donnerstagmittag rund zwanzig „Klardenker“, „gegen sämtliche Corona-Maßnahmen“, wie Organisatorin Christina Schleich aus Schongau erklärt. Manche haben Teddybären in der Hand, andere Plakate. „Ich möchte eine normale und gesunde Kindheit“, hält eine ältere Frau in die Höhe. Auf weiteren Schildern ist zum Beispiel „Masken helfen nicht gegen Viren, sie machen unsere Kinder krank“ zu lesen.

„Kinder sind das Wertvollste, was wir auf der Welt haben. Egal ob wir selbst welche haben oder nicht“, sagt Schleich. Tatsächlich haben die meisten Teilnehmer dieser Demo schon ältere oder gar keine Kinder, erzählt Schleich. Trotzdem wolle man sich für sie stark machen. Sowohl Maskenpflicht als auch Abstandsregeln für alle Schüler, so fordert die Gruppe, müssen abgeschafft werden. „Kinder brauchen Mimik und Berührungen“, sagt Schleich. Stattdessen sage man den Kindern, dass sie den Großeltern Angst machen. Sie ist sich sicher: „Das hinterlässt psychische Schäden hoch drei.“

In Peiting kam es an einer Schule jüngst zu einem Zwischenfall wegen der Maskenpflicht an Schulen. Eine Mutter forderte vehement deren Abschaffung und legte sich dabei mit einem Lehrer an.

Demo gegen Masken: Realschulleiter öffnet weiteren Ausgang

Den Platz direkt vor der Schule habe man gewählt, „weil hier viele Kinder vorbeigehen. Viele mit ihren Eltern.“ Allerdings nicht ganz so viele wie üblich. Realschulleiter Armin Eder hat an diesem Tag einen weiteren Ausgang geöffnet, sodass die Kinder nicht an der Demo vorbei müssen, um zur Bushaltestelle zu kommen. „Es steht den Schülern frei, welchen Weg sie nutzen“, betont Eder. Er möchte niemanden davon abhalten, sich die Demo anzuschauen. Aber es soll eine Möglichkeit geben, sich dem Treiben zu entziehen. Dennoch kommen einige Kinder hier vorbei, auch Grundschüler. Manche werden direkt von den Demonstranten angesprochen. „Nehmt doch die Masken ab. Ihr könnt doch nicht richtig atmen“, fordern ein paar die Kinder immer wieder auf. Manche werden von Mitschülern weitergezogen, andere bleiben stehen, nehmen ihre Masken dann tatsächlich ab.

Beobachten die Demo skeptisch: Realschulleiter Armin Eder und einige Schüler auf dem Pausenhof.

Die älteren Schüler gehen meist kopfschüttelnd an der Demo vorbei. Einige beobachten sie vom Pausenhof der Realschule aus, diskutieren untereinander, was das Ganze soll. Unter ihnen auch Schülersprecherin Hanna Thoma. Sie selbst und auch die anderen Schüler kommen gut mit den Masken klar, erzählt sie. Dass die Demonstranten jüngeren Schülern Angst machen, findet sie nicht gut. Neben der Polizei hat auch Rektor Armin Eder einen Blick auf die Demo. Die Corona-Situation sei für alle schwierig genug. Dass Menschen von außerhalb gezielt Ängste schüren wollen, sei wenig förderlich.

Wegen Maske: Diskussion zwischen Demonstrantin und Schülergruppe

Hinter den Tischen und mit Abstand zueinander sollten die Demonstranten stehen bleiben, so die Anweisung der Polizei. Eine Frau kümmert das wenig. Sie geht auf eine Gruppe Realschüler zu, alle um die 14 Jahre alt, sucht die Diskussion. Die Masken seien gesundheitsschädlich, meint sie. Eine Lehrerin möchte noch dazwischen gehen, doch nun wollen auch die Buben ihre Meinung los werden. Auf die Antwort der Buben, dass man der Wissenschaft glaube und die Masken auch trage, um andere zu schützen, wiederholt die Frau nur immer wieder den Satz „Ihr wiederholt doch nur die Meinung anderer“.

Doch gehen auch kleinere Kinder an der Stelle vorbei. Ute Meub, Leiterin der Grundschule, ist entsetzt, dass die Demonstranten ihre Forderungen „auf dem Rücken der Kinder austragen wollen“. Im Vorfeld der Demo hat sie mit einer Durchsage den Kindern Mut gemacht.

Keine ähnlichen Corona-Demos in Weilheim und Penzberg

Dass unter anderem Eltern es bedenklich finden, wenn in unmittelbarer Nähe zur Schule demonstriert wird, sei nachvollziehbar, heißt es im Landratsamt. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit gestatte es den Veranstaltern aber, selbst Ort und Zeit zu bestimmen. Und wenn es eben ein Platz nahe der Schule ist, der genügend Platz für die Demo bietet, gibt es kaum eine Handhabe dagegen.

In anderen Orten des Landkreises gab es noch keine Demos vor Schulen. Zum Glück seien sie bisher davon verschont geblieben, erzählt Matthias Langensteiner, Schulleiter des Penzberger Gymnasiums. Dem schließt sich auch Rolf Schleich, Leiter der Wilhelm-Conrad-Röntgen-Mittelschule in Weilheim, an. „Bisher haben wir von derartigen Demonstrationen nichts mitgekriegt.“ Auch von Eltern oder Schülern sei man nicht auf Vorfälle aufmerksam gemacht worden.

Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman hatte sich bereits im Vorfeld zur Demo auf Facebook geäußert. Er appellierte unter anderem: „Liebe Eltern, liebe Kinder! Bitte lasst Euch von diesen beratungsresistenten und ignoranten Menschen, die sich „Querdenker“ nennen, nicht verunsichern. Wenn sie Euch ansprechen, ignoriert sie einfach so, wie sie die Gesundheit von uns allen ignorieren. Denkt an Eure Gesundheit und an die Eurer Mitmenschen und an den Schutz Eurer Familien!“

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