In der Corona-Krise: Einen Gruß nach draußen schicken die Bewohner und Mitarbeiter des Schongauer Heiliggeist-Spitals. „Wir halten durch! Ihr bitte auch“, ist auf dem Plakat zu lesen.

„Keiner weiß ja, was uns noch erwartet“

Schongauer Seniorenheim komplett von Außenwelt abgeschnitten - Bewohner schicken rührende Bitte 

Mit einer rührender Bitte wenden sich die Bewohner und die Mitarbeiter des Schongauer Heiliggeist-Spitals in der Corona-Krise nach draußen. 

  • Als Vorsichtsmaßnahme in der Corona-Krise gelten in Seniorenheimen strikte Regeln.
  • Die Bewohner des Heiliggeist-Spitals in Schongau sind von der Außenwelt abgeschnitten.
  • Nun schickten sie eine rührende Botschaft nach draußen. 

Schongau
In dicken roten Lettern auf einem weißen Leintuch ist die Bitte der Bewohner und Mitarbeiter des Altenheims in der Schongauer Altstadt weit sichtbar. Am Donnerstag sendeten sie auf diese Weise einen Gruß nach draußen. Bereits seit dem 13. März, also seit drei Wochen, sind die Senioren komplett von der Außenwelt abgeschnitten – und die Null-Besucher-Regelung muss weiter aufrechterhalten bleiben. „Es geht uns gut!“, fasst es Christian Osterried zusammen. Der Alltag werde so normal wie möglich gehalten, natürlich mit den erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen. „Wir haben keinen Corona-Fall, eine Garantie, wie lange das so geht, haben wir aber natürlich nicht“, so der Heimleiter.

Für Angehörige wie Bewohner ist die Zeit nicht einfach – Besuche darf es auch weiter nicht geben. Für Menschen, die mobil sind, gibt es aber eine Möglichkeit, verrät Osterried: Vom Innenhof des Heiliggeist-Spitals links neben der St. Anna-Kirche gelangt man auf die Stadtmauer. Von dort aus kann man sich mit Bewohnern unterhalten, die auf dem Balkon stehen. Ein Neffe halte auf diese Weise den Kontakt aufrecht.

Kein Besuch wegen Corona: Schongauer Senioren halten mit WhatsApp Kontakt zu Verwandten

Auch die Telefonate zwischen Angehörigen und Bewohnern seien deutlich mehr geworden. „Wir helfen und unterstützen dabei auch“, so Osterried. Zwei Bewohner sind ganz modern und nutzen WhatsApp für die Kommunikation. Was nach seiner Erzählung besonders gut ankommt, seien kleine Pakete der Angehörigen mit persönlichen Dingen, einem Foto, einem gemalten Bild oder einem Brief. Die Päckchen können abgegeben werden, die Mitarbeiter leiten diese dann weiter. Ein kleiner Trost, der natürlich den persönlichen Kontakt, das Umarmen und Herzen eines Angehörigen, nicht ersetzen kann.

92 Bewohner sind es aktuell im Haus in dem großen Komplex in der Karmeliterstraße, im Alter zwischen 65 und fast 100 Jahren. Am 14. April feiert eine Bewohnerin dieses seltene Jubelfest, „die Feierlichkeiten werden schwierig, da müssen wir uns etwas Besonderes einfallen lassen“. Auch würden bei weitem nicht alle Bewohner verstehen, warum sie selbst sich nicht in der Stadt frei bewegen dürfen. „Gerade bei schönem Wetter drängt es sie nach draußen, wir müssen sie dann umleiten in die Innenhöfe.“ Dort gibt es Bänke und Sitzgelegenheiten.

Inmitten der Corona-Krise: Schongauer Altenheim wird von außen unterstützt

„Eine Anspannung im Haus ist schon spürbar“, beschreibt Osterried im Telefonat mit den Schongauer Nachrichten die Lage. Sollte der Ernstfall, eine Corona-Erkrankung im Haus, eintreffen, werde es aber Unterstützung von außen geben. „Das Landratsamt tut viel im Hintergrund, in einem Notfall könnten wir auf Schutzausrüstungen aus dem Notdepot des Landkreises zurückgreifen.“ Zwei Wochen würde man damit gut über die Runden kommen. Keine lange Zeit, gibt Osterried zu, aber man sehe die Bemühungen, die Einrichtungen zu unterstützen.

Lesen Sie auch: Wir haben in mehreren Seniorenheimen im Landkreis Weilheim-Schongau nachgefragt, wie sie mit der aktuellen Corona-Krise umgehen

Alle Abstriche seien bisher negativ gewesen, aber die Gefahr, dass das Virus unbeabsichtigt ins Haus gebracht wird, besteht natürlich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. 85 Mitarbeiter sind es derzeit im Heiliggeist-Spital, denen Osterried bei dieser Gelegenheit ein großes Lob und ein Danke sendet. „Alle gehen den Weg mit, und keiner weiß ja, was uns noch erwartet“, so Osterried.

Corona-Krise in Schongau: Keine weiteren Senioren sollen aufgenommen werden - aber es kommt auf Einzelfall an

Neu ist, dass ab sofort auch in Schongau keine weiteren Senioren mehr aufgenommen werden dürfen, dies sei aber eine Soll-Verordnung, erklärt der Heimleiter. „Es kommt immer auf den Einzelfall an.“ Wenn etwa die Krankenhäuser zu voll werden, dass dort niemand mehr versorgt werden könne, oder die häusliche Pflege unter keinen Umständen mehr gewährleistet werden kann, müsse dies gesondert betrachtet werden. Wichtig sei, durchzuhalten, wie es schon auf dem Transparent steht. Osterried: „Jeder Tag, den wir Corona-frei bleiben, ist gut.“

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