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Glückliche Kaninchen: Die Zwillinge Lucy und Sophia (7) hegen und pflegen ihre Tiere. Dafür gibt es großes Lob von ihrer Mutter Susan ne Kranzfelder und Tierarzt Michael Schneider. 

Tierische Überraschung

Dieses Ostergeschenk lässt Kinderherzen höher schlagen  - und sollte gut überlegt sein

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Bunt bemalte Eier und Schokoladenhasen liegen an diesem Wochenende wieder überall in den Osternestern. Hin und wieder sitzt aber auch ein echtes Langohr aus Fell, Fleisch und Blut darin. Kaninchen gelten als beliebte Ostergeschenke. Dass das nicht immer gut geht, wissen auch Tierschützer im Landkreis zu berichten. Die Anschaffung eines Kaninchens will gut überlegt sein. Denn: Sie machen Arbeit.

Weilheim-Schongau – Lucy und Sophia sitzen vor ihrem Elternhaus in Altenstadt und halten stolz die zwei Kaninchen in den Armen. Sanft streicheln sie über ihre flauschigen Rücken. Die siebenjährigen Zwillinge sind vernarrt in ihre Tiere. Und sie kümmern sich liebevoll um die Kaninchen, die artgerecht gehalten werden. Sie leben das ganze Jahr über im Garten in einem umgebauten Spielhaus samt Freigehege. Das Häuschen ist gut isoliert, selbst zweistellige Minusgrade können den Tieren nichts anhaben. Der Stall wird natürlich regelmäßig sauber gemacht. Das Fell der Langohren glänzt, sie sind wohlgenährt. Man sieht den Kaninchen förmlich an, wie gut es ihnen geht.

Dafür gibt es ein dickes Lob vom örtlichen Tierarzt Michael Schneider, der seine Praxis gleich ums Eck hat. Der Tiermediziner wird nach den Osterfeiertagen wahrscheinlich wieder eine ganze Menge Kaninchen in seiner Praxis begrüßen; so wie jedes Jahr. Meistens möchten die Beschenkten wissen, ob die Tiere gesund sind und ob sie Männlein oder Weiblein sind.

Vor allem bei der Geschlechtsbestimmung braucht der Tierarzt oft eine Lupe. „Die Männchen können ihre Hoden aktiv in die Bauchhöhle hochziehen“, berichtet Schneider.Die Kontrolle ist seinen Angaben nach sehr wichtig, weil Männchen schon ab dem 2. Monat und Weibchen nach drei Monaten geschlechtsreif sind. Und dann geht es rund: Nach der Paarung dauert es nur 31 Tage, bis der Nachwuchs zur Welt kommt. Und kaum sind die Babys geboren, ist das Weibchen schon wieder geschlechtsreif, und die Party im Kaninchenstall geht von vorne los. Ehe sich der Besitzer versieht, hoppelt ein Vielfaches von Rammlern durch den Stall. „Es heißt ja nicht umsonst, die vermehren sich wie die Karnickel“, sagt Michael Schneider dazu.

Der Tierarzt rät daher dringend zur Kastration der Männchen. 60 Euro kostet das für gewöhnlich, Allgemeinuntersuchung, Vollnarkose und Operation sind inklusive. Obendrein empfiehlt der Tierarzt eine Impfung der Tiere gegen RHD (Chinaseuche) und Myxomatose, weil es zuletzt zu „Seuchenzügen“ in den Landkreisen Landsberg und Fürstenfeldbruck gekommen war. Die Viren sind tückisch. Einige zerstören das Blut der Tiere, die Kaninchen liegen dann morgens plötzlich tot im Stall.

Bei der Pflege und Fütterung gibt es ebenfalls vieles zu beachten (siehe „Schneiders Checkliste“). Ein Alarmzeichen ist es laut Schneider vor allem, wenn das Kaninchen nicht mehr frisst. Dann müsse sofort der Tierarzt aufgesucht werden, sonst kann es schon zu spät sein. Häufig leiden die Tiere unter Durchfall. Wenn dann noch Fliegen ihre Eier in den kotverschmierten Kranz des Kaninchens legen, wird es gefährlich. Maden schlüpfen aus den Eiern „und fressen den Kaninchen bei lebendigem Leib die Haut auf“, weiß der Tierarzt. Oft dringen die Parasiten dann auch in den Darm des Tieres ein und breiten sich aus. Dann ist dem Kaninchen nicht mehr zu helfen. Zwei bis dreimal pro Jahr bekommt Schneider solche Fälle in seine Praxis. „Ich kann die Kaninchen dann nur noch erlösen.“

Tierheim vermittelt an Ostern keine Kaninchen

Die Tiere müssen also gepflegt und im Auge behalten werden. Der Tierarzt empfiehlt deshalb, sie Kindern grundsätzlich erst ab dem Grundschulalter zu schenken. Und natürlich müssen auch die Erwachsenen aufpassen. Das können die Verantwortlichen im Schongauer Tierheim nur unterstreichen. Dort hoppeln derzeit fünf Kaninchen durchs Freigehege. „Das wird sich nach Ostern aber sicher ändern“, ist sich Leiterin Elke Keller sicher. Mit fünf bis 15 Neuankömmlingen rechnet Keller auch in diesem Jahr wieder. Darunter sind ihren Erfahrungen nach nicht nur Kaninchen, auch Meerschweinchen werden zu Ostern verschenkt. „Und wenn die Leute dann merken, dass sie Arbeit und Dreck machen, werden sie im Tierheim abgegeben“, seufzt die Chefin der Schongauer Einrichtung. Das Tierheim selbst vermittelt deshalb vor Ostern keine Kaninchen und Meerschweinchen. Die Gefahr ist laut Keller zu groß, dass sie nach den Feiertagen postwendend zurückgebracht werden.

Nicht ganz so eng sieht man das bei den Verantwortlichen des Vereins für Rasseflügel-, Vogel- und Kaninchenzüchter Weilheim und Umgebung, der jeden zweiten Sonntag im Monat (von 7 bis 11 Uhr) in der Hochlandhalle einen Kleintiermarkt veranstaltet. Erster Vorstand Christian Tellmann beobachtet auch, dass vor Ostern und generell im Frühjahr mehr Kaninchen nachgefragt werden. Um die 40 Euro kostet seinen Angaben nach ein Kaninchen auf dem Mark. Der Preis variiere je nach Größe und Rasse. 

Tellmann selbst verkauft hin und wieder Riesenschecken aus seiner Zucht. Auch Familien mit Kindern zählen zu den Abnehmern. Sie wüssten meist Bescheid, wie die Kaninchen zu halten sind. Wenn nicht, dann erkläre er es ihnen, berichtet Tellmann. Negative Erfahrungen habe er noch nie gemacht, betont der Züchter, der auch noch nie ein Kaninchen zurücknehmen musste. Das würde er anstandslos machen „und das Geld zurückbezahlen“, versicher er.

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