Die Eröffnung des 7. „Dinner in weiß“ am Brahmsplatz durch Zeremonienmeister Martin Kayser (im Hintergrund stehend).
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Die Eröffnung des 7. „Dinner in weiß“ am Brahmsplatz durch Zeremonienmeister Martin Kayser (im Hintergrund stehend).

Trotz Corona konnte Veranstaltung steigen

Schongauer treffen sich zu „Dinner in weiß“ auf dem Brahmsplatz

Das „Dinner in weiß“ bleibt in Schongau eine Erfolgsgeschichte. Heuer hat Initiator Martin Kayser für einen Sommerabend auf den Brahmsplatz in Schongau-West eingeladen.

Schongau – Wie erfreut Martin Kayser über die Nachricht ist, dass das „Dinner in weiß“ in diesem Jahr wegen Corona nicht ins Wasser fallen muss, sieht man an seiner ersten Bekanntgabe in der E-Mail. Lachende Smileys am laufenden Band. Erleichterung trotz einiger Auflagen, die Kayser zusammenfasst und frühzeitig an all seine „Brüder und Schwestern in weiß“ weitergibt. Abstände, Mundschutz und so weiter: alles generalstabsmäßig aufgelistet. Die Veranstaltung kann steigen.

Der Ort: streng geheim. Vermutungen wegen eines Hinweises von Kayser. Etwas längerer Weg zum Veranstaltungsort, ein Bollerwagen wäre ideal, dazu jede Menge Fackeln. Gedanken gehen in Richtung Lido. Doch Kayser hegt andere Gedanken. Er will ein Zeichen setzen, dass der liebevoll gestaltete Brahmsplatz mehr in den Focus rücken soll.

Schongauer „Dinner in weiß“ 2020: Vor der Veranstaltung ziehen Gewitterwolken auf

Die Bekanntgabe dann auch erst wenige Stunden vor der Spontan-Veranstaltung. Der Termin des ausgewählten Tages steht, es ist der vergangene Donnerstagabend.

Aber da hängen schwarze Wolken rings um Schongau. Starke Gewitter in Steingaden, Lauterbach, Wildsteig und Rottenbuch gehen nieder. Auch Schongau wird befeuchtet, aber zum festgelegten Termin gibt es einen Sonnenuntergang wie im Bilderbuch. Kayser muss ein Zocker sein, aber mit Erfolg. Das Fest kann steigen.

Schongauer „Dinner in weiß“ 2020: Martin Kayser begrüßt die Gäste

Verwunderte Gesichter bei den letzten Besuchern des Spielplatzes am Brahmsplatz. Die weiße Lawine rollt an. Tische werden aufgeklappt, Stühle in Position gestellt, Abstände ausgemessen. Dazwischen Kayser mit Mundschutz und Gästeliste. Alles in weiß, Anzug, Hut, Mundschutz und Papier. Er hat die Sache im Griff.

Nur mit seiner goldenen Glocke hat er Anfangsschwierigkeiten, der Klöppel hat sich verhakt. Doch auch dieses meistert Kayser.

Es folgen eine kurze Ansprache, ein paar Informationen zum Platz selbst und dann die Eröffnung: Das traditionelle Winken mit den weißen Tüchern klappt. Die Korken dürfen knallen.

Schongauer „Dinner in weiß“ 2020: Besucherin aus Griechenland

Gut 50 Personen haben an ihren Tischen Platz genommen. Und alle haben sich an den Dresscode gehalten. Vom Scheitel bis zur Sohle. Auch ein ganz besonderer Gast, der auf alle Fälle die längste Anreise hatte. Besser gesagt eine Sie, die von Piräus nach Schongau gekommen ist. Seit 40 Jahren hat sie ihren Wohnsitz gewechselt, seit 30 Jahren lebt sie mit Familie in Griechenland.

Es ist Ingeborg Seiband, deren Eltern lange Zeit in Schongau ein Fliesengeschäft hatten. Eigentlich wollte sich die Familie im März in Schongau treffen, um den 90. Geburtstag des Vaters zu feiern. Aber Corona machte dem einen Strich durch die Rechnung.

Als es jetzt wieder möglich war zu reisen, hat Ingeborg Seiband gleich die Koffer gepackt – allerdings ohne Weißes drin.

Sie lebt seit 30 Jahren in Piräus und nimmt am Vortag ihres Rückflugs an „Dinner in weiß“ teil: Gabriele Seiband (links) mit ihren Freundinnen Petra Thomas und Mona Maucher (rechts).

Für eine Überraschung des Gastes aus Griechenland sorgt dann Mona Maucher, die mit ihr damals in die Schule gegangen ist. Sie sagt am Nachmittag nur so lapidar zu Seiband, sie solle sich weiße Kleidung besorgen. Warum? Fehlanzeige, großes Geheimnis.

Also geht Seiband auf Plündertour in Mutter Ilses Kleiderschrank. Alles ist vorhanden, sogar die kleine Handtasche aus den 60er Jahren passt perfekt.

Kurze Zeit später der Telefonanruf von Maucher: „Zieh’ Dich weiß an und sei um 19 Uhr fertig.“ Und jetzt sitzt sie da, mit Mona und Freundin Petra Thomas an einem Tisch. Nicht zu überhören, dass sich die Freundinnen viel zu erzählen haben. Wie all’ die anderen Gäste, die viele lockere Gespräche führen und sich immer wieder mit Wein und Sekt zuprosten. Halt, eine Ausnahme. Der Bürgermeister hält an seinem Stil fest. Und an seinem Weißbierglas, das er von Anfang an zu der Veranstaltung mitbringt.

VON HANS-HELMUT HEROLD

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