Die östliche Seite des Marienplatzes soll in jedem Fall ganzjährig verkehrsberuhigt bleiben. 
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Die östliche Seite des Marienplatzes soll in jedem Fall ganzjährig verkehrsberuhigt bleiben. 

Noch nicht vom Tisch

Stadtrat diskutiert erneut über Fußgängerzone: Auflösung wäre teuer

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Auch der neue Schongauer Stadtrat lehnte den Antrag, die „lächerlichste Fußgängerzone Oberbayerns“ aufzulösen, einstimmig ab. Vom Tisch ist das Thema aber nicht.

Schongau Ludwig Völk und René Repper hatten sich mit Eingaben an die Stadt gewandt und forderten darin, die Fußgängerzone komplett abzuschaffen (wir berichteten). Verständnis äußerte Bürgermeister Falk Sluyterman für die Lage der Geschäftsleute speziell in diesen Corona-Zeiten. Argumente, dass Kunden wegen fehlender Parkplätze ausbleiben würden, seien hingegen nicht nachvollziehbar. „In Sachen Fußgängerzone alle unter einen Hut zu bringen, ist sehr schwierig, aber die Diskussion um Parkplätze ist eine Scheinproblematik.“ 2015 sei mit breiter Mehrheit – mit nur einer Gegenstimme – die Fußgängerzone beschlossen worden – zur Belebung der Altstadt. Verbessert worden sei die Aufenthaltsqualität, allein schon dadurch, dass die Durchfahrt von 4000 Fahrzeugen pro Tag über den Marienplatz erheblich eingeschränkt worden sei. Und die Stadt sei weiter tätig geworden, so Sluyterman. Er nannte Beispiele: Einstieg in die Digitale Einkaufsstadt, eine Stunde kostenfreies Parken, Start einer Imagekampagne über Facebook. Auch seien im Einzelhandelskonzept die Stellschrauben genau aufgelistet.

Trotz des positiven Grundsatzbeschlusses für eine Fußgängerzone habe man sich im Stadtrat wiederholt mit dem Thema „Aufrechterhaltung der Fußgängerzone“ auseinandergesetzt, zuletzt im Herbst mit dem Antrag der Werbegemeinschaft Altstadt. Dabei sei dies durchaus kritisch: „Jede Diskussion führt zu einem Imageverlust für die Altstadt“, warnte Sluyterman. Bei jeder Berichterstattung bleibe das Negative hängen und konterkariere die Bemühungen, die Altstadt zu beleben. Daher habe man den Antrag der Werbegemeinschaft damals auch nichtöffentlich beraten, „um nicht einen weiteren Imageverlust zu erleiden“.

Stadtbaumeister beschreibt Schongauer Fußgängerzone als „ausgewogenen Kompromiss“

Stadtbaumeister Sebastian Dietrich bewertet die aktuelle Situation am Marienplatz als einen „ausgewogenen Kompromiss“: Es gebe Kurzzeitparkplätze ebenso wie eine Be- und Entladezone. „Die massiven Investitionen am Marienplatz durch Investoren sind ein Zeichen dafür, dass diese Lösung eine Zukunft hat“, ist Dietrich überzeugt. Auch hätten bei Umfragen viele Schongauer den autofreien Marienplatz als positiv bewertet. Den vielleicht gewichtigsten Punkt, warum die Fußgängerzone am Marienplatz nicht einfach zurückgenommen werden kann, führten der Stadtbaumeister und Kämmerer Werner Hefele gemeinsam aus: Die Stadt müsste viel Geld zurückzahlen. Die Baumaßnahme war über die Städtebauförderung bezuschusst worden, was die Stadt 25 Jahre lang bindet. „Die Förderung von 176 000 Euro würde im Raume stehen, wenn der Marienplatz geöffnet wird“, machte Hefele klar.

Fußgängerzone abschaffen: Werbegemeinschaft Schongau distanziert sich vom Antrag

Susanne Tischner, UWV-Stadträtin und Mitglied in der Vorstandschaft der Werbegemeinschaft, hob besonders hervor, dass man vorab nicht über den Antrag Repper/Völk informiert gewesen sei, man distanziere sich von diesem Vorstoß. Die Infofahrt nach Günzburg und ein runder Tisch hätten gezeigt, dass man im Gespräch sei, weshalb man im Februar auch den Antrag auf saisonale Öffnung auf Eis gelegt habe. „Aber die Geschäfte kämpfen mit einer extrem schwierigen Lage“, machte Tischner deutlich. Der Antrag auf Winteröffnung der Marienplatz-Westseite sei damals von mehr als 100 Geschäftsleuten unterstützt worden. „Wir alle lieben unsere Stadt, wir wollen das gemeinsam schaffen.“ Auch Kornelia Funke (CSU) warb dafür, einen Weg für alle zu finden, sich noch einmal zusammenzusetzen, um auch die rechtliche Situation einer halbseitigen Winteröffnung abzuklären. „Das können wir heute nicht entscheiden, aber das Plädoyer einer Kompromisslösung nehmen wir als Hausaufgabe mit“, versprach Sluyterman.

Zuvor hatte Bettina Buresch (Grüne) ihren Unmut darüber geäußert, sich erneut mit dem Thema zu befassen. „Ich weigere mich, das Wort Fußgängerzone in den Mund zu nehmen, es handelt sich um einen kleinen, verkehrsberuhigten Bereich, der zwei Mal in den V-Markt-Parkplatz passt.“ Die Formulierung Reppers, über die „lächerlichste Fußgängerzone Bayerns“, ärgerte sie ebenfalls. „Das Zitat ist eine Frechheit.“

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