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Digitale Wasseruhren werden nach EU-Recht bald Pflicht

Aus Schongau berichtet

Schongau: Einspruch gegen Funkwasserzähler möglich

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Schongauer, die ihre Funkwasserzähler abschalten lassen möchten, können sich bei den Schongauer Stadtwerken melden. Damit reagiert die Stadt Schongau auf einen Antrag der ALS und Beschwerden einzelner Bürger. „Der Widerspruch muss für alle möglich sein“, so Stadtrat Siegfried Müller.

Schongau – Der Stadtrat hatte jüngst einen Antrag der ALS-Fraktion auf dem Tisch, den Einbau von Funkwasserzählern zu regeln. Das Vorgehen der Mitarbeiter des Wasserwerks bezüglich Information und Widerspruchsrecht entspreche nicht den gesetzlichen Anforderungen, formuliert es Fraktionsvorsitzende Nina Konstantin. Die ALS forderte, den Einbau von Zählern mit Funkmodul unverzüglich einzustellen und alle Eigentümer und Bewohner von Häusern, in denen bereits ein Einbau erfolgt sei, entsprechend den Richtlinien zu informieren. „Eine unbefristete Widerspruchsfrist muss gewährt werden.“

Funkwasserzähler sind längst eingebaut 

Vorab sind Information und Widerspruch nicht mehr möglich, da die Funkwasserzähler längst eingebaut sind. Darüber informierte Alexander Joseph, technischer Werkleiter der Stadtwerke, das Gremium. Dies wusste auch Konstantin bereits: „Der Antrag ist nicht mehr ganz aktuell, wir hatten nicht die richtigen Informationen, aber es ist trotzdem wichtig, denn viele Bürger wollen nicht, dass der Wasserzähler alle 15 Sekunden ein Signal abgibt.“ Siegfried Müller konkretisierte die Problematik. Auch wenn es vielleicht nur wenige Bürger seien, müsse der Widerspruch für alle möglich sein. „Schongau war offenbar nicht so gut informiert; der Zähler funkt alle 15 Sekunden und wir wissen nicht, ob dies gesundheitsschädlich ist oder nicht.“ Allerdings wolle er sich auf diese Diskussion gar nicht einlassen, sondern einfach nur auf das Recht bestehen, die Zähler abstellen zu lassen. Statt einmal im Jahr den Zähler abzulesen, werde ständig gefunkt. „Es gibt immer mehr elektrosensible Menschen, ich verstehe gar nicht, wie man in der heutigen Zeit darüber hinweggehen kann.“

Dieser Punkt wird zu Protokoll genommen

Bürgermeister Falk Sluyterman versprach, dass dieser Punkt ins Protokoll aufgenommen werde, nur wolle man vermeiden, die Mustersatzung zu ändern. Alexander Joseph hatte noch ein paar Zahlen parat: Seit 2003 hatten die Stadtwerke begonnen, auf Wasserzähler mit aufgestecktem Funkmodul umzustellen, dies ist seit 2009 abgeschlossen.

Derzeit sind etwa 3100 Wasserzähler verbaut, außerdem 937 Wärmezähler, die alle sechs bzw. fünf Jahre gewechselt werden müssen. Neun Grundstückseigentümer hätten bisher bei den Wasserzählern der Funkablesung widersprochen, niemand bei den Wärmezählern. Für die Stadtwerke sei die Handhabung viel einfacher, da die Bürger nicht persönlich anwesend sein müssten, die Ablesung erfolge von der Straße aus. Praktisch für die Stadtwerke: „Binnen von zweit Tagen ist das ganze Stadtgebiet abgelesen“, so Joseph.

Seit 2017 werden Ultraschallzähler verbaut

Seit 2017 werden in Schongau Ultraschallzähler verbaut, mittlerweile bereits 760 Stück, also sind rund 25 Prozent der Haushalte versorgt. Auf Datenschutz werde besonderer Wert gelegt. Weder seien die Zähler programmierbar noch auf irgendeine Weise steuerbar. Auch personenbezogene Daten würden nicht erfasst, ausgelesen werde nicht mehr als Seriennummer des Zählers, Datum, Uhrzeit, Stichtagswert und Zählerstand. Der Funkzähler befinde sich das Jahr über in einem Ruhemodus, wobei Joseph bestätigte, dass alle 15 Sekunden ein „Trägersignal“ gesendet werde. Für die Datenauslesung wird das Gerät etwa eine Sekunde lang aktiviert und geht dann wieder in den Ruhemodus. Im Vergleich zu schnurlosen Telefonen, die bei 250 Milliwatt, und ein Handy, das mit bis zu 2000 Milliwatt betrieben werde, liege die Leistung des Signals bei 7 bis maximal 25 Milliwatt.

Der Stadtrat folgte dem Vorschlag des Werkausschusses und beschloss eine Änderungssatzung. Jeder kann auch nachträglich Widerspruch einlegen. Dann liest ein Mitarbeiter der Stadt den Stand ab. In absehbarer Zeit hat sich das Thema aber ohnehin erledigt. Ab Oktober 2020 neu installierte Zähler müssen elektronisch ablesbar sein. Diese EU-Richtlinie ist bereits in Kraft getreten.

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