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Die Lehrer-Gewerkschaft (GEW) hatten die Schülersprecherinnen Sophia Sinn (Mitte) und Lisa Wimberger (re.) mit Lehrerin Caroline Neumeier (li.) vom Welfen-Gymnasium zu Gast, die zum Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ informierten. 

Schongauer Gymnasiasten berichten über Projekt gegen Rassismus

Erlebnisse von couragierten Schülern

Seit gut einem Jahr trägt das Welfen-Gymnasium Schongau den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Über die Umsetzung des Projekts an ihrer Schule haben jetzt Sophia Sinn und Lisa Wimberger bei einer Sitzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) in der Blauen Traube in Schongau berichtet.

Schongau – Die Idee, mit dem Welfen-Gymnasium an der europaweiten Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ teilzunehmen, hatte bereits die ehemalige Schülersprecherin Amelie Kaul. Ihre Nachfolgerinnen, Sophia Sinn und Lisa Wimberger, haben die Idee begeistert aufgegriffen und stießen erst einmal auf Schwierigkeiten.

Ein Pate war mit Bernhard Ebner schnell gefunden  

Bedingung für die Teilnahme am Projekt ist es nämlich, einen Paten für die Schule zu finden: „Keiner, bei dem wir angefragt haben, wollte das machen“, sagte Sophia Sinn. Die rettende Idee kam von Lehrer Wilfried Funke: Der brachte Eishockey-Nationalspieler Bernhard Ebner ins Spiel, der selbst einmal Schüler am Welfen-Gymnasium war. Und der wollte.

86 Prozent der Schüler, Lehrer und Angestellten machen mit

Dann galt es, Unterschriften zu sammeln. Denn die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gibt es nur, wenn sich mindestens 80 Prozent der Schüler, Lehrer und Angestellten schriftlich verpflichten, gegen Rassismus einzuschreiten. „Es haben 86 Prozent unterschrieben“, berichtete Lisa Wimberger.

Bei den Lehrern und dem Direktor kam die Idee ebenfalls gut an. „Es war schön, dass der Vorstoß ohne unser Zutun aus der Schülerschaft kam“, sagte Lehrerin Caroline Neumeier, die die beiden Schülerinnen als Ansprechpartnerin begleitete.

Einen kritischen Einsatz hatten einige Schüler bereits: „Die AfD hatte über dem Wegweiser zu unserer Schule ein Plakat mit der Aufschrift „Islamfreie Schule“ aufgehängt“, berichtete Wimberger. Die Schüler beschlossen, mit einem Plakat „Rassismusfreie Schule“ dagegenzuhalten.

Als sie das über das AfD-Plakat hängten, wurden sie glatt von einem Passanten fotografiert, der wohl die von der AfD ausgelobte Belohnung für Beschädigungen des Wahlplakats einheimsen wollte. Zusammen mit einem Lehrer suchten sie das Gespräch und erreichten, dass das Foto gelöscht wurde.

Auch ein sozialer Tag gehört dazu

Weitere Projekte der Initiative sind der soziale Tag, an dem die Schüler in regionalen Betrieben mitarbeiten und das verdiente Geld für eine soziale Einrichtung spenden. Und eine Klimaschutz-Aktion oder der Einsatz für den Erhalt eines regionalen Anbieters an der Schulmensa (wir haben berichtet). Für das nächste Jahr ist die Ausbildung von zwei Schülern zum „Courage-Coach“ geplant.

Ebenfalls die Auszeichnung zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hat seit dem Jahr 2016 die Albrecht-Schnitter-Berufsschule in Herzogsägmühle. „Wir haben aktuell 599 Schüler. Davon 32 Prozent nicht deutschstämmige und 25 Prozent muslimischen Glaubens“, berichtete bei dem GEW-Abend Religionspädagoge Andreas Stoß aus Herzogsägmühle. Die Auszeichnung, bei der stellvertretender Landrat Karl-Heinz Grehl als Pate fungiert, bekam die Schule trotzdem nur knapp. Denn nur gerade so bekam man die erforderlichen Unterschriften zusammen. „Mir stellte sich in diesem Zusammenhang die Frage: Was ist Rassismus überhaupt?“, sagte Stoß, der das Label am liebsten durch „Schule ohne Ausgrenzung“ ersetzen würde.

Ausgrenzungserfahrungen kennen die Schüler gut 

Denn Ausgrenzungserfahrungen haben die Schüler der Albrecht-Schnitter-Schule fast durchgängig gemacht. Wenn man als Lehrer bei sämtlichen diesbezüglichen Äußerungen dazwischengehe, sei man auf dem richtigen Weg. Mit beständigen, kleinen Schritten. Da brauche es keine Veranstaltungen. „Wir versuchen, so etwas wie einen würdevollen Umgang miteinander zu pflegen“, so Stoß.

Ursula Fröhlich


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