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Im Glockenturm der evangelischen Kirche in Schongau erklärte Hausmeister Matthias Thurn, hier mit Frau und Mesnerin Ilona, welche Teile schadhaft sind und ersetzt werden müssen.

Evangelische Kirche in Schongau

Für die neuen Glocken: Pfarrer überrascht mit Erlebnisversteigerung

Für den Kauf neuer Turmglocken für die evangelische Kirche in Schongau sind jetzt bei einer Versteigerung kuriose Dinge unter den Hammer gekommen.

Schongau – Zu gewinnen gab es auch eine Führung in den Glockenturm der katholischen Kirche Mariae Himmelfahrt. Gewonnen hat die Ludwig Kees aus Ingenried. Den Preis gestiftet hat Schongaus katholischer Pfarrer Norbert Marxer, der dazu noch eine Brotzeit in geselliger Runde spendierte.

Es ist eine besondere Versteigerung, die jüngst nach dem „Open Air- Gottesdienst“ auf die Mitglieder und Gäste der evangelischen Kirchengemeinde Schongau wartet: Gestärkt durch Grillspezialitäten von Rosi Brecht mit ihrem Team, zaubert Schongaus evangelischer Pfarrer Jost Herrmann eine Erlebnisversteigerung aus dem Ärmel. Spezielle Preise, die es normal nicht zu kaufen gibt, können an diesem Tag ersteigert werden.

In die Rolle des Auktionators schlüpft Herrmann selbst. Gekonnt und professionell, als hätte er auf Hamburgs Fischmarkt sein Diplom dazu erworben. Schließlich geht es ja um eine wichtige Sache. Es dreht sich nämlich alles um die in die Jahre gekommenen drei Glocken der Dreifaltigkeitskirche inklusive Klöppel und der Ölbadmotoren.

Hausmeister gibt Erklärung in luftiger Höhe

Hausmeister Matthias Thurn gibt seine Erklärungen dazu in luftiger Höhe ab. Über 62 Stufen lockt er die Wissenshungrigen in die Glockenstube. Dort erklärt er, welche Teile unbedingt ausgewechselt werden müssen und zeigt dabei die schadhaften Teile. „Die neuen Klöppel werden aus weicherem Eisen und in den Ausmaßen etwas kleiner sein“, erklärt er. Auch die Schallbretter müssen ausgewechselt und neu eingestellt werden. Und, und, und….

Man merkt sofort: Der Hausmeister ist in seinem Element und kann die Zuhörer bildlich fesseln. Am Ende bietet er an, den Viertelstundenschlag per Hand auszuführen. Tobias Pupeter nimmt die Chance wahr, danach zeigt er sich spendabel und löhnt großzügig.

Nicht zu vergessen Mesnerin Ilona Thun: An ihr kommt keiner ungeschoren vorbei. Sie regelt die Turmbesteigungen und sorgt ebenfalls dafür, dass sich die Kasse füllt. Die Erde hat Tobias Pupeter wieder. Gerade rechtzeitig, um bei seinem Lieblingspreis mit zu steigern. Pfarrer und Auktionator Herrmann animiert die Gäste, tief in die Tasche zu greifen. Und das tun sie, so schnell gibt’s solche Preise nicht mehr.

Privatvorführung im Lagerhaus-Kino

Jetzt sind Pupeter und Sigune Echter am Zug. Sie wollen unbedingt eine Privatvorführung für 60 Personen im Lagerhaus-Kino ersteigern. Und schaffen es. Für 220 Euro bekommen sie den Zuschlag. „Wir wollen Grundschulkinder aus dem Landkreis einladen, um mit ihnen den preisgekrönten Film ,Kinder der Utopie’ anzusehen. Ein Film über ein Inklusionsprojekt in Berlin“, erklärt Pupeter. Großartige Idee, um dabei gleich zwei Projekte zu unterstützen.

Herrmann macht weiter und haut einen Zuschlag nach dem anderen raus. Eine Stadtführung des Bürgermeisters Falk Sluyterman durch Schongau mit Besuch der Weinstube inklusive Wein und Flammkuchen ersteigert Klaus Günnewig für 100 Euro. 160 Euro lässt es sich Brigitte Kees kosten, von den „Landstreichern“ ein exklusives Hauskonzert zu bekommen. Wolfgang Holzinger wird für 90 Euro von Pfarrer Herrmann in ein Café kutschiert – natürlich in dessen orangefarbenem Oldtimer VW Käfer.

Als Auktionator gab Pfarrer Jost Herrmann eine gute Figur ab. Rechts Pfarrerin Julia Steller.

Eigentlich ist Johannes Jais eher musisch begabt. Aber für diesen Preis zieht er sich schon mal die Wanderschuhe an: Für 130 Euro wird er von Pfarrerin Julia Steller in die nahe Bergwelt geführt. Mit Brotzeit nach geglücktem Abstieg, versteht sich.

500 Euro an Flohmarkttischen erwirtschaftet

Es geht Schlag auf Schlag, dann kommt eine frohe Botschaft von nebenan: Die Jungs an den Flohmarkttischen haben 500 Euro erwirtschaftet, die Versteigerung bringt 1450 Euro ein. Nicht zu vergessen das „Gewichtschätzen“ der kleinen Glocke, das nochmals 85 Euro bringt. Fast richtig getippt haben dies Rosi Brecht und Brigitte Kees mit geschätzten 220 Kilogramm. Realgewicht 230 Kilogramm. Die beiden Frauen spenden spontan ihren Gewinn.

Am Ende setzt Wolfgang Holzinger noch eins drauf: Er hat vor Jahren bei Aufräumarbeiten im Kirchturm den alten eisernen Klöppel einer Glocke gefunden. Zu schade für den Schrott, hat er empfunden und das Stück in einem Schaukasten mit Beschriftung gesichert. Jahrelang lag das Exponat in Holzingers Zuhause, jetzt hat die Kirchengemeinde selbst für 100 Euro das Stück zurück erworben.

HANS-HELMUT HEROLD


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