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Faszinierend berichtete Jonas Deichmann von seiner 23 112 Kilometer langen Weltrekordtour. 

Extremsportler im Jakob-Pfeiffer-Haus

Extremsportler berichtet in Schongau von abenteuerlicher Tour: Bis zu 17 Stunden am Stück im Sattel

In 97 Tagen mit dem Rennrad von Alaska nach Feuerland. Jonas Deichmann hat damit einen  Weltrekord  aufgestellt. Davon hat er jetzt in Schongau berichtet.

Schongau – Über die „Kunst nie aufzugeben“ hat der 32-jährige Abenteurer Jonas Deichmann aus München auf Einladung der Initiative „Denkraum 21“ um Ralf A. Schnabel einen fesselnden Motivationsvortrag gehalten. Er hat quasi den 70 Zuhörern im Jakob-Pfeiffer-Haus einen Einblick in das Gefühlsleben eines Extremsportlers gestattet.

Jonas Deichmann ist am 19. August 2018 in Prodhoe Bay im nördlichen Alaska zu diesem extremen Weltrekordversuch gestartet. Ziel: Ushuala an der Südspitze Südamerikas. Und dies ohne Begleitfahrzeug. Deichmann war auf der gesamten Strecke auf sich allein gestellt. Gepäck mit Zelt, Bekleidung und Verpflegung, alles an seinem Rennrad verstaut. Acht Kilogramm das Rennrad, sieben Kilogramm das Gepäck.

„Ich habe sogar den Stiel von meiner Zahnbürste abgeschnitten, um Gewicht zu sparen,“ berichtete Deichmann schmunzelnd, der 185 Zentimeter große und 80 Kilogramm schwere Athlet.

Sportler berichtet in Schongau von Panamerika-Radtour: Ernährung als besondere Herausforderung

Die Ernährung sei auf der gesamten Strecke eine ganz besondere Herausforderung gewesen: Der tägliche Bedarf von 10 000 Kalorien musste auch aus der Wildnis des Nordens und den Wüsten Perus gedeckt werden. 236 Kilometer am Tag ohne Unterbrechung ist Deichmann gefahren, 98 Tage am Stück.

Und das bei jedem Wetter und jedem Klima: „Die Bedingungen waren extrem, insbesondere in Südamerika hatte ich praktisch jeden Tag entweder Hochgebirge oder extrem starken Gegenwind,“ sagte Deichmann. Da musste er schon mal 17 Stunden ohne Unterbrechung im Sattel sitzen. Bei starker Hitze habe er am Tag geschlafen und ist nachts geradelt. Extreme Bedingungen haben Deichmann in Peru, Chile und den Anden erwartet. Und in der Pampa: „3000 Kilometer flach, heftiger Gegenwind, Gewitter, Blitze um mich herum und immer geradeaus.“

Nach 98 Tagen, 23 112 Kilometern und 195 800 Höhenmetern am Ziel war Deichmann von den Strapazen sichtlich gezeichnet, wog nur noch 68 Kilogramm. Die Motivation, täglich bis zu 13 Stunden auf dem Fahrrad zu sitzen, habe er sich während des Studiums und nach der Masterarbeit geholt. Er wollte die Welt kennenlernen. So einfach.

Extremsportler beantwortet nach Vortrag in Schongau viel Fragen

Nach seinem Vortrag musste Deichmann noch viele Fragen beantworten. Beispielsweise, wie es ihm während der Fahrt gesundheitlich so ergangen ist. Hauptproblem seien der Nacken und der Rücken gewesen. „Ja, und wie ist es mit dem Hintern, wenn man bis zu 17 Stunden auf dem Sattel sitzt?“, wollte eine Besucherin wissen. „Da tut einem der ganze Körper so weh, dass man den Hintern gar nicht mehr spürt,“ antwortete Deichmann schmunzelnd.

Thema Pannen: 50 platte Reifen hatte Deichmann insgesamt, manchmal fünf an einem Tag. Einmal musste er den Reifen mit Gras füllen. „Das ist zwar holperig, geht aber“, meinte er trocken. Viel Applaus bekam der Abenteurer am Ende des Vortrages, den er mit Bildern anschaulich gestaltet hatte. Die nächste Fahrt hat Jonas Deichmann schon geplant: Vom Nordkap nach Kapstadt. Das sind dann allerdings „nur“ 18 000 Kilometer.

VON WALTER KINDLMANN

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Außerdem interessant: Männliche Küken sollen in Deutschland fürs Erste weiter getötet werden, weil sich ihre Aufzucht nicht lohnt. Demeterbauer Markus Schleich aus Peiting hält es für „blamabel“, der Großanbieter Jürgen Fischer aus Hohenfurch kann es dagegen nachvollziehen.

Und hier lesen Sie weitere Nachrichten aus Schongau und Umgebung.

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