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Auch ein original Schongauer Prinzengewand ist in der Ausstellung zu sehen, wie Helmut Hunger (re.) erläuterte. 

Ausstellung im Stadtmuseum

Schongauer Fasching im Wandel der Zeit

Die närrische Jahreszeit ist auch im Schongauer Stadtmuseum angekommen. Am vergangenen Sonntag ist die Ausstellung „Fasching in Schongau“ eröffnet worden.

Schongau – Der Fasching hat eine lange Tradition in der Lechstadt, wie Franz Grundner von der Arbeitsgemeinschaft Stadtmuseum ausführte. Zusammen mit Harald Scharrer und Helmut Hunger, selbst Faschingsprinz im Jahre 1971, hat er die sehenswerte Schau zusammengetragen.

Bereits im Jahre 1554 wurde erstmals ein Faschingstreiben in Schongau erwähnt, als „die Weilheimer mit ihrem Schwerttanz und Fastnachtspiel allhie gewest“ waren, wie es heißt. 1599 werden gar mehrere Frauen zu Geldstrafen verurteilt, weil sie an Fastnacht „mit Mannskleidern auf die Gassen gegangen sind“.

Im 17. Jahrhundert scheint der Fasching in Schongau so ausschweifend gefeiert worden zu sein, dass 1658 auf „churfürstlichen Befehl die Mascarade und die öffentlichen Fastnachtspiele“ verboten wurden. Die „Maskenumzüge“, wie die Faschingsumzüge anfangs genannt wurden, sind seit 1837 belegt. Allerdings fanden sie nur unregelmäßig statt, wie Franz Grundner ausführte.

Schongaus Faschingsumzug lockt zahlreiche Schaulustige

Der bis dato größte Faschingsumzug am 2. März 1897 lockte damals zahlreiche Schaulustige aus der Region in die Stadt. Nach dem Vorbild des rheinischen Karnevals zogen 25 Musikergruppen und Festwagen, die von Ochsen und Pferden gezogen wurden, samt Prinzengarde durch die Stadt.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam der Schongauer Fasching für einige Jahre zum Erliegen. Erst 1920 wurde er mit bunten Abenden wiederbelebt. In der Zeit des Nationalsozialismus erlebte er einen Aufschwung, der Fasching wurde zum Jubelfest der Volksgemeinschaft stilisiert.

In der Nachkriegszeit wird Fasching in Peiting größer gefeiert

In der Nachkriegszeit hatte beim Faschingstreiben Peiting die Nase vorn. Der Faschingsumzug 1950 mit dem provokativen Wagen „Schanghai (Schongau) schläft“ in der Marktgemeinde führte zu einem regelrechten Zerwürfnis, das über Jahre andauerte. Die Schongauer zogen nämlich mit drei Wagen nach, die in letzter Minute von etwa 40 Peitingern entführt wurden. Der spontan kreierte „Ersatzwagen“ mit drei Misthaufen, in deren mittlerem das Schild „Gemeinde Peiting“ und in den beiden anderen „Ortseingang und -ausgang“ steckten, trübte das Verhältnis der Gemeinden nachhaltig, wie Franz Grundner es umschrieb.

Das erste Schongauer Prinzenpaar wurde 1951 mit „Prinz Wilhelm I. vom Helgoland“ (Wilhelm Klein) und „Sophia I. von Schongau“ (Sophia Groner) proklamiert. Die Schongauer Faschingsgesellschaft wurde 1962 gegründet. Damals zog man mit dem Prinzenpaar aus Helga Prokosch und Hermann Klauser in den Fasching. „Das war schon eine lustige Zeit“, erinnerte sich Prinzessinnen-Bruder Paul Prokosch, der zusammen mit seiner Frau auf einem Foto als „unbekanntes“ Liebespaar im Chinesen-Kostüm zu sehen ist.

Auch Rita Stolz, geborene Schönach, die Faschingsprinzessin von 1963, erinnert sich gerne an die schöne Zeit. „Wir haben das damals in vollen Zügen genossen. Gottseidank! Das kommt nicht wieder“, sagte sie.

Faschingsausstellung im Schongauer Stadtmuseum: Kleidung der Prinzenpaare zu sehen

Im Hause Stolz wurden jahrelang die Schongauer Faschingsroben – vom Gardekostüm bis zum Prinzessinnen- und Abendkleid – geschneidert, erzählte ihre ehemalige Mitarbeiterin Karin Bach. Ihr Mann hatte Rita Stolz kurz vor der Hochzeit überredet, Prinzessin zu werden. Ausgewählt zu werden war schließlich eine Ehre.

Eine Prinzenausstattung ist auch in der Ausstellung zu sehen. Das Original-Kleid von Rita Stolz mit der Krone der späteren Prinzessin Gitti Frommhold-Horber, die Prinzenmütze von Franz Bommersbach und der Umhang von Willy Stolz, wie Helmut Hunger aufzählte. In den Anfangszeiten trug der Prinz noch einen Anzug von der Stange, erzählte er.

Die Wende kam 1974 mit Charly Fremmer, der mit Strumpfhosen und Brokatfrack ein richtiges „Paradiesvogel-Outfit“ präsentierte. Ab da wurden auch die Prinzen bunter. Für die Ausstellung hat Hunger übrigens eine Fleißarbeit geleistet und rund 900 Fotos, Großteils von Fotograf Hans Michl, gesichtet und namentlich benannt.

Zu sehen ist die Schau zu den Öffnungszeiten des Stadtmuseums bis zum 29. März.

VON URSULA FRÖHLICH

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