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Ein Wohnraum- und Flächen-Management soll Schongau erhalten, um unter anderem leerstehende Häuser zu nutzen.

Stadtrat

Flächen-Management gegen Ghetto-Bildung

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Die Stadt Schongau will auf Antrag der Alternativen Liste (ALS) ein Flächen- und Wohnraum-Management auf die Beine stellen. Die CSU dagegen wittert einen Schachzug gegen das von ihr unterstützte Wohngebiet Schongau-Nord.

Schongau– Bettina Buresch, die den Antrag zum Flächen- und Wohnraum-Management im Stadtrat stellte, warnte vor einem weiteren Wachsen Schongaus an den Rändern. Das lasse nicht nur die Altstadt an Bedeutung verlieren, sondern führe mittelfristig auch zu Ghetto-Bildung in anderen älteren Stadtvierteln sowie langfristig dort zu „völligem Verfall“. Mit dem von ihr geforderten Management-Plan könnte neuer gehobener Wohnraum auch rund um die Altstadt geschaffen werden, ist Buresch überzeugt. Nachverdichtung spare die Ressource Boden, zudem sieht sie beim geringen Schongauer Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre keinen Bedarf für teure Einfamilienhäuser, zumal laut Buresch der Höhepunkt der Bevölkerungsentwicklung im Jahr 2035 erreicht werde. Dann könnte es Landflucht geben, weil in Ballungszentren vermehrt Wohnraum frei werde.

Von der Stadtverwaltung wurde der Antrag wohlwollend aufgenommen. „Er passt gut zum Integrierten Entwicklungskonzept Isek“, sagte Sebastian Dietrich vom Stadtbauamt. Dort würde er das Vorhaben integrieren, die Planung laufe gerade. Auch Friedrich Zeller (SPD) findet es gut, wenn mit Flächen sparsam umgegangen wird, zumal Schongau eine kleine Gemarkung und nicht mehr viel Platz habe. „Ein Fachbüro kann da Zahlen und Fakten liefern“, so Zeller.

Beim Thema Fachbüro verzog Michael Eberle (CSU) allerdings das Gesicht. Er hätte lieber einen Mitarbeiter oder Makler, der sich auskennt und wisse, wo es Leerstände gebe oder wer Erbe eines Grundstücks sei. „Der kann Anfragen konkret vermitteln“, so Eberle. Außerdem sei auch Nachverdichtung mit Vorsicht zu genießen: „Es gibt Quartiere, die wegen der Innenentwicklung ihren Charakter verloren haben.“ Natürlich könne man in viele Gärten ein zweites Haus bauen. „Aber dann würden viele Bäume fallen. Die Augsburger Straße etwa würde ihr Gesicht verlieren“, warnte Eberle.

Stephan Hild (UWV) sah es differenzierter. Der Antrag sei nützlich. „Da bekommen wir viele Zahlen, die teils bekannt, teils überraschend sein werden. Aber letztlich gibt die Rückkopplung der Markt, und der Bedarf an Wohnraum ist da.“ Einen Teil der Bau-Interessenten könne man sicher mit Leerstands-Management auffangen, „aber um ein neues Baugebiet Schongau-Nord werden wir nicht drumrumkommen“. Anders als von Buresch behauptet, sehe er auch keine Landflucht, sondern eher „eine Flucht zu uns, weil für viele nicht einmal Städte wie Landsberg und Penzberg finanzierbar sind“, so Hild.

Buresch betonte, es gehe beim Management-Plan nicht nur um freie Grundstücke, sondern auch um demografische Faktoren: Wer wohnt in einem Viertel, wie alt sind die Bewohner, welchen Wert haben die Grundstücke? „Das ist eine komplexe Aufgabe“, so Buresch. Für Eberle aber zu theoretisch: „Man soll sich auf Schongau-Nord konzentrieren“, forderte er, und auch Helmut Hunger (CSU) stellte die Frage, was das Wissen bringe, dass in fünf Prozent der Häuser eines Viertels die Bewohner über 75 Jahre alt seien. „Das heißt doch nicht, dass die verkaufen wollen. Der Bedarf an Häusern ist jetzt da“, so Hunger. Für Gregor Schuppe (ALS) seien solche Daten aber allemal aussagekräftiger als Telefonlisten beim Bürgermeister, wer angeblich alles bauen wolle. Und Siegfried Müller (ALS) sagte: „Es stehen so viele Häuser leer, das muss untersucht werden.“ Mit 16:6 wurde der Antrag angenommen.

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