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Bewegende Frauen-Lesung im Schongauer Ballenhaus

Im Ballenhaus Schongau

Frauen-Lesung über Rebellinnen ihrer Zeit

Einen bewegenden Einblick in das Leben fünf starker Frauen hat die szenische Lesung „Frauen, die laut denken, sind gefährlich“ mit der Ludwig-Thoma-Gemeinde Dachau gegeben, zu der die Kreis-Frauen-Union mit dem Kulturverein Schongauer Land ins Ballenhaus geladen hat. Rund 80 Besucher kamen und hörten gebannt zu.

Schongau – Ein langes, aber vielsagendes Zitat schildert den Hintergrund der Frauenlesung im Schongauer Ballenhaus: „Der Staat ist eine Schöpfung des Mannes. Männer haben ihn ausgedacht, haben ihn aufgebaut, haben seine Grenzen gezogen, seine Gesetze bestimmt, haben ihn mit Krieg belastet oder mit Werken des Friedens beglückt…Die Frau, die den Staatsgedanken nicht ausdachte, hat auch, nach dem Gebot der Männer, an seinem Ausbau keinen Anteil haben dürfen. Zum Waffendienst durch ihre körperliche Beschaffenheit untauglich, blieb sie auch von jeglichen politischen Rechten ausgeschlossen, genau so, wie die Unmündigen, Verbrecher und Irrsinnigen.“

Das klagte einst Carry Brachvogel in ihrem Buch „Eva in der Politik“, das 1920 erschienen ist. Die 1864 in München als Karoline Hellmann geborene jüdische Schriftstellerin engagierte sich im „Verein für Fraueninteressen“ und erkämpfte sich nach dem Tod ihres Mannes als alleinerziehende Mutter einen Platz unter den bekanntesten Literatinnen ihrer Zeit. Mit der Gründung des „Vereins Münchener Schriftstellerinnen“ setzte sie sich für die angemessene Bezahlung schreibender Frauen ein.

Gemeinsam haben sie, dass sie sich gegen das Frauenbild ihrer Zeit auflehnten

Ebenso wie sie und doch jede auf ihre Weise, verfolgten auch Franziska von Reventlow, Emerenz Meier und Lena Christ ihre literarische Karriere, während Liesl Karlstadt, geboren 1892, in Hosenrollen die Bühne eroberte. Gemeinsam haben alle fünf, dass sie sich gegen das vorherrschende Frauenbild ihrer Zeit auflehnten und für Gleichberechtigung kämpften.

Ihre weiblichen Zeitgenossinnen charakterisierte Carry Brachvogel so: „Die Münchnerin machte weder Eroberer noch Poeten mobil. Unter der Münchnerin konnte man sich eigentlich gar keinen bestimmten Frauentyp vorstellen. Man traute ihr zwar gerne alle möglichen biederen Eigenschaften zu, nannte sie häuslich, fleißig, sparsam, gottesfürchtig, kurz, man stellte ihr so ungefähr das Zeugnis einer tüchtigen, verlässlichen Beschließerin aus.“

„Häuslich, fleißig, sparsam, gottesfürchtig“

Ein Bild, dass sich durch Frauen wie sie so langsam wandelte. Oder durch Franziska von Reventlow (1871-1918), die das norddeutsche, adlige Elternhaus hinter sich ließ und als „wilde Gräfin“ die Schwabinger Bohème aufmischte. „Im Allgemeinen hat die Frau von heutzutage es aufgegeben, ,Gretchen’ zu mimen. Es liegt ihr nicht mehr, und man verlangt auch nicht mehr danach“, schrieb sie einst selbstbewusst.

Ganz anders Emerenz Meier (1874-1928), die auf dem elterlichen Hof im Bayerischen Wald aufwuchs und schon früh Gedichte und Geschichten schrieb. Sie wurde eine regionale Berühmtheit, ihre Texte erschienen unter anderem im „Simplizissimus“, für ihre Mitbürger in der Heimatgemeinde Schiefweg blieb sie die „narrische Verslmacherin“. „Hätte Goethe Suppen schmalzen, Klöße salzen, Schiller Pfannen waschen müssen, Heine nähen, was er verrissen, Stuben scheuern, Wanzen morden, Ach die Herren, Alle wären Keine großen Dichter worden“, haderte sie mit ihrem weiblichen Schicksal.

Schon im Alter von sieben Jahren als Arbeitskraft missbraucht

Mit den „Erinnerungen einer Überflüssigen“ arbeitete Lena Christ, geboren 1881 als Magdalena Pichler in Glonn, ihre Kindheit als unehelich geborenes Kind auf, das von der Mutter schon mit sieben Jahren als Arbeitskraft in der Gaststätte missbraucht und schwer misshandelt wurde.

Gemeinsam haben diese Rebellinnen nur eins: Trotz ihrer selbstbewussten Freiheitsbestrebungen hatten alle ein unglückliches Schicksal, lebten und starben in Armut, wurden von Männern benutzt und ausgebeutet, Carry Brachvogel sogar im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.

Die Darstellerinnen haben die Schicksale wieder aufleben lassen 

Schicksale, die die Darstellerinnen Brigitte Fiedler, Angelika Mauersich, Bianca Mössinger, Rosmarie Schreiner und Rotraut Wolf in Texten mitreißend aufleben ließen. In den Augen der Männer ihrer Zeit wurden sie gespiegelt von den beiden „Stammtischbrüdern“ Thomas Westermaier und Edi Hörl sowie musikalisch untermalt von Regina Bauer an der Harfe.

Ursula Fröhlich

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