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„Schongaus Rückständigkeit“ ärgert Räte

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Von: Elke Robert

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Schongauer Schüler wandten sich auch an die Räte im Rathaus (von links): Natalia Gantner, Sonja Monk, Nepomuk Mühlegger, Marie Neumüller, Julius Eder und Sarah Riepl. © Privat

Für ziemliches Aufsehen sorgte bei den Stadträten jüngst ein nicht persönlich unterzeichneter Brief von „Fridays for Future“. Schongaus „Rückständigkeit“ solle endlich beendet werden, heißt es darin. Das wollen die Räte nicht auf sich sitzen lassen und „in den Dialog treten“. Die Jugendlichen hatten dies ohnehin vor und planen eine Podiumsdiskussion.

Schongau Die Einladung für den Protestmarsch durch die Stadt hatte ein Nachspiel im Stadtrat, denn das ein oder andere Mitglied im Gremium fühlte sich durch die Formulierung im Brief angegriffen. Die deutschen Volksvertreter würden ihre Entscheidungen noch immer nicht mit Weitblick treffen, heißt es in dem Schreiben. Der Autor ruft dazu auf, nicht die Verantwortung nach oben durchzureichen, sondern selbst einen Teil dazu zu leisten, damit die Erde auch in Zukunft Menschen eine Heimat biete. „So sollte auch die Stadt Schongau ihre Möglichkeiten, sich für niedrigere Treibhausgasemissionen einzusetzen, voll ausnutzen“, wird im Namen von „Fridays for Future Schongau“ formuliert. „Da bisher nicht genug gemacht wurde, sollten Sie möglichst zahlreich erscheinen, damit Sie sich konstruktiv mit unseren Forderungen und Vorschlägen auseinandersetzen können und ein Prozess angestoßen wird, der Schongaus Rückständigkeit auf diesem Gebiet endlich beendet.“

Formulierung mit „Rückständigkeit“ ärgert die Stadträte

Vor allem dieser letzte Satz war es, der die Gemüter der Stadträte erregte. „Da habe ich mich schon angesprochen gefühlt“, so Friedrich Zeller (SPD). „Von Schongau aus kannst Du nicht die Welt retten, aber wir haben viel gemacht“, betonte er. Zeller schlug vor, die Organisatoren der Demo einmal einzuladen, beispielsweise in den Werkausschuss. „Mich würde schon interessieren, wo wir rückständig sind“, so Zeller, der betonte, „Kommunalpolitik muss konkret werden“.

Helmut Hunger (CSU) hatte im Rahmen der Demo ganz andere Dinge beobachtet, die ihn ärgerten: „Die Teilnehmer sollten sich vielleicht nicht von Mami im Auto zum Volksfestplatz bringen und hinterher wieder abholen lassen.“ Auch sei es fragwürdig, auf ein Schreiben ohne konkreten Absender zu reagieren. Ralf Schnabel (UWV) findet es dagegen gut, „dass sich die Kinder für die Zukunft engagieren, das ist eine Chance, in den Dialog zu treten.“ Er hinterfragte jedoch, ob der Werkausschuss das richtige Gremium dafür sei, oder ob man nicht eher in einem anderen Rahmen diskutieren solle. „Mit einem Werkausschuss werden wir die Jugend nicht begeistern.“

Bürgermeister Sluyterman versprach, nachzuhaken 

Bürgermeister Falk Sluyterman versprach nachzuhaken, wer wirklich hinter dem Schreiben stecke, ob die Jugendlichen von „Fridays for Future“ den Brief verfasst hätten oder ein Erwachsener, wie man der Formulierung nach vermuten könne. Dies empfand Bettina Buresch (ALS) als „ziemliche Unterstellung“, dass die Jugendlichen nicht in der Lage seien, das selbst zu formulieren. „Ich habe sie als sehr engagiert und kompetent erlebt, die können das schon“, so Buresch. Auch glaube sie durchaus, dass es in der Stadt Schongau noch viele Bereiche gebe, wo man etwas verbessern könne. „Es kann nur gut sein, in den Dialog zu treten“, so Buresch.

Verfasst wurde der Brief von einem Mitglied von „Fridays for Future“ Schongau, inhaltlich sei er auch mit dem Plenum abgestimmt, bestätigt Sarah Riepl, die die Demo in Schongau organisiert hatte. „Leider hat der Verfasser dann etwas vorschnell gehandelt; es war so gedacht, dass wir alle persönlich unterschreiben und der Brief auch persönlich im Rathaus abgegeben wird.“

Stadträte wollen mit den Schülern in Kontakt treten 

Mit Stadträten und interessierten Bürgern möchten die Schüler aber ohnehin in Kontakt treten, „wir sollten nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander“, so Riepl. Zunächst sei am 20. Dezember ein Infostand in der Altstadt geplant, der gerade bei der Stadt beantragt wird. Sammeln möchte man an diesem Tag Ideen und Vorschläge rund um den Klimaschutz vor Ort. „Wir möchten sehen, wo man noch etwas ausbauen und verändern kann“, so die Studentin. Mit möglichst vielen Vorschlägen und Ideen für Schongau und die Umwelt möchte man dann im neuen Jahr in eine große Podiumsdiskussion gehen, gemeinsam mit Wissenschaftlern, Politikern und Bürgern Lösungen angehen. „Wir wollen, dass das, was den Schongauern am Herzen liegt, auch umgesetzt wird“, so die FFF-Aktivistin.

Ein Termin im neuen Jahr ist bereits festgelegt worden 

Ein konkretes Datum gibt es noch nicht, am besten aber vor den Wahlen, so der Wunsch. Allerdings sei die Organisation nicht einfach, da man über keine eigenen Mittel verfüge.

Wie am Dienstag bekannt wurde, ist ein Termin mit den Aktivisten im neuen Jahr bereits festgelegt.

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