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Am Galgenbichl Schongau soll bald wieder ein Kreuz an die Hinrichtungsstätte von Straßenräubern erinnern. In einer Baracke wurde dort außerdem vor 50 Jahren ein Blutbad angerichtet – sechs Menschen starben. 

In Schongau

Galgenbichl soll neues Kreuz bekommen

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Das Kreuz am Galgenbichl soll erneuert werden. Weil das Kreuz aus Lärchenholz marode ist, wurde dieses im Januar vom Bauhof entfernt, soll aber zeitnah ersetzt werden. Viele Menschen fanden über Jahrhunderte hinweg an dieser Stätte den Tod. Dort stand einst der Hochgalgen. Und 1970 wurden dort vier Menschen von einem Ehepaar ermordet.

Schongau –Vor allem das schreckliche Blutbad, das sich im April 1970 ereignete, dürfte den Schongauern noch in Erinnerung sein. Sechs Menschen starben in einer Baracke am Galgenbichl. Ein ukrainisches Ehepaar, der 64-jährige Konstantin Baryszow und seine 53-jährige Ehefrau Warwara, hatten das polnische Ehepaar Stanislaw und Franzisca Jarosz sowie Julius Jablonsky und Heinrich Detering erschossen. Die Leichen waren am 24. April 1970 entdeckt worden, der Mord ereignete sich aber vermutlich schon etwa zwei Wochen zuvor. Die Spuren am Tatort und die Obduktion der Leichen ergaben für die Kriminalpolizei rasch ein recht konkretes Bild: Konstantin und, wie vermutet wurde auch seine Frau Warwara, richteten ihre vier Mitbewohner mit zwei verschiedenen Waffen mit vielen Kugeln grausam hin. Danach erschoss der 64-Jährige wohl erst seine Frau, danach sich selbst.

Galgenbichl war ein Ort der Hinrichtung

Über viele Jahrhunderte hinweg war der Galgenbichl genannte Berg ein Ort der Hinrichtung, und zwar für Straßenräuber und Strauchdiebe. An der Straße Richtung Italien gelegen, hatten diese dort jede Menge Gelegenheit, den Reisenden Wertvolles aus der Tasche zu ziehen, weiß Heimatpfleger Helmut Schmidbauer. „Ab 1500 war Konjunktur für die Pilger, das Heilige Jahr war ausgerufen worden, durch Schongau sollen bis zu 100 000 Pilger gekommen sein auf ihrem Weg von Augsburg Richtung Brenner oder Reschenpass.“

Der Hochgerichtsgalgen war nicht umsonst an dieser exponierten Stelle eingerichtet worden. Von Weitem sollte man die Gehenkten sehen, die nach ihrem Tod wohl auch nicht abgenommen werden durften. „Die Überreste schaukelten im Wind, bis sie zerfielen“, so Schmidbauer, der auch den Begriff „Galgenvögel“ darauf zurückführte. Wie viele Menschen am „Galgenacker“ oder „Galgenfeld“, so die Flurnamen, hingerichtet wurden, darüber gibt es keine Aufzeichnungen. Der letzte Schongauer Scharfrichter, Johann Michael Kuisl, starb am 28. Oktober 1807, kurz nachdem seine Frau Maria Theresia ihr 21. Kind geboren hatte. Damals muss er aber nur noch als Abdecker tätig gewesen sein. Die letzte bezeugte Hinrichtung am Galgenbichl stammt aus dem Jahr 1777, weiß Schmidbauer. Wobei es wohl durchaus danach noch Hinrichtungen gegeben hat, denn der letzte Eintrag in der Stadtkammerrechnung zur „Reparierung“ des Galgens ist aus dem Jahr 1802. „Eine neue Herstellung der bei der französischen Invasion am Hochgericht zerstörten Schlösser und Bänder.“ Kurz darauf, 1803, kam dann das Ende des Landgerichts und damit das Ende der Urteilsvollstreckungen in Schongau, denn auch diese wurde zentralisiert. Schmidbauer: „Wo keine Verurteilung, da keine Richtstätte.“

Kreuz als mahnende Erinnerung 

Ein Kreuz als mahnende Erinnerung an die Hinrichtungen wurde im September 1995 aufgestellt. Helmut Schmidbauer war es auch, der die Gedenkstätte angestoßen hatte, der damalige Schongauer Bürgermeister Luitpold Braun setzte es um. Die Segnung des Kreuzes hatte der ehemalige Stadtpfarrer Bernhard Mooser übernommen. Für die Aufstellung des Lärchen-Kreuzes sorgte der Trachtenverein Schloßbergler Schongau. Weil das Kreuz aber marode war, hat der Bauhof es im Januar entfernt. „Holz für ein neues ist bereits bestellt“, wusste Stadtbaumeister Sebastian Dietrich zu berichten. Und auch beim Wiederaufstellen wollen die Trachtler mit an Bord sein, bestätigte Trachtenvorstand Markus Wölfle. Das Kreuz soll nach Möglichkeit zeitnah aufgestellt werden. Im gleichen Zug soll auch ein neues Ruhebankerl aufgebaut werden sowie eine Tafel, die über die Bedeutung der Stätte informiert. Inhaltlich wolle sich Schmidbauer dafür „gerne aufdrängen“.

In Schongau gibt es eine weitere, noch unbekannte Richtstätte 

In Schongau gibt es im Übrigen noch eine weitere Richtstätte, auf die bisher nirgendwo verwiesen wird: An der Altenstadter Straße am Gnettner-Areal – heute Norma – war damals die sogenannte „Köpfstätte“ von Schongau. Grauenvoll müssen die damals Verurteilten gelitten haben, geköpft, erdrosselt, gepfählt, teils lebendig begraben.

Mitte des Jahres 1776 wurde dort sogar noch eine neue Köpfstätte eingeweiht, wie der Kreisheimatpfleger in den Unterlagen fand. Bis Ende des 18. Jahrhunderts in Betrieb, könnte man auch an diese erinnern.


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