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Erinnerung an die gute alte Zeit: Die vereinzelten historischen Schienenbusfahrten sind das einzige, das vom Schienenpersonenverkehr auf der Fuchstalbahn übrig geblieben ist. Jetzt mehren sich die Befürchtungen, dass auch der Güterverkehr eingestellt und eine Stilllegung der Bahnstrecke angestrebt werden könnte.

Gerüchte um Stilllegung der Strecke

Große Sorgen um die Fuchstalbahn

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In Schongau wächst die Angst vor dem Aus der Fuchstalbahn und mehr Schwerlastverkehr. Grund ist ein Schreiben, in dem von einer Silllegung der Strecke die Rede ist.

Schongau – Der Brief der DB Cargo, die bekanntlich den Gütertransport auf der Fuchstalbahn übernimmt, war an Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart adressiert. In Kopie erreichte das Schreiben auch die Umweltinitiative Pfaffenwinkel sowie Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman. Der Inhalt ließ bei allen die Alarmglocken schrillen.

Verlegung der Güter auf die Pfaffenwinkelbahn

Nach Angaben der Umweltinitiative ist in dem Brief zu lesen, dass die DB Netz die Wirtschaftlichkeit der Strecke Landsberg-Schongau und die Möglichkeit der Verlegung des Güterverkehrs auf der Pfaffenwinkelbahn prüft. Obendrein sollte die Fuchstalbahn angeblich bereits Ende Februar 2019 zum Verkauf ausgeschrieben werden. Findet sich innerhalb von drei Monaten kein Käufer, würde ein Stilllegungsverfahren eingeleitet. Der Anfang vom Ende der geschichtsträchtigen Eisenbahnstrecke wäre damit besiegelt.

Wie berichtet, zieht sich die Augsburger Localbahn derzeit aus wirtschaftlichen Gründen Schritt für Schritt aus dem Güterverkehr auf der Fuchstalbahn zurück. Von 2012 bis 2018 sei das Güteraufkommen von 1,2 Millionen Tonnen jährlich auf 840 000 Tonnen gesunken, hieß es im November von der Localbahn. Für sie rentiert sich das nicht mehr, für die DB Cargo aber offensichtlich schon. Sie übernimmt den Güterverkehr bis Juni 2019 „in vollem Umfang“, erklärte ein Sprecher im November.

DB will Strecke auf Prüfstand stellen

Nun wächst aber offenbar die Sorge, dass der DB Cargo bald die Grundlage für das Geschäft auf der Fuchstalbahn fehlen könnte – die Schiene: „Wir wissen, dass es bei DB Netz und DB-Cargo Diskussionen gibt“, sagt UPM-Werksleiter Wolfgang Ohnesorg. UPM ist bekanntlich der Hauptkunde auf der Fuchstalbahn. „Wir transportieren auf der Schiene vor allem Fertigwaren, zum großen Teil Rollenware für unsere Kunden“, erklärt Ohnesorg. Er weiß davon, dass die DB Netz die Strecke auf den Prüfstand stellen will. Und er bedauert, nicht mit in die Diskussionen eingebunden zu sein. „Man hält sich uns gegenüber bedeckt“, sagt der Werksleiter der Papierfabrik. „Wir haben signalisiert, dass wir die Eisenbahn brauchen.“

UPM begrüßt Engagement des Bürgermeisters

Der Schongauer UPM-Chef begrüßt deshalb ausdrücklich das Engagement von Bürgermeister Falk Sluyterman, der wie ein Löwe für die Fuchstalbahn kämpft: „Es ist wichtig, dass die Politik uns unterstützt.“ Sluyterman hat sich ebenfalls in einem Brief an den Verkehrsminister gewandt. Die Information, dass für die Strecke möglicherweise ein Stilllegungsverfahren eingeleitet werden soll, habe er mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen, schreibt der Bürgermeister. Für Schongau hätte das seinen Worten nach zur Folge, dass zusätzlicher Schwerlastverkehr die städtischen Straßen belasten würde. „Ein Umstand, den es unbedingt zu vermeiden gilt“, erklärt der Rathauschef. Denn bereits jetzt seien vor allem die Anlieger der durch die Stadt führenden Staatsstraße 2014 „über das Maß des Erträglichen“ betroffen – besonders verursacht durch die Firma UPM.

UPM-Chef Ohnesorg denkt positiv

Dort gibt man sich (noch) gelassen: „Es gibt ein Best-Case- und ein Worst-Case-Szenario“, weiß Wolfgang Ohnesorg. „Wir denken jetzt mal an das Positive.“ Mit einer Stilllegung der Strecke habe man sich bei UPM noch gar nicht beschäftigt. „Wir gehen davon aus, dass es mit dem Schienenbetrieb weitergeht“, verbreitet der Werksleiter Optimismus.

Ein Bahnsprecher dementierte am Freitag auf Anfrage dann auch alle „Gerüchte“: „An einem Stilllegungsantrag ist nichts dran“, betonte er. Und „derzeit“ ist seinen Angaben nach auch nichts derartiges geplant. Der Sprecher lässt aber wissen, „dass eine Strecke wirtschaftlich sein muss“. Das funktioniere nur, „wenn einer drauf rum fährt“. Ob die Fuchstalbahn noch wirtschaftlich, ließ der Sprecher offen. Er sagt dazu nur: „Wir haben keine Stilllegung beantragt.“

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Die Zukunft des Schienen-Güterverkehrs zwischen Schongau und Landsberg scheint fürs Erste gesichert.

Die Fuchstalbahn-Initiative steht vor dem Aus. Bei ihrer Jahresversammlung in Schongau haben die Mitglieder jüngst beschlossen, den Verein aufzulösen.

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