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Ein großes Wohn- und Gewerbegebiet zwischen Schongau, Altenstadt und Hohenfurch sowie eine Belebung des UPM-Geländes zeigen (v.l.) Bernadette Bauer, Sonja Graziadei und Carolin Koczynski auf ihrem Plan-Entwurf.

Neue Ausstellung

Heimat-Utopia 2047

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Münchner Studenten haben sich den Landkreis Weilheim-Schongau ausgesucht und in mehreren Untersuchungen alternative Zukunftskonzepte ausgearbeitet. Die sind zum Teil mehr als utopisch, zum Teil aber äußerst spannend.

Schongau – Die Technische Universität München hat kürzlich eine große Studie abgeschlossen zum Thema Wohnen, Arbeiten und Mobilität in der Metropolregion München. „Da sind wir auf den Landkreis Weilheim-Schongau gestoßen, der uns fasziniert hat, weil er so unterschiedlich zusammengesetzt ist“, sagt Prof. Alain Thierstein. Deshalb hat er mit Studenten des Masterstudiengangs „Urbanistik – Landschaft und Stadt“ das Projekt „Weilheim-Schongau: Zentren, Grenzen und Übergänge“ gestartet. Vier Monate hatten die Studenten Zeit, Konzepte zu entwickeln, wie sich die Region in Zukunft entwickeln könnte, und zwar 30 Jahre nach vorne geschaut.

Die Ergebnisse, die auch in einer vierwöchigen Ausstellung im Stadtmuseum gezeigt werden, wurden jetzt vorgestellt. „Sie haben sich viel Zeit und Mühe genommen, die Region unter die Lupe zu nehmen“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman bei der Eröffnungsrede. Thiestein gab den Dank zurück: „Wir wurden toll unterstützt von Schongau, Weilheim und dem Landkreis.“

Die vier vorgestellten Projekte waren zum Teil abstrakt und etwas überfrachtet, aber so läuft wissenschaftliches Arbeiten nun mal. So plante eine Gruppe, was wo für Ackerbau betrieben werden solle, dazu noch Windanlagen – was Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer zu einem kritischen Kommentar aus den Zuschauerreihen veranlasste. Ein Abo-System soll per Direktvermarktung eine solidarische Landwirtschaft stärken und auch Landflucht verhindern helfen.

Zahlreiche Bürgermeister aus dem Schongauer Land lauschten den Worten von Prof. Alain Thierstein (l.).

Beim Thema Wirtschaft schlagen die Studenten eine Stärkung der wichtigen Bereiche Automobil und Holz vor, vor allem letzterer könnte Vorbild für eine Wertschöpfungskette sein. Branchenähnliche Betriebe sollten sich an Standorten konzentrieren, um einen Wissensaustausch zu gewährleisten – konkret wurde ein Wirtschaftspark Peiting-Süd genannt.

Durch die Bank wurde die Reaktivierung der Fuchstalbahn gefordert, weil das wichtig sei für die Anbindung vor allem nach Augsburg – die Region Schongau sei vom ÖPNV abgehängt, weil alles über Weilheim laufe. Eine Gruppe forderte deshalb direkte Busverbindungen nach Kaufbeuren und Marktoberdorf. Neben Lob für die starke Wirtschaft und der Möglichkeit des dualen Studiums auch in Schongau blieb die Erkenntnis nicht aus, dass das Gefälle im Landkreis immer größer werde. Das bestätigte Peitings Bürgermeister Michael Asam: „Unsere Region droht immer mehr abgehängt zu werden, weil Weilheim immer dominanter wird.“

Auch Penzberg ist wirtschaftlich stark, doch dieser Bereich wurde bei den Studien ausgespart. „Es gibt keine Pendler von Schongau nach Penzberg. Penzberg ist funktional kein Teil des Landkreises“, sagte Thierstein drastisch. Da brach bei den zahlreichen Landkreis-Vertretern Schnappatmung aus.

Solidarische Gewerbesteuer

Eine andere Studenten-Gruppe löste bei Sluyterman müdes Lächeln aus: Denn die Vorschläge, das Bahnhofsumfeld zu verschönern, die Stadtmauer ohne Bäume als Wahrzeichen herauszustellen, betreutes Wohnen nahe des Krankenhauses zu etablieren und die Fußgängerzone zu vergrößern, stocken entweder, wurden abgelehnt oder sind von Protesten begleitet.

Revolutionär zeigte sich ein Studentinnen-Trio, das den Flächenverbrauch eindämmen will und eine Neuausweisung von Gewerbegebieten am Stadtrand verbieten würde. Vielmehr sollte die Gewerbesteuer in einem gemeinsamen Topf geworfen werden und reichere Gemeinden ärmere unterstützen – bei der Grafik, die Geld-Transfers von Schongau nach Peiting und Weilheim nach Peißenberg zeigte, ging ein Raunen durch die Reihen der Bürgermeister. Außerdem können sie sich bis 2047 einen riesigen Erholungs-Wohn-Gewerbepark zwischen Schongau, Altenstadt und Hohenfurch vorstellen sowie das UPM-Gelände als Naherholungsgebiet – wobei, wie bei einer anderen Gruppe auch, nicht direkt deutlich wurde, ob sie mit dem baldigen Aus der Papierfabrik rechnen. Thierstein ermahnte die Zuhörer, diese Visionen nicht als Unsinn abzutun: „Wegen der Digitalisierung wird in 30 Jahren nichts mehr so sein, wie es jetzt ist.“

Die Ausstellung

„Weilheim-Schongau: Zentren, Grenzen und Übergänge“ ist bis zum 15. März jeweils Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr im Stadtmuseum Schongau zu besichtigen.

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