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Ein Trinkgelage für die Ewigkeit abgelichtet. Das Erinnerungsfoto vom Schongauer Sommer kommt an. Meister Tobias mit der scharfen Linse hält die Szenen fest.

Schongauer Sommer

Historischer Markt in Schongau eröffnet: Gaukler, Musikanten und viele Besucher

Das Spektakulum des Mittelalters mit seinem ganz eigenem Charme hat begonnen. „Schongauer Sommer“ so das Zauberwort, das am ersten Wochenende wieder viele Besucher auf den Volksfestplatz gelockt hat. Zehn Tage lang werden die Gäste in eine andere Zeit verzaubert. Handwerker, Künstler, Musikanten, Köche und Gaukler haben vor den Toren der Lechstadt ihre Zelte aufgebaut.

Schongau – Auftaktwochenende des „Schongauer Sommers“ in der Lechstadt. Der Volksfestplatz hat sich in ein großartiges Zelt- und Budendorf verwandelt. Es herrscht munteres Treiben. Fieranten, Händler, Trödler, Handaufleger und Musiker tragen historische Gewänder. Selbst die Körperdurchkneterin in ihrem fahrbaren Massage-Mobil wirkt nahezu elfenhaft. Das Mittelalter heißt seine Gäste willkommen.

Traditionell am Eingang die alte Stanze. Hier werden Nieten in einen Gurt gepresst, woran dann ein Einkaufschip angehängt wird. Die Maschine kommt an. Nieten auf Teufel komm raus.

Daneben hat diesmal Markus sein „Art Asia“-Lager aufgeschlagen. Seine alten Himalaya-Klangschalen und indische Tempelglocken locken an. Dazu stehen jede Menge Fabeltiere und Tanzschellen aus Messing zum Erwerb bereit.

Historischer Markt 2019 in Schongau: Die besten Bilder vom Auftaktwochenende

Handwerker auf dem Historischen markt in Schongau

Einige Schritte weiter lässt Meister Friedrich seine Späne fliegen. Der Drehleierbauer gehört schon zum festen Inventar des Marktes. Für einen kleinen Trinkobolus spielt er sogar auf der Drehleier. „Aber bitte kein Kleingeld, habe Kupferallergie“, so seine lustig formulierte Bitte an die Besucher.

Bei Inge & Andreas könnte es „every day for future“ heißen. Die beiden knüpfen federleichte Einkaufsnetzte aus Naturmaterial. Zwei Stunden Arbeit benötigt Andreas für ein Netz, das bei den Besuchern super ankommt. Dagegen wirken Plastiktüten schäbig. Inge zeigt die hohe Kunst des Knüpfens. Sie fertigt Haarnetze für die holde Weiblichkeit nach historischen Vorlagen aus Museen.

Schuhwerk aus Seegras und Schmuck gibt es auf dem Historischen Markt in Schongau

Ein weiterer Stand mit Handwerkskunst, der die Besucher magisch anlockt: Brigitte & Edwin stellen Schuhwerk aus Seegras her. Reine Handarbeit. „Keine Schweißfüße, absolut temperaturausgleichend“, so der Hinweis von Edwin. Während er das Seegras flechtet und über Holzleisten zusammennäht, setzt Brigitte das Innenfutter ein. Am Schluss gibt’s die Ledersohle unten drauf. Alles vor den Augen der Besucher. Gute 50 Stunden werden für ein Paar Schuhe benötigt.

Etwas schneller geht’s bei Joachim einen Steinwurf weiter. Da kann man mit Pfeil und Bogen sein Glück versuchen. Das Ziel: Eine Strohscheibe. Hier werden die Runden ausgeschossen, die dann im Stand gegenüber in gewissen Likören und Bränden zur Siegerehrung enden. Genussmäßig – versteht sich.

Es glitzert und glänzt bei Karel, dem Goldschmied. „Schneewittchenkämme, garantiert unvergiftet“, verspricht er. Das lockt so manches Burgfräulein an, um der Schönheit willen das i-Tüpfelchen aufs Haar zu setzen. Und gegenüber bei Johanna & Reinhold können sich die Fräuleins und jungen Ritter komplett einkleiden. „Die Rittermacher“ sind mit ihrer Kinderrüstkammer vor Ort. Kleider aus edlen Stoffen können erworben werden.

Viele Besucher reisen weit an zum Historischen Markt in Schongau

Was wäre der Markt ohne „Saladin“ mit seinen Lampen, Mosaiktischen und Tongefäßen aus Marokko. In den Abendstunden ein Augenschmaus, wenn die bunten Lichter an „1001 Nacht erinnern“. Der Hit bei Saladin ist die „Tagine“. In dem getöpferten Gefäß gart vor den Augen der Besucher Fisch, Gemüse oder Fleisch, durch Holzkohlenfeuer erhitzt. „Idealkost für Zahnlose“, preist es Saladin an und verteilt Kostproben. „Geschmacklich 1A“, das Urteil von Besucherin Franziska aus Augsburg. Wie sie kommen viele Besucher von außerhalb des Landkreises, die Beliebtheit des Marktes ist unumstritten.

Das bestätigt auch Helga die Kürschnerin, zu der viele Kunden von weit her anreisen. Freunde des Mittelalters lassen sich bei ihr die alten Pelze der Großmutter umarbeiten.

Erinnerungsfoto in alten Gewändern beim Historischen Markt

Wem die Großmutter nichts in dieser Hinsicht vererbt hat, wer aber trotzdem im Outfit der damaligen Zeit für ein Erinnerungsfoto abgelichtet werden will, ist bei Tobias genau richtig. Der Meister der „geschliffenen Linse“ lichtet ganze Trinkgelage in historischen Gewändern ab. Selbst Übergrößen können von seinem Team vor Ort eingekleidet werden. Die Qualität der Fotos absolut hochwertig, digital vom Feinsten.

Unterhaltung beim Historischen Markt in Schongau: Musik und Wahrsager

Vom Feinsten ist auch die Musik auf der kleinen Bühne. Balsam für Ohren und die Seele. Die Gruppe „Mandara“ lockt mit beruhigender Musik und lädt zum Verweilen ein. Pia fasziniert an der Querflöte, Andi spielt das Bodrhan, eine indische Rahmentrommel. Wer es heftiger wünscht, schlendert weiter bis zur großen Bühne, wo die Gruppe „Phönix“ quasi aus der Asche gestiegen ist.

Vorbei an vielen weiteren tollen Buden und Ständen wie der Wahrsagerin Tanja, der „Körperwohlfühl-Kneterinnen“ Cora & Mira, den Papierschöpfern, Gesichtsbemalerin, Schmuckhändlern, Seifensiedern und dem Stand „Kunstwerk“, der jeden Tag seine Künstler wechselt. Und, und, und…

Schmankerl beim Historischen Markt in Schongau

Unter den beiden Großschirmen auf dem „Platz der unendlichen Schmankerln“ herrscht Hochbetrieb. Dicht gedrängt haben die Besucher Platz genommen. Sie genießen das Angebot der Gastronomen. Drachen- & Wildsauwurst oder Fleischfetzen am Wikinger-Schiff, indische Kost bei Namaste, Rinderfetzen und Schupfnudeln beim Keppeler, Langos, Fladenbrote und Steckerlfische. Einfach zugreifen und genießen. Zum Abrunden lockt die Cocktail-Schenke mit dem Renner „Moscow-Mule“ oder gegenüber das gute dunkle König Ludwig Bier. So soll „Schongauer Sommer“ sein.

Hans-Helmut Herold

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