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Zu wenig Vermittlungen von Gästen seitens der Tourist Info Schongau, kritisiert Alexander Holl. 

Neue Pension eröffnet

Schongauer Hoteliers: Von wegen „weißer Fleck“

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Schongauer Hoteliers ärgern sich. Obwohl seitens der Schongauer Touristinfo so gut wie keine Zimmervermittlungen kommen, werde dort dennoch nach mehr Betten gerufen. In der Tourist Info freut man sich indes darüber, dass die „Pension am Lerchenfeld“ nun eröffnet. Dort sieht man sich im übrigen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung.

Schongau – Eine Abrechnung der Tourist Info Schongau flatterte Alexander Holl dieser Tage ins Haus. Die Jahres-Provision für die Vermittlung von Zimmern. „Ich will keinen Streit aufmachen, aber es waren 2019 insgesamt nur sieben Gäste – da kann man sich schon wünschen, dass da ein bisschen mehr kommt.“ Mit Blick auf die vergangenen vier Jahre, hätte er alle seitens der Stadt vermittelten Gäste an einem einzigen Tag unterbringen können. Nun ärgert er sich gleich noch mehr über den Rechenschaftsbericht im Herbst der Tourist Info und die Diskussion im Stadtrat, wo mehr Personal und mehr Betten für Schongau gefordert worden waren: „Es wird immer alles so schlecht geredet, die sollen sich doch erst einmal ansehen, wo unser Potenzial liegt – ich lade die Stadträte gerne zu einem Besuch ein.“

Im Hotel Holl wurde viel investiert 

Die Belegungsquote des 50-Betten-Hauses sei insgesamt ordentlich, die Einbußen lägen 2019 vielleicht im einstelligen Bereich. Man habe, wie auch andere Kollegen, viel investiert, das zahle sich aus. Und natürlich biete er nichts für den Low-Budget-Bereich, dazu müsse das Konzept ganz anders aufgebaut sein. „Aber nur mit Meckern allein ist es in Schongau nicht getan – wenn man mir sagt, man braucht händeringend mehr Übernachtungsangebote, das stöß mir auf“, so Holl. Schongau „ein weißer Fleck auf der Landkarte“? Das sieht Holl ganz und gar nicht so. Natürlich sei auch er im Juni, Juli und August voll belegt, aber lieber so, statt zu viel Leerstand im restlichen Jahr.

Alexander Holl spricht für alle Schongauer Hoteliers

Holl spricht zwar nur in seinem Namen, ist sich aber sicher, dass dies die Kollegen in allen vier Hotels ähnlich sehen. Tun sie, wie Max Diegruber (Blaue Traube) bestätigt. Auch er hat kürzlich die Provisionsabrechnung 2019 bekommen: „Ich hatte genau zwei Gäste über die Tourist Info.“ Er stößt sich schon an der Abrechnung an sich, „das ist lächerlich und ärgerlich, ein Gastronom bekommt auch keine Rechnung, wenn die Tourist Info einen Gast zu ihm schickt.“ Diegruber fand die Idee, die Tourist Info aus dem Rathaus rauszuholen und andere Öffnungszeiten zu bieten, sehr ansprechend. Dies war im Rahmen der SN-Podiumsdiskussion vorgeschlagen worden. Diegruber hält es auch für falsch, sich in Sachen Touristik so stark auf das Floß zu konzentrieren, damit würde man nur Arbeitskräfte blockieren, aber keine neuen Touristen nach Schongau locken. „Wegen dem Floß bleibt da drüben alles andere liegen“, so Diegruber. Als Beispiel nennt er Werbematerial, das teilweise veraltet sei, Fahrrad- und Wanderkarten gehörten dringend aktualisiert, „aber dafür hat keiner Zeit.“

Diegruber vermisst einen Buchungscomputer

Was Diegruber ebenfalls vermisst, sei ein zu jeder Zeit zugänglicher Buchungscomputer – auch wenn heute fast alles übers Internet laufe. Allerdings habe man für spontane Gäste ohnehin oft keinen Platz. „Wir haben Reservierungen für drei Monate im Voraus.“ Derzeit seien dies überwiegend Geschäftsleute oder Monteure. Gegen das Bettenhaus in Schongau-West habe er deshalb auch weiterhin Bedenken – vor allem wegen der schwächeren Wintermonate.

„Die Pension am Lerchenfeld“ ist online bereits buchbar, „nächste Woche kommen die ersten Gäste“, berichtet Inhaber Ottmar Sauer, der auch in Obergriesbach eine Pension betreibt. Zehn Apartments in der Bernbeurener Straße über dem Fressnapf sind bezugsfertig, die Räumlichkeiten mit Küchenzeilen können für Familien oder Gruppen auch erweitert werden. Sieben weitere Apartments über dem Penny sollen ähnlich ausgestattet werden und im Mai bezugsfertig sein. Als Konkurrenz zu den örtlichen Hotels sieht Sauer seine Pension nicht, „ich denke, das ist eine schöne Ergänzung und beißt sich nicht“. Er schätzt, dass er überwiegend Monteure, Radfahrer und Urlaubergruppen ansprechen werde.

Die Penison am Lerchenfeld bedeutet für die Stadt eine Erleichterung

Die Pension am Lerchenfeld bedeute für Schongau eine Erleichterung, ist sich Ursula Diesch sicher, Leiterin der Tourist Info in Schongau. Die Problematik: Pensionen gab es gar keine mehr in Schongau, Ferienwohnungen kaum. Die Vermieter würden aus Altersgründen aufhören oder weil sie den Platz privat brauchen. „Wir haben zwar immer wieder Anfragen von Hausbesitzern, wir sind mit einigen Privatleuten im Gespräch, aber das Vermieten von Ferienwohnungen ist auch zeitaufwendig.“ Die Pension in Schongau-West biete etwa jene Zimmerzahl an, die eh weggefallen sei.

Die Vermittlung der Tourist Info an Hotels sei ein reiner Service für die Gäste, damit diese nicht selbst bei allen Häusern nachfragen müssten. Zudem seien die Hotels im Sommer ohnehin meist ausgebucht und man müsse die Gäste ins Umland schicken. Auf die Frage, ob denn mittlerweile das Personal in der Tourist Info aufgestockt wurde, schüttelt Diesch den Kopf: „Jetzt stehen erst einmal die Wahlen an, aber ich bin guter Dinge, dass dies in der neuen Legislaturperiode angepackt wird.“

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