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Diskutieren für den Denkmalschutz ( v.li): Architekt Thomas Baldauf, Sabine Weigand, Susanne Fischer, Helmut Schmidbauer und Manuel Neulinger.

Große Podiumsdiskussion in Schongau zum Thema Denkmalschutz

In manchen Orten wohnt der „Denkmaltod“

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Gleich zwei wichtige Denkmäler standen auf der Liste der „Denkmalschutztour“: Der Fohlenhof in Rottenbuch und die St. Anna-Kirche in Schongau. Bei der abendlichen Podiumsdiskussion war man sich dann einig: Das „Schreckgespenst Denkmalschutz“ muss verjagt werden, und für Sanierungen braucht es größere Fördertöpfe.

Schongau„Leerstand vs. Wohnungsnot – Chance Denkmalschutz?“ Dies war das eigentliche Thema, dem man sich bei der Podiumsdiskussion im Schongauer Ballenhaus widmen wollte. Eingeladen hatte hierzu Sabine Weigand, die als Sprecherin für den Denkmalschutz für die Grünen im Landtag sitzt. Auf dem Podium saßen mit ihr Susanne Fischer vom Landesamt für Denkmalpflege, Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer und der Schongauer Architekt Thomas Baldauf, der mit seinem Partner Knut Prill dem Moderator Manuel Neulinger (Grüne Weilheim) Rede und Antwort stand.

Der Leerstand wird zunächst gar nicht als drängendstes Problem angesehen  

Der Leerstand in der Region wurde zunächst gar nicht unbedingt als drängendstes Problem wahrgenommen. „Leerstände sind natürlich da, aber viel schmerzhafter sind diese im Gewerbebereich“, so die Meinung Schmidbauers. „Dies hat mehr die Stadtpolitik zu verantworten als Einflüsse von außen.“ Im Landkreis gebe es insgesamt 1200 Einzeldenkmäler. „Es gibt sehr vorbildliche Gemeinden, aber auch Orte, da ist der Denkmaltod zuhause“, so die Erfahrung des Kreisheimatpflegers.

Fischer pflichtete ihm insofern bei, dass der Leerstand je nach Region sehr unterschiedlich sei – „hier finden sich rasch Käufer, der Landkreis ist nicht repräsentativ.“ In Bayern stehen 110 000 Gebäude unter Denkmalschutz, in Schongau werde von Privathand wieder viel saniert, so Bürgermeister Falk Sluyterman.

Kommunale Konzepte zum Denkmalschutz sind beliebt

Beliebt sind kommunale Konzepte für die Vermarktung leer stehender Gebäude. Genannt wurde das italienische „Albergo Diffuso“. Über das Konzept werden historische Gebäude für die unterschiedlichsten Menschen geöffnet. Eine neue Nutzung könnte sich Neulinger auch für den Fohlenhof in Rottenbuch vorstellen (siehe Kasten). „Ein beklemmendes Gefühl, wenn man diese großzügige Fläche sieht, die seit Jahrzehnten im Dorfzentrum leer steht, während Gemeinden überlegen, wo sie zusätzlichen Wohnraum schaffen können.“ Heide Krauthauf, Vorsitzende des Historischen Vereins, sieht die Entwicklung, Geschäftsräume in Wohnraum umzuwandeln, hingegen eher kritisch, vor allem in der Schongauer Innenstadt. „Um die Altstadtkulisse zu bewahren, müssen wir den Bauherren bezahlbare Mittel an die Hand geben.“

Individuelle Ideen für jedes Objekt finden

„Es braucht andere Ideen“, betonten die Architekten Baldauf und Prill, die ihre Konzepte für die Klöster Benediktbeuern und Schlehdorf umrissen. „Dabei muss man das Rad nicht an jedem Ort neu erfinden“, warb Fischer für den Kontakt mit dem Denkmalamt, man habe extra eine Beratung geschaffen. Auch der „Tag des Denkmals“ sei eine gute Gelegenheit, sich Ideen zu holen. Dieser müsse im Raum Schongau neu belebt werden, so Stadtarchivar Franz Grundner.

Weigand wünschte sich klare Signale in Richtung energetisches Sanieren, speziell bei der Photovoltaik könne man nicht bei der ablehnenden Haltung bleiben. Für Schongau eine durchaus berechtigte Frage, wenn man das Verbot von PV-Anlagen in der gesamten Altstadt betrachtet. Weigand berichtete von Modulen, die farblich aussähen wie Biberschwanzziegel. Diese seien am neuen Nürnberger Rathaus eingesetzt worden, ein Einzeldenkmal in einem Bereich „mit Premiumblick“. Weigand schlug vor, neue Fördertöpfe speziell für die energetische Sanierung zu schaffen, denn diese Anschaffungen seien teuer. „Wir müssen das alte bewahren, aber das Neue denken und wagen.“

Das Schreckgespenst Denkmalschutz vertreiben

Einig waren sich die beiden Damen, dass der Denkmalschutz nicht auf dem Status von 1973 bei Einführung des Denkmalschutzgesetzes bleiben dürfe. Es sei schon viel gewonnen, wenn es das große „Feindbild Denkmalschutz“ nicht mehr gebe. Fischer: „Wir haben die wilden Flegeljahre hinter uns, es gibt viele Anstrengungen, auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen.“ Die Denkmalschützer der ersten Stunde seien mit dem Flammenschwert übers Land gezogen, „aber Denkmalpflege kann man nicht gegen den Rest der Welt machen“.

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