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Mit Kunst gegen den Schmerz: Krankenhausgeschäftsführer Thomas Lippmann, Dr. med. Eva Mareen Bakemeier, (leitende Ärztin der Tagesklinik für Schmerztherapie) und Ergotherapeut Rico Lehnert (v.l.). 

Aktionstag im Krankenhaus 

Mit Kunst den Schmerz lindern

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Beim Kampf gegen den Schmerz ist Schongau in der Region die erste Adresse. Seit zwei Jahren verfügt das örtliche Krankenhaus über eine Tagesklinik für Schmerztherapie, die sich etabliert hat. Anlässlich des bundesweiten Aktionstags gegen den Schmerz geben die Verantwortlichen am 21. Juni einen Einblick in ihre Arbeit und zeigen, welche Rolle Kunst dabei spielt.

Schongau – Wie um alles in der Welt soll mir Kunst meine Schmerzen nehmen? Diese Frage beschäftigt auch in Schongau die Schmerzpatienten, wenn sie das erste Mal zu Pinsel und Farbe greifen dürfen, bestätigt Ergotherapeut Rico Lehnert. „Neutral bis negativ“ stehen sie dem Angebot zunächst gegenüber, sagt Lehnert, der die Patienten beim kreativen Gestalten anleitet. Doch nicht selten komme in den fünf Wochen Schmerztherapie der Aha-Effekt bei den Teilnehmern. „Dann sagen sie, Herr Lehnert, jetzt habe ich eineinhalb Stunden keinen Schmerz gespürt und nicht daran gedacht“, berichtet der Ergotherapeut von den kreativen Stunden, in denen nebenbei beachtliche Kunstwerke entstanden sind: 30 Exponate aus den Bereichen Acrylmalerei, Zeichnung sowie plastischer und Recyclingkunst bekommen die Gäste am 21. Juni im Wartebereich der Röntgenabteilung des Krankenhauses zu sehen; um 17 Uhr wird die Ausstellung eröffnet.

Natürlich ist es mit Kunst allein bei der Schmerztherapie nicht getan. Nach Angaben von Tagesklinik-Leiterin Dr. Eva Mareen Bakemeier haben die Hilfesuchenden meist schon sehr lange Leidensgeschichten hinter sich und legen stapelweise Befunde und Röntgenbilder auf den Tisch. Überwiegend klagen sie über Schmerzen an Knochen, der Muskulatur und im Bewegungsapparat – insbesondere dem Rücken. An zweiter Stelle folgt der Kopfschmerz. Zwei Tage lang werden die Patienten zunächst von den Ärzten untersucht, dann wird entschieden, ob sie die Voraussetzung für die Therapie in der Tagesklinik erfüllen. Nach Angaben von Dr. Bakemeier ist das bei rund 70 Prozent der Fall.

Wärmebildkamera macht Schmerz im Gehirn sichtbar

Die Therapie dauert dann fünf Wochen, montags bis freitags kommen die Patienten jeweils von 9 bis 16 Uhr vorbei, das Wochenende verbringen sie zu Hause. Das Ziel der Therapie: „Wir erreichen mehr Lebensqualität“, erklärt die Medizinerin. Der Patient werde zum aktiven Selbstmanager. „Er wird vom Ruderer zum Kapitän“, so Bakemeier.

Die Tagesklinik-Chefin wird bei dem Aktionstag gleich als erstes mit dem größten Vorurteil aufräumen: „Ich bilde mir den Schmerz nicht ein!“, lautet der Titel ihres Vortrages, der um 18 Uhr im Veranstaltungsraum DU9/10 beginnt. Die Medizinerin wird dabei auch erläutern wie die Hirnforschung bei chronischen Schmerzen helfen kann. Unter anderem zeigen das Versuche mit Placebos; also Tabletten, die gar keine Wirkstoffe beinhalten. Die Patienten Schlucken sie und verspüren trotzdem Linderung, weil sie davon ausgehen, dass die Tablette hilft. Das ist nach Angaben der Ärztin dann aber keine Einbildung. Vielmehr würde durch körpereigene Prozesse der Schmerz reduziert. Überdies berichtet die Medizinerin am Aktionstag davon, wie heutzutage mit Wärmebildkameras der Schmerz im Gehirn des Patienten sichtbar gemacht werden kann, wie viele Faktoren den Schmerz positiv und negativ beeinflussen und die Arbeit in der Tagesklinik.

Auf diese ist freilich auch Krankenhausgeschäftsführer Thomas Lippmann sehr stolz: „Vor zwei Jahren haben wir einen großen weißen Fleck in der Region gefüllt“, sagt er. 400 Patienten haben die Tagesklinik mittlerweile aufgesucht. Wirtschaftlich interessant ist das nicht: „Wir versuchen, dass wir mit einer glatten Null rauskommen“, so der Geschäftsführer. Das ist ihm aber egal: „Unsere Dividende ist die Patientenzufriedenheit und der Nutzen.“

Die Schmerztherapie

wird nach Angaben der Klinik von den Krankenkassen übernommen und ist nicht genehmigungspflichtig.

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