+
Das Münzgebäude in Schongau – hier die Ostseite – wird derzeit umfassend saniert.

Name für Platz am Münzgebäude gesucht

Jetzt sollen Bürger entscheiden

  • schließen

Nach Marie Juchacz, bei der Fronveste oder doch ganz anders? Jetzt dürfen die Schongauer Bürger entscheiden, wie der Platz am Münzgebäude heißen soll. Die Eingabe, diesmal von Ex-Stadtrat Michael Eberle, brachte der CSU-Fraktion in der Diskussion allerdings auch jede Menge Spott und Häme ein.

Schongau – Wer meinte, das Thema Namensgebung des Platzes am künftigen Amt für Senioren sei längst abgehakt, hatte sich getäuscht. Zum mittlerweile dritten Mal befasste sich nun der Schongauer Stadtrat mit diesem Punkt und wird dies auch noch mindestens zwei Mal tun. Mehrheitlich war der Stadtrat Ende März dem SPD-Vorschlag gefolgt, den Bereich nach der Frauenrechtlerin Marie Juchacz zu benennen. Der damalige Einwurf seitens der CSU, man möge doch die historisch begründete Benennung Fronveste in Betracht ziehen, wurde nicht weiter verfolgt – der formal notwendige Gegenvorschlag nicht eingereicht und mehrheitlich (15:8) für die AWO-Gründerin gestimmt.

Schmidbauer reichte die historische Begründung nach

Die historische Begründung reichte dann Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer in der Juni-Sitzung nach und bat darum, die Namensbenennung noch einmal zu überdenken. Diese Eingabe Schmidbauers wurde im Stadtrat mit deutlicher Mehrheit (8:15) nicht behandelt – es lägen keine neuen Erkenntnisse vor, hieß es.

„Inzwischen dürfte klar geworden sein, dass die Bürgerinnen und Bürger mit der Benennung nicht einverstanden sind“, so die Begründung des Ex-Stadtrats Michael Eberle für eine erneute Eingabe. Man schaffe mit dem Münzgebäude einen „neuen ,Eingangssalon für die Stadt“, der Name solle zu dem altehrwürdigen Gebäude und der Altstadt selbst passen, schreibt Eberle an die Stadt und die Fraktionen. Laut seiner Ausführung sei dem Stadtrat außerdem der Inhalt eines Schreibens des Historischen Vereins nicht bekannt gewesen (siehe Kasten).

Bettina Schade erläuterte die „nüchternen Fakten“

Geschäftsleiterin Bettina Schade war es in der Sitzung vorbehalten, die „nüchternen Fakten“ zu erläutern, gleichzeitig verwahrte sie sich gegen die Formulierung, „die Verwaltung arbeite mit Tricks“. Im Gegensatz zur Entscheidung in der zweiten Sitzung gebe es diesmal durchaus andere Gesichtspunkte, denn Eberle hatte angeregt, die Namensbenennung des Platzes den Bürgern zu überlassen ähnlich wie bei der Entscheidung über die Lechsporthalle.

„Außerhalb von Leuten, die ich in CSU-Kreisen vermute, ist mir niemand begegnet, der mit der Stadtratsentscheidung nicht einverstanden ist“, eröffnete Siegfried Müller (ALS) die Diskussion. Er habe nichts gegen eine Bürgerbefragung, aber diese hätte am Anfang stehen müssen und dürfe nicht dann kommen, wenn eine Minderheit nicht mit der Abstimmung zufrieden sei. Bei der Haushaltsdebatte werde regelmäßig nicht respektiert, was beschlossen sei, konterte Helmut Hunger (CSU), als Beispiel nannte er den jährlich neu diskutierten Gewerbesteuerhebesatz.

Tobias Kalbitzer: Mehrheitsentscheidung gilt

Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer (ALS) sei ebenfalls nicht mit Marie Juchacz einverstanden, „aber ich unterwerfe mich der Mehrheit – das ist Demokratieverständnis“. Bettina Buresch (ALS) verwies darauf, dass die Stadträte gewählt seien als Vertreter der Bevölkerung. „Zu unterliegen ist hart, aber wenn unsere Entscheidungen nicht ernst genommen werden, können wir rausgehen an den Marienplatz und immer Bürgerbefragungen machen.“

Bürgermeister Falk Sluyterman bestätigte, dass er auch von nicht CSU-nahen Bürgern Kritik erhalten habe, er habe auch aus anderen Kreisen gehört, dass man „übers Ziel hinausgeschossen“ sei.

Stöhr: „Wurm war schon im Entscheidungsprozess“

„Der Wurm war schon im Entscheidungsprozess“, so Robert Stöhr (CSU). Die Namensgebung sei im Hauruck-Verfahren beschlossen worden, das passe nicht zum Aufwand, mit dem man sich um die Restaurierung des historischen Gebäudes bemühe. Stephan Hild (UWV) störte sich daran, wie viel Zeit der Stadtrat für dieses Thema aufwende. Es sei sogar zwei Mal demokratisch entschieden worden. „Das haben wir zu respektieren und nicht so lange nachzutarocken, bis es endlich passt.“ Allerdings sprach Hild sich dafür aus, den Bürgerwillen zu akzeptieren. Er schlug keine reine Befragung vor, sondern wünschte sich konkrete Vorschläge aus „nicht politisch gefärbten Kreisen“. Er mahnte, dass nach der Befragung Schluss sein müsse, „sonst können wir heimgehen“.

Bürgerbefragung im Herbst

Der Stadtrat entschied knapp mit 12:11 Stimmen dafür, das Thema erneut zu behandeln. Jetzt soll den Bürgern das Wort gegeben werden. Über die Sommerpause soll ein mögliches Prozedere ausgearbeitet werden. Eine Online-Befragung komme nicht in Betracht, es müsse sichergestellt sein, dass nur Schongauer abstimmen, so Schade. Darüber entscheidet der Stadtrat in seiner Sitzung vom 24. September. Das Ergebnis der Bürgerbefragung soll am 22. Oktober vorgestellt werden. Diesem Vorgehen stimmten 16 Stadträte zu. Der Vorschlag Armin Schleichs, auch die Hindenburgstraße umzubenennen, wurde nicht aufgegriffen.

Und das könnte Sie auch interessieren:

Der Schongauer Stadtrat Ralf Schnabel ist Richtung Nordkap unterwegs 

Festspiel Henkerstochter: Nur noch wenigeKarten

Weitere Themen aus der Region finden Siehier 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die zehn meistgeklickten Artikel 2019 aus dem Schongauer Land
Schon lange sind die Schongauer Nachrichten nicht mehr nur in gedruckter Form erhältlich. Diese Artikel  wurden im vergangenen Jahr besonders häufig im Internet …
Die zehn meistgeklickten Artikel 2019 aus dem Schongauer Land
Podiumsdiskussion in Peiting: Ebenbürtige Bürgermeisterkandidaten im Bühnen-Fünfkampf
Es war ein Duell der Extraklasse: Bei der Podiumsdiskussion der Schongauer Nachrichten in der Peitinger Schloßberghalle standen die fünf Bürgermeister-Kandidaten Rede …
Podiumsdiskussion in Peiting: Ebenbürtige Bürgermeisterkandidaten im Bühnen-Fünfkampf
143 Rekruten in Schwangau vereidigt
143 Rekruten wurden am Donnerstag in Schwangau vereidigt. „Es ist richtig, den Vereidigungsappell in der Öffentlichkeit vorzunehmen“, sagte Oberstleutnant Robert …
143 Rekruten in Schwangau vereidigt
Podiumsdiskussion in Schongau: Was wollen Sie die Kandidaten fragen?
Während in vielen anderen Orte mehr Kandidaten fürs Bürgermeisteramt zur Verfügung stehen, ist es in Schongau einer weniger: Neben Amtsinhaber Falk Sluyterman (SPD) …
Podiumsdiskussion in Schongau: Was wollen Sie die Kandidaten fragen?

Kommentare