Der Ort des Keim-Geschehens: Im Leitungswasser des Schongauer Krankenhauses wurden die Keime entdeckt – nun möchten alle Beteiligten „das Ganze aufarbeiten“.

Ursachenforschung läuft

Keime im Krankenhaus-Wasser

Stirnrunzeln herrschte zuletzt bei den Stadtwerken Schongau: „Coliforme Keime“ waren vergangene Woche schlagartig im Wasser des Schongauer Krankenhauses aufgetaucht. Einige Tage und mehrere Wasserproben später dann die Entwarnung: Die Keime sind nicht gefährlich – und wohl nur ein „gebäudebedingtes Problem“.

Schongau – Mikroskopisch klein sind sie, diese „coliformen Keime“. In der Natur kommen sie milliardenfach vor, und sind für Menschen prinzipiell völlig harmlos. Ins Trinkwasser gehören sie aber trotzdem nicht – so sind die Keime doch Indikatoren für eine Verunreinigung des Wassers. Dementsprechend groß war die Aufruhr bei den Stadtwerken Schongau, als am vergangenen Freitagnachmittag die Meldung ins Haus flatterte: „Coliforme Bakterien bei internen Routinetests im Trinkwasser des Krankenhauses Schongau gefunden“. Was folgte, war eine Reihe an Vorsichtsmaßnahmen im Krankenhaus – und eine Vielzahl an Wasserproben. Die Öffentlichkeit wurde davon nicht in Kenntnis gesetzt, unsere Zeitung erfuhr über einen Hinweis von den Vorkommnissen. Auf Nachfrage verwies das Krankenhaus auf das zuständige Gesundheitsamt als Ansprechpartner. Von „keine Panik schüren“ war hier die Rede. Es gäbe schließlich „diesbezüglich keine Veranlassung“. Das sollten dann auch die Laborergebnisse beweisen, die wenige Stunden später im Rathaus eintrudelten: Schongaus Leitungswasser ist sauber, die Keimbelastung wohl ein „gebäudebedingtes Problem“. Aufatmen also. „Komisch“ war das Ganze aber irgendwie schon.

Das findet zumindest Bernd Sedlmeier, der Wassermeister der Stadt Schongau. Komisch deshalb, da doch bisher „immer alles super“ war, im Trinkwasser von Schongau. Erst im September hatte eine weiträumige Überprüfung der Wasserqualität stattgefunden – mit tadellosem Ergebnis. Umso erstaunter war Sedlmeier über den Keim-Befund: „Sowas gab´s noch nie“. Sofort nahm der Schongauer Wassermeister die Ursachenforschung auf: Woher kommen nur die kleinen Störenfriede?

Kleine Unruhestifter sind die coliformen Keime.

„Meistens aus dem Erdreich“, erklärt der Fachmann. Bei Rohrbrüchen oder Bauarbeiten gelangen diese dann manchmal in die Wasserleitungen. „Aber eigentlich gab´s in letzter Zeit nichts derartiges“. So sah sich Sedlmeier gezwungen, das gesamte Wassernetz des Schongauer Umlandes auf den Kopf zu stellen: von der Wasserquelle in Schwabsoien bis in die hintersten Schächte Schongaus – überall wurden Proben genommen und an ein Labor geschickt. Um zu überprüfen, ob „etwas am Wassernetz ist“, oder das Problem nur auf „das eine Gebäude“ zutrifft.

Abkochgebot und Duschverbot fürt Patienten

Das eine Gebäude – das ist das Krankenhaus Schongau. Ein Ort, wo Keime und Bakterien grundsätzlich nicht gern gesehene Gäste sind. „Vorsichtsmaßnahmen“ mussten hier daher schnell getroffen werden, berichtet Dr. Stefan Günther vom Gesundheitsamt Weilheim-Schongau. Ein „Abkochgebot“ für Wasser, ein Dusch-Verbot für die Patienten. Selbst die Zähne durften nur mit Mineralwasser geputzt werden. Dr. Günther betont jedoch, dass zu keiner Zeit eine „Gefährdung der Bevölkerung“ bestanden hätte. „Coliforme Keime“ sind schließlich keine „E.coli-Bakterien“ – auch wenn im Volksmund gerne das Gegenteil behauptet wird. „Dreimal falsch“ sei es, sich deshalb wegen der Keime im Krankenhaus-Wasser Sorgen zu machen. So etwas kommt schon mal vor, die Bereinigung des Wassers ist laut Günther „Routine“. Der Fall habe trotzdem gezeigt, dass „man weiter wachsam sein muss“.

„Alte Rohre“ kommen als Keim-Epizentrum in Betracht

„Positiv gestimmt“ zeigt sich Günther nun, was die baldige Beseitigung der Keime angeht. Laut Laborbericht lässt sich das Problem ja schließlich auf die Leitungsstränge des Krankenhaus-Traktes beschränken. „Da gibt´s irgendwo eine Schwachstelle“. Auch Bernd Sedlmeier zieht „alte Rohre“ als Keim-Epizentrum in Betracht: „Das kommt da schon mal vor.“

MAX EDINGER


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Wenn im Frühling die Bäume blühen und die Vöglein zwitschern, soll es endlich soweit sein: Die neue Brücke über dem Mühlkanal wird ein halbes Jahr später als geplant für den Verkehr freigegeben.

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