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Dreifach-Mama Linda Kunze fordert: Schulkinder sollen in den Ferien in den Kindergärten mitbetreut werden. Momentan beißt sie mit dieser Forderung auf Granit. 

Vorstoß für Ferienbetreuung

Schüler in den Kindergarten? Dreifach-Mama hat ungewöhnliche Idee - und geht in die Offensive

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14 Wochen Schulferien pro Jahr stehen sechs Wochen Urlaub pro Elternteil gegenüber. Bestenfalls. Eine junge Mutter aus Schongau geht jetzt in die Offensive.

  • Eine junge Mutter aus Schongau hat eine ungewöhnliche Idee zum Thema „Ferienbetreuung“.
  • Sie möchte die Kapazitäten von Kindergärten für Schulkinder nutzen.
  • Die Rückmeldungen sind für die Dreifach-Mama zunächst allerdings enttäuschend.

Schongau – Linda Kunze ist Mutter von drei Kindern. Ihr Mann ist voll berufstätig. Sie selbst macht gerade eine Umschulung zur Kinderpflegerin. „Unser Urlaub reicht einfach nicht, um die Schulferien abzudecken. Ich bräuchte dringend eine Ferienbetreuung.“

Schüler in den Kindergarten? Dreifach-Mama aus Schongau hat Idee für Ferienbetreuung

Der Dreifach-Mama geht es damit wie vielen anderen Eltern im Landkreis Weilheim-Schongau. Das hat die Bedarfsplanung für die Kindertagesbetreuung im Landkreis ergeben, die die Jugendhilfeplanung im vergangenen Herbst veröffentlicht hat. Was die Ferienbetreuung von Schulkindern anbelangt, klafft im Landkreis allerdings noch eine große Lücke. Und die scheint so schnell nicht aufgefüllt werden zu können.

Eine Idee von Linda Kunze: Warum nicht die Kapazitäten in den Kindergärten nutzen, die gerade in den Sommerferien von den Kindergartenkindern wegen Familienurlaubs oft nur spärlich besucht werden? Kunze rechnet vor: Würde von den insgesamt zehn Kindergärten inSchongau nur jeder fünf Betreuungsplätze für Schulkinder in der Ferienzeit anbieten, „dann hätten schon 50 Kinder in Schongau eine Ferienbetreuung“.

Esther Laue, bei der Stadt Schongau für Kindergarten-Angelegenheiten zuständig, hat an dieser Stelle allerdings keine gute Nachricht: „Eine Betreuung der Schulkinder ausschließlich in den Ferien in den Kindergärten ist nicht möglich“, erklärt sie auf Anfrage der Schongauer Nachrichten.

Video: Ferien bereiten auch Eltern in Österreich Kopfzerbrechen

Landkreis Weilheim-Schongau: Schüler in den Kindergarten? So sieht Erklärung im Detail aus

Die Erklärung sieht dann im Detail so aus. Eine Betreuung der Schüler sei nur möglich, wenn eine Betreuung auch während der Schulzeit, zum Beispiel für den Nachmittag gebucht wird. Eine Mindestbuchung von drei bis vier Stunden würde hier vorausgesetzt. „Das ist das gleiche Prinzip wie im Hort“, so Laue.

Zudem müsse es in den Kindergärten natürlich auch freie Plätze für Schulkinder geben, da diese das ganze Jahr einen Platz belegen. Dies ist in Schongau nicht der Fall. Im Gegenteil: „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir im letzten Jahr zwei Notgruppen eröffnen mussten, um den Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen abzudecken.“ Dafür ist natürlich auch mehr Personal nötig – in Zeiten des Fachkräftemangels für eine Kommune eine Mammut-Aufgabe.

„Deshalb ist es momentan nicht möglich, zusätzlich Schulkinder aufzunehmen, da die Plätze bereits von den Krippen- und Kindergartenkindern belegt sind.“

Auch wenn es für manche Eltern so aussehen mag, dass in den Schulferien die Kindergärten weniger Kinder haben, und hier ja dann dafür Schulkinder betreut werden könnten: „Es gibt sicherlich Kinder, die in den Schulferien mit ihren schulpflichtigen Geschwistern zuhause bleiben. Das sind aber nur wenige“, unterstreicht Laue.

Dreifach-Mama aus Schongau hat Idee für Ferienbetreuung - doch sie erhält enttäuschende Botschaft

Außerdem zeige die Praxis: Sobald weniger Kinder zu betreuen sind, baut das Personal im Kindergarten die Überstunden ab. Hinzu kommt die rechtlich vorgesehen notwendige Mindestbuchungs-Zeit, die das Ganze dann wiederum ohnehin hinfällig macht. „Ich kann verstehen, dass dies nicht für alle verständlich ist, aber das Gesetz ist so formuliert und lässt den Kommunen und Trägern keinen Spielraum.“

Hinzu kommt: Eine Ferienbetreuung im Schulgebäude während der Ferien wäre nur möglich, wenn die Personalkosten komplett auf die betreuten Kinder umgelegt würden. „Dazu müsste aber erst jemand gefunden werden, der das übernimmt. Auch hier kann ich nur sagen, dass uns der Fachkräftemangel die Suche sehr erschwert, denn wenn wir schon Probleme haben Personal für die Kindergärten zu finden, wird es noch schwieriger jemanden zu finden, der nur in den Ferien arbeitet.“

Für Mama Linda Kunze ist das erst mal unter dem Strich eine enttäuschende Botschaft. Die Wertschätzung für Familien: Für die Schongauerin ist das ein neuer Tiefpunkt.

Schüler im Kindergarten betreuen? Darum klappt es in Bernbeuren

Während der Schulferien werden vom katholischen Kindergarten St. Nikolaus in Bernbeuren Schulkinder betreut. Dies ist laut Kindergartenleiterin Benedikta Bentenrieder nur möglich, weil am Kindergarten ein Hort angeschlossen ist. Betreut werden die Kinder, genauso wie während der Schulzeit, in den Räumen der Grundschule, die neben dem Kindergarten liegt. 

„Das ist praktisch, und die Trägerschaft hat die katholische Kirchenstiftung, darum ist das alles so möglich“, erklärt Bentenrieder. Aus langjähriger guter Erfahrung weiß sie, wie wichtig das Angebot für die Eltern ist. Und für die Kinder ist die Betreuung während der Ferien keine riesige Umstellung. „Die kennen das Umfeld schon, teilweise seit der Krippe oder dem Kindergarten.“ 

Ähnlich war das im Hort in Peiting üblich, den der katholische Kindergarten St. Michael viele Jahre betrieben hatte. Der wiederum schloss seine Pforten für die Kinder, als die Grundschulen die Offene Ganztagesschule ins Angebot aufgenommen hatten. Auf der Strecke bleiben mit der Hort-Schließung wiederum Eltern und Kinder während der Schulferien.

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