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„Tip Sportwetten“ nennt sich die Wettannahmestelle in der Schongauer Christophstraße.

Aus dem Stadtrat

Klares Veto gegen Wettbüro in der Schongauer Altstadt

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Ein Wettbüro in der historischen Altstadt? Dagegen wehrt sich die Stadt Schongau. Der Betrieb in der Christophstraße sei ohne Genehmigung eingerichtet worden, also illegal. Mit der Aufstellung eines Bebauungsplans werden „Vergnügungsstätten“ in der Altstadt nun ausgeschlossen. Der Betreiber sieht es gelassen: Das sei kein Wettbüro, sondern eine Annahmestelle mit Genehmigung.

Schongau – „Solchen Einrichtungen müssen wir Einhalt gebieten im Rahmen der Bauplanung.“ Mit diesen Worten leitete Bürgermeister Falk Sluyterman in der jüngsten Sitzung des Stadtrats den Tagesordnungspunkt ein. Zuletzt war 2017 im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts die Zielsetzung formuliert worden, die Altstadt als traditionelles und funktionsstarkes Zentrum Schongaus wie auch der Region zu sichern. Innenstädte seien wichtige Identifikations- und Treffpunkträume für die Bürger.

Bebauungsplan soll Wettbüro ausschließen 

Ein Wettbüro allerdings fällt wohl eher nicht unter den Punkt „Aufwertung“ und „Attraktivierung“ der Schongauer Altstadt. Als Instrument dagegen fuhr die Stadtverwaltung nun einen Bebauungsplan auf, unter anderem „um städtebauliche Fehlentwicklungen“ zu vermeiden. Laut Stadtbaumeister Sebastian Dietrich wurde das Wettbüro nämlich ohne baurechtliche Genehmigung eröffnet: „Es ist rechtswidrig“, machte er deutlich, dürfe so nicht betrieben werden. Weil es natürlich etwas dauert bis zum Satzungsbeschluss – um alles weitere kümmert sich der Bau- und Umweltausschuss –, erließ die Stadt gleichzeitig eine Veränderungssperre. Diese gilt für zwei Jahre und verschafft der Verwaltung ausreichend Zeit für das Verfahren.

„Kein Platz für ein Wettbüro in der Altstadt“

„Ich finde es gut, dass wir einen Bebauungsplan auf den Weg bringen, in der historischen Altstadt sehe ich wenig Platz für ein Wettbüro“, so Stefan Konrad. Allerdings wollte der SPD-Stadtrat wissen, wer genau von der Regelung betroffen ist, damit nicht schon lang bestehende Einrichtungen einen Nachteil hätten. Seines Wissens gebe es eigene Regelungen für Lottoannahmestellen, diese hätten einen Staatsvertrag, wusste Konrad, dessen Bruder Kurt die Annahmestelle in der Münzstraße betreibt. „Es kann jeder künftig noch seinen Lottoschein in der Altstadt abgeben“, bestätigte Sluyterman. Auch CSU-Fraktionssprecherin Kornelia Funke sah es als wichtig an, die Altstadt zu schützen. „Wo endet das Vergnügen? Wer definiert, was den Schongauer vergnügt und was nicht?“, wollte Bettina Buresch (ALS) wissen, was sich genau hinter dem Begriff „Vergnügungsstätte“ verbirgt. Wettbüros, Spielcasinos und Stätten des Sexgewerbes, zählte Dietrich exemplarisch auf. Dies könne im Bebauungsplan genau festgelegt werden, allerdings wolle man sich erst mal auf die Thematik Wettbüro beschränken.

Veränderungssperre gibt Zeit für ein Verfahren

Der Stadtrat genehmigte sowohl die Aufstellung des Bebauungsplans als auch die Veränderungssperre einstimmig. Beim Verlesen der Beschlussvorschläge nahm man es, auch wenn es etwas länger dauerte, ganz genau, damit die Beschlüsse keinesfalls anfechtbar sind, wie der Rathauschef auf Nachfrage eines Stadtrats erläuterte: „Es soll ja ein scharfes Schwert werden; wir müssen damit rechnen, dass wir vor Gericht landen.“

Ganz gelassen sieht Levent Kocamaz aus Penzberg einem Schreiben der Stadt Schongau entgegen. Der Penzberger betreibt unter „Tip Sportwetten“ mehrere Wettannahmen, auch die in Schongau. Er werde das rechtlich prüfen. Im Übrigen habe er eine Genehmigung des Landratsamtes. Geschäftsführer in Schongau ist Savas Polat. Er berichtet, dass die Genehmigung des Landratsamtes bereits seit Juli vorliege, sie aber wegen Umbaus erst vor ein paar Wochen eröffnet hätten. „Wir sind kein Wettbüro, sondern eine Wettannahmestelle“, erklärt er den kleinen, aber vielleicht entscheidenden Unterschied. Zwar habe man dies vorgehabt, dass man dazu jedoch eine Genehmigung der Stadt brauche, darauf habe auch das Landratsamt verwiesen. Live könnten bei ihm keine Wetten abgeschlossen werden, es gebe auch keine Bewirtung. Monitore hängen, aber sind aus. Lediglich über die Automaten könne man Sportwetten vornehmen, von Fußball über Boxen bis hin zum Tennis.

Es gibt noch weitere Annahmestellen in der Altstadt 

„Wir sind auch nicht die einzige Annahmestelle in der Altstadt“, so Polat, der auch den Döner King betreibt. Nur ein paar Meter weiter, Ecke Christoph- und Weinstraße, klebt ein überlebensgroßer Fußballer an einem Schaufenster. „HPY BET“ nennt sich die Wettannahmestelle beim Bistro Latino. Savas Polat: „Und früher habe ich immer beim Konrad gewettet, dann müsste gleiches Recht für alle gelten.“

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