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Auf dem Historischen Markt in Schongau kann man der Korbflechterin Anna Gast-Wendland noch bis kommenden Sonntag über die Schulter sehen.

Schongauer Sommer

Alte Handwerkskunst beim Historischen Markt: Korbflechterin zaubert Kunstwerke

Vor allem alte Handwerkskunst ist auf dem Historischen Markt in Schongau gefragt. Ein Blickfang in jeder Hinsicht ist Anna Gast-Wendland aus Hohenfurch, die als Korbflechterin wahre Kunstwerke zaubert.

Schongau Es ist nicht gerade erfrischend und aufbauend, von einer holden Lieblichkeit einen Korb zu bekommen. Sei es in der Tanzstunde oder bei einem anderen Versuch, sich an das weibliche Geschöpf heranzuwagen.

Ganz anders ist es, von Anna Gast-Wendland einen Korb zu bekommen. Da kann man sich glücklich schätzen, denn Annas Körbe stehen hoch im Kurs. Sie sind wahre Hingucker, Anna sowieso. Seit acht Jahren ist die Hohenfurcherin mit ihrem Stand als Korbflechterin auf dem Historischen Markt zu bewundern. Immer am gleichen Platz neben Herbert Zimmerts Ramazotti-Bude. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.

Korbflechterin auf dem Historischen Markt in Schongau: Anna Gast-Wendland ist eigentlich Krankenschwester

Anna fällt dem Besucher sofort auf, wenn er am Stand vorbeischlendert. Ihr Lächeln sympathisch, da bleibt man gerne stehen und interessiert sich für das Korbflechten. Auf ihrem Arbeitstischchen hat Anna einige Weidenruten ausgelegt. Sie sollen das Bodenteil für den späteren Korb werden. Geschickt verbinden Annas Finger die Teile miteinander. Nach kurzer Beobachtung traut man sich Fragen zu stellen. Kein Problem bei Anna. Sie kann weiter arbeiten und dabei erzählen. Ein Phänomen, das viele Frauen für sich beanspruchen. Wenige können es, Anna kann’s. Und erzählt.

Eigentlich ist Anna Krankenschwester, hantiert mit Spritzen und Infusionen. Bei einem Besuch einer Freundin vor 16 Jahren hat Anna von ihr gesehen, wie so ein Korb geflochten wird. „Es hat mich fasziniert, dann wurde ich einfach süchtig danach“, erzählt sie. Sie hat zuhause einige Flechtarten ausprobiert und erkannt, dass das genau ihr Ding sei.

Historischer Markt in Schongau: So kam Anna Gast-Wendland zur Korbflechterei

Als Annas Ehemann Reinhard ihr dann noch ein Fachbuch über die Korb- und Gebrauchsgut Flechterei schenkte, war es um sie geschehen. Erst hat sie sich an Dekoartikel rund um Haus und Garten ausgetobt, dann wurde richtig angegriffen. Körbe in allen Variationen entstanden. Ab Ende Oktober bis zum 28. Februar ist Anna auf der Pirsch. Sprichwörtlich. Da erntet sie die Weidenschößlinge, die sie zum Flechten braucht. „Der Saft muss aus der Pflanze sein“, bemerkt sie. Dann sind sie am besten geeignet. Und wegen des Vogelschutzes ist ab Ende Februar Schluss mit lustig.

„Keller, Garage, Schlafzimmer, überall wird das Material gelagert“, gibt Anna lachend zum Besten. Sie benötigt so viel, weil sie im Jahr auf zwölf bis 16 Märkten zu finden ist. Egal ob Garten-, Kunsthandwerker- oder Mittelaltermärkte, sie ist mit ihren Körben, Rückenkraxen oder Scherentaschen überall gerne gesehen.

Für einen mittelgroßen Korb benötigt die geschickte Handwerkerin gute sieben Stunden. Obwohl ihr Mann Reinhard im Laufe der Jahre für sie eine ansehnliche Sammlung von verschiedenen Scheren zusammengetragen hat, arbeitet Anna nur mit einem Exemplar. „Warum nur mit einer Schere?“, die Frage einer Zuschauerin. Anna lächelt – das bleibt ihr Geheimnis.

VON HANS-HELMUT-HEROLD

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