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Im Neubau des Marie-Eberth-Altenheims soll spätestens im September der Betrieb anlaufen. 

Neubau des Marie-Eberth-Altenheims

Kritiker der Altenheim-Privatisierung sieht sich durch Betreiberwechsel bestätigt

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Die Bauarbeiten am Marie-Eberth-Altenheim in Schongau laufen auf Hochtouren. Doch es gibt Kritik an der Privatisierung - und am Betreiberwechsel.

Schongau – Fast genau drei Jahre ist es her, dass der Kreistag in nichtöffentlicher Sitzung beschloss, das in die Jahre gekommene Marie-Eberth-Altenheim am Schongauer Krankenhaus an einen privaten Investor zu verkaufen. Vor einem Jahr begannen die Arbeiten am Neubau, im Sommer sollen die Bewohner vom alten ins neue Gebäude umziehen. Anschließend beginnt der Abriss der Bestandsimmobilie. Alles läuft im großen und ganzen nach Plan, auch wenn sich der ursprünglich anvisierte Übergabetermin an den neuen Betreiber im Juli wohl nicht ganz halten lässt. Spätestens Anfang September aber soll es soweit sein, sagt Landkreis-Kämmerer Norbert Merk im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten. Auf ein paar Wochen komme es aber nicht an. „Uns ist wichtiger, dass der Übergang reibungslos gelingt.“

Das wünscht sich auch Kreisrat Hans Schütz, wenngleich der Grünen-Politiker die Privatisierung des Altenheims nach wie vor für einen Fehler hält. Als einer von sechs Räten hatte Schütz vor drei Jahren gegen den Verkauf gestimmt. Seine Sorge: Der Landkreis gebe damit die Kontrolle aus der Hand, sowohl was das Personal angehe als auch die Betreuung der Bewohner.

Schongauer Marie-Eberth-Altenheim: Mehrmaliger Betreiberwechsel vor Eröffnung

Jüngst meldete sich Schütz im Kreistag zu Wort, er sieht sich in seinen Bedenken bestätigt. Gleich mehrmals habe seit dem Verkauf der Betreiber bereits gewechselt, dabei habe das neue Heim noch gar nicht geöffnet, berichtete Schütz von eigenen Recherchen.

Tatsächlich hat sich einiges getan hinter den Kulissen, seit dem Kaufvertragsschluss zwischen dem Landkreis und der Grünwalder Firma WOB Immobilien GmbH. Diese fungiert als Bauträger und hat nach eigenen Angaben alle 112 Wohneinheiten im Neubau zwischenzeitlich vor allem an Kapitalanleger aus Bayern veräußert. Den Betrieb des Altenheims sollte wiederum die A+R Betriebsgesellschaft mbH unter dem Dach der Berliner inter pares Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH stemmen. Anfang 2018 allerdings meldete die Gesellschaft für soziale Aufgaben (GesA) mit Sitz in Goslar, dass sie die Trägerschaft von vier Pflege- und Wohneinrichtungen von der inter pares übernommen habe – darunter das im Bau befindliche Marie-Eberth-Seniorenzentrum in Schongau. Die Firma, die sich als Spezialist für die Entwicklung und den Bau von modernen Sozialimmobilien beschreibt, verkaufte jedoch die erworbene A+R GmbH noch im gleichen Jahr weiter an die „Schönes Leben Gruppe“ und deren Ulmer Tochter compassio. Letztere zählt mit 35 Standorten zu den größten Pflegeheimbetreibern in Deutschland.

Schongauer Marie-Eberth-Altenheim: Landratsamt über Entwicklung nicht erfreut

Aus Schütz’ Sicht alarmierend: Hinter der „Schönes Leben Gruppe“ steckt der niederländische Finanzinvestor Waterland, eine Private Equity-Gesellschaft, die zuletzt kräftig in den deutschen Gesundheitsmarkt investierte. „Da steht immer die Gewinnmaximierung im Vordergrund“, fürchtet der Kreisrat, der das Geflecht an Gesellschaften zudem als „undurchsichtig“ bezeichnet.

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Auch im Landratsamt hat man die Entwicklung verfolgt. Erfreut sei man über die wiederholten Veränderungen nicht, gibt Merk zu. Doch dass so etwas passieren könne, sei immer klar gewesen, wenn man an einen privaten Investor verkaufe. Den Schritt hält der Kämmerer anders als Schütz nach wie vor für die beste Lösung. Ein Verbleib in kommunaler Hand wäre angesichts von Investitionskosten im zweistelligen Millionenbereich nicht finanzierbar gewesen – zumal eine Sanierung die ohnehin geringe Zahl von 59 Plätzen aufgrund der nötigen zusätzlichen Einbauten noch einmal verringert hätte. „Wir müssen froh sein, dass uns ein Investor diese Aufgabe abgenommen hat.“

Betreiberwechsel am Marie-Eberth-Altenheim in Schongau: Auswirkungen für die Mitarbeiter und Bewohner

Für die Mitarbeiter um Einrichtungsleiterin Gisela Mair und die Bewohner habe der Wechsel des Betreibers im Übrigen keine negativen Auswirkungen, betont Merk, der auf den mit der WOB geschlossenen Vertrag verweist. Darin geregelt sei, dass alle jetzigen Bewohner in das neue Heim übersiedeln können – wenn auch zu neuen Konditionen, die mit der Aufwertung der Einrichtung einhergehen. Für die Mitarbeiter gelte ein fünfjähriger Bestandsschutz, was bedeute, dass die aktuellen Tarifkonditionen in dieser Zeit auch für den neuen Betreiber, wie auch immer dieser heiße, bindend seien.

Offen ist freilich, was nach den fünf Jahren geschieht. Darüber kann auch Merk nur spekulieren. „Beeinflussen können wir es nicht.“ Jetzt zähle erst einmal, die Übergabe reibungslos über die Bühne zu bringen. Dass das gelingt, davon ist der Kämmerer nach konstruktiven Gesprächen mit der Heimaufsicht und dem neuen Betreiber compassio überzeugt.

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