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Mit Herz und Seele im Beruf, die Arbeit mit dem Menschen ist für Conny Leibig auch künftig wichtig. 

Heimerer Berufsfachschule für Altenpflege und Pflegefachhilfe in Schongau

Begeisterung für den Pflegeberuf - ein Gespräch mit der Leiterin der Heimerer Schulen in Schongau

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Conny Leibig, die Leiterin der Heimerer Schulen in Schongau, hört zum Oktober auf. Wichtig sind ihr vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ein Gespräch.

Schongau – Die Gäste der 25-Jahr-Feier haben es kürzlich aus erster Hand erfahren: Die Schongauer Schulleiterin orientiert sich im Herbst anders, nämlich Richtung Ruhestand. 2005 hatte die studierte und promovierte Ärztin die stellvertretende Leitung an der Heimerer Berufsfachschule für Altenpflege und Pflegefachhilfe in Schongau übernommen, seit 2008 ist sie die Leiterin. Nach Schongau kam sie bereits 1980, arbeitete in der Gynäkologie und der Geburtshilfe, war teilweise parallel sowohl in der Schule als auch im Krankenhaus tätig.

Mit Herz und Seele ist Conny Leibig noch heute dabei. „Es ist einfach meins“, sagt die 65-Jährige frei heraus. Warum, sei leicht zu beantworten. „Ich tue alles für mich selbst.“ Das sei zwar ein Satz, den man ihr nie abnehme, aber das Arbeiten gebe ihr so viel, dass sie rundherum zufrieden sei. Die Organisation macht sie in der Berufsfachschule ebenso gerne wie den Unterricht. Hinzu kommt noch das Persönliche, die Gespräche mit Schülern und Kollegen – „diese Mischung ist einfach genau richtig für mich“.

Heimerer Schulen: Conny Leibig will in Schongau bleiben

Nach 27 Jahren in Kinsau lebt Conny Leibig seit mittlerweile elf Jahren in Schongau. „Und hier bleibe ich auch.“ Wenn im Herbst ihr Nachfolger den Stab übernimmt – Schulleiter wird der derzeitige Stellvertreter Florian Bentenrieder – geht es ins letzte Schuljahr nach dem alten System, ab 2020/2021 wird auf die Generalistische Ausbildung umgestellt. Kurz erklärt, werden dann die ersten zwei Ausbildungsjahre in der Altenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Krankenpflege zusammengefasst, die Schüler entscheiden sich zum dritten Schuljahr hin, welche Ausbildungsrichtung sie einschlagen möchten.

Nicht unbedingt ein Vorteil, wie Conny Leibig meint. „Die Altenpflege hat sich in den letzten Jahren als eigenständiger Beruf sehr gut entwickelt, alle Einrichtungen stellen gerne Altenpfleger an. Ich habe die Sorge, dass bei der Ausbildung einiges auf der Strecke bleibt“, so die Befürchtung der Schulleiterin. Sie denkt dabei vor allem an das Zwischenmenschliche. Natürlich sei man aber in Schongau offen für die neue Ausbildung. „Wir versuchen, uns zu begeistern und alles mit vollem Herzen zu machen.“ Dem Pflegenotstand wirkt die neue Schulausbildung ihrer Meinung nach aber nicht unbedingt entgegen. „Dadurch wird es nicht besser, schon jetzt kann der Altenpfleger problemlos im Krankenhaus arbeiten – z.B. in der Akutgeriatrie.“

Conny Leibig von den Heimerer Schulen Schongau: „Ohne Begeisterung ist der Pflegenotstand nicht zu lösen“

Aber ganz gleich, ob alte Ausbildung oder neue – „ohne Begeisterung ist der Pflegenotstand nicht zu lösen“, ist sich die Schongauerin sicher. Was für alle Fachkräfte, auch im Handwerk gelte: Je mehr man von einem einzelnen Menschen verlange, desto besser müsse die Ausbildung werden. Und verlangt wird viel: Von den 32 Schülern, mit denen in Schongau jeweils das Schuljahr starte, würden 20 bis 25 Prozent wieder gehen, vielleicht auch, weil sie die Ausbildung unterschätzt haben. Das gelte auch für die Pflegefachhilfe. Aber, so Leibig: „Wer Feuer gefangen hat, bleibt.“

Was aber macht die Arbeit in der Altenpflege aus? „Es ist ein Geben und Nehmen, das macht diesen Beruf so attraktiv“, ist Leibig überzeugt. „Wem Beziehungen wichtig sind, dem kann ich diesen Beruf unbedingt ans Herz legen.“ Vor allem seien die Tage kurzweilig, es gebe immer viel zu tun. Aber auch loslassen müsse man können, nicht umsonst dreht sich ein großer Teil der Ausbildung um den Tod und das Sterben. „Und die Lebensfreude, die man den alten Menschen nahebringen kann.“

Conny Leibig von den Heimerer Schulen Schongau will auch im Ruhestand mit Menschen arbeiten

100 Schüler bilden die Heimerer Schulen Landsberg und Schongau im Jahr aus. Dabei ist die Altersstruktur unter den Schülern komplett gemischt. Etwa ein Drittel sind unter 20, ein Drittel über 30, der älteste Schüler derzeit 57 Jahre alt – „diese Mischung macht’s lebendig.“

Die Arbeit mit Menschen will Conny Leibig in jedem Fall weiterführen, wenn auch künftig in etwas anderer Form, etwa über die Katholische Kirchengemeinde. Die 65-Jährige liebäugelt außerdem damit, Spanisch zu lernen. Und die Liebe zum Reisen mit dem Wohnmobil will sie auch pflegen – Island, Südnorwegen und Spanien sollen mit dem VW-Bus unbedingt entdeckt werden. Auch da wird es an zwischenmenschlichen Begegnungen nicht fehlen.

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