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Das Team um Wirtin Inge Pfettrisch verabschiedet sich mit Blumen. Von links: Josef, Gerti, Inge, Andreas, Aline, Mouna und Barbara.

Letztes Quiz im Eulenspiegel

Die „Eule“ ist Geschichte: Zum Schluss gab’s Tränen

Es war die Kultkneipe in Schongau: Unzählige Musikgruppen haben in der „Eule“ an den Wochenenden eine offene Bühne gehabt, tausende Fragen wurden bei den beliebten Quizabenden beantwortet. Mit dem letzten Quiz hat Wirtin Inge Pfettrisch nach 38 Jahren die Kultkneipe „Eulenspiegel“ jetzt geschlossen.

Schongau – Bernd P. ist einer der ersten Gäste, der am Dienstagabend gegen 17 Uhr in der Musikkneipe „Eulenspiegel“ in Schongau seinen Platz reserviert. „Zur Trauerfeier“, wie er es mit leichtem Galgenhumor ausdrückt.

Bernd und seine Freunde wollen unbedingt dabei sein, wenn am Abend das letzte Dienstags-Quiz in der Schongauer Kultkneipe über die Bühne geht. Und natürlich, auch wenn es „sauschwer“ fällt, sich von der einzigartigen Wirtin Inge Pfettrisch zu verabschieden. Wie berichtet, hat sie die „Eule“ 38 Jahre als Wirtin geführt. Mit großem Erfolg und unbeschreiblich sympathischer Art.

„Eule“ in Schongau war immer ein Anlaufpunkt

Wie Bernd ihr an diesem Abend erzählt, hat er in der „Eule“ 1982 sein allererstes Bier getrunken. „Es hat in Schongau nichts Gleichwertiges gegeben, wo man sich so wohl fühlte“, ergänzt er. Auch als er später für viele Jahre beruflich auf Tour war, die „Eule“ war bei seinen Besuchen zuhause immer Anlaufpunkt.

Einer der Gründe war das gut gemischte Publikum, wie auch Judith und Sepp bestätigen. Seit 16 Jahren sind die beiden jeden Dienstag vor Ort, selbst bei Wind und Wetter scheut Sepp nicht den Weg aus Landsberg. Und jetzt? „Es ist grauenhaft, wir weinen“, drückt es Judith aus.

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So fühlen es auch Ingrid und Emil, die für die wöchentlichen Quizabende sogar private Termine absagten. „Es war einfach eine gewachsene Gemeinschaft“, sagt Emil kurz und wendet sich seinem so geliebten Sandwich zu. Die Spezialitäten aus der Küche von Aline & Mouna sind für ihn die besten überhaupt. Besser gesagt waren.

Das letzte Dienstags-Quiz in der Schongauer „Eule“

Das letzte Dienstags-Quiz beginnt: Der Einmarsch der Quizmaster Josef Walter und Andreas Dupond-Christ hätte nicht treffender inszeniert werden können. Schwarze Anzüge, Walter in edler Version mit Nadelstreifen, eine Urne in würdevoller Haltung vor sich tragend. Dazu als Musikuntermalung der berühmte Trauermarsch von Frédéric Chopin. Die Gesichter der beiden in maskenhafter Trauermimik.

Ein schwerer Gang der beiden Quizmaster in der „Eule“. Vorne Josef Walter, dahinter Andreas Dupond-Christ.

1990 hat Josef Walter das Dienstagsquiz in der „Eule“ aus der Taufe gehoben, über 28 lange Jahre hat er es jeden Dienstag veranstaltet. Mit großer Unterstützung von Andreas. Jetzt müssen die beiden ihre beliebte Kombination aus Erzählungen und daraus resultierenden Fragen zu Grabe tragen. Ganz klar, dass der Trauermarsch mit in die Fragen eingebunden ist.

Trauerrede für die Schongauer „Eule“

Zwischen den insgesamt sieben Fragen hat Josef seine Trauerrede eingebunden. Nach dem Motto: „Der Haaf (Vorbesitzer) hat’s gegeben, der Alesch (neuer Besitzer) hat’s genommen“. Dabei natürlich auch Musikstücke, die so typisch für die „Eule“ waren. Da konnten ein „Music was my first love“ von John Miles in Gedenken an den langjährigen DJ „Waldi” Walter Nitsche oder ein „Es lebe der Zentralfriedhof“ von Wolfgang Ambros natürlich nicht fehlen. Und natürlich treffend der gute Udo Lindenberg, wenn auch mit viel Wehmut: „Hinterm Horizont geht’s weiter“.

Ein letzter Auftritt von Wirtin Inge Pfettrisch: Erinnerungen an das Publikum, Blumen für ihr beliebtes Team. Dazu kurz und bündig eine Formulierung frei nach Loriot: „Ein Leben ohne ,Eule’ ist möglich, aber sinnlos!“ Wie recht sie hat. Danke für 38 tolle Kneipenjahre.

VON HANS-HELMUT HEROLD

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