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Zwergenbergwerk statt Aladin

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Es herrscht Hochbetrieb auf der Baustelle des neuen Tunnels der Nostalgie-Eisenbahn im Märchenwald. Zu Pfingsten soll die Bahn durch ein Edelsteinbergwerk der Zwerge fahren. Florian Hallmann steht auf dem Betonfundament, auf dem später die Schienen verlegt werden. © Herold

Wer hat sich als Kind nicht gerne in die Welt der Märchen entführen lassen? Auf besondere Art und Weise klappt das im Schongauer Märchenwald. Ein Herzstück ist die Oldtimer-Eisenbahn, die jetzt einen neuen Tunnel bekommt.

Schongau – Es ist mehr als 50 Jahre her, dass im August 1965 Hans und Gretel Schmid den Märchenwald gegründet und aufgebaut haben. Darstellungen der Märchen sind dort genauso beliebt wie die vielen Tiere im Park oder Zauberwald, Spieleturm oder die Seilbahn. Ein wichtiger Aspekt für Groß und Klein ist aber die Oldtimer-Eisenbahn mit ihren bunt bemalten Wagen. Unzählige Runden hat das gute Stück durch die Parkanlage gedreht, unvergessliche Momente haben die Kinder dabei erlebt. Vor allem, wenn es in den stockdunklen Tunnel ging und man an dem beleuchteten Fenster von Aladin und seinem fliegenden Teppich vorbeikam.

Dieser Aladin musste jetzt seinen Teppich zusammenrollen. Aus und vorbei das Märchen im Tunnel. Besser gesagt „aus für den Tunnel“. Das gesamte Tunnelstück wurde in den letzten Wochen abgetragen. Max Hallmann und Ehefrau Susanne, die Tochter der Märchenwald-Gründer, die 1998 das Ruder übernommen hat, haben sich zu diesem Schritt entschlossen. „Als Hans Schmid vor 50 Jahren die Bahn baute, hat man den Tunnel mit seiner Durchfahrtgröße von 1,40 auf 1,40 Meter in einer Länge von 25 Metern der kleinen Schmalspurbahn angepasst“, erklärt Hallmann, der für alle technischen Belange zuständig ist. Der Platz reichte problemlos aus. In eine kleine Nische in der Mitte der Strecke baute man, um alles märchenhaft zu gestalten, das Märchen von Aladin und seinem fliegenden Teppich ein.

Jedes Jahr wurde der Tunnel sicherheitsmäßig geprüft und abgenommen. „Aber der Zahn der Zeit hat an dem Betonwerk von damals genagt, größere Reparaturmaßnahmen wären notwendig geworden“, sagt Hallmann. Außerdem hat Schmid vor 50 Jahren die Nostalgie-Eisenbahn schon gebraucht gekauft. Ersatzteile gibt es längst nicht mehr, alle Verschleißteile müssen selbst angefertigt werden. Da stößt selbst der versierte Rasenmäher-Rennfahrer Max mit seinen Tüftler- Kenntnissen an Grenzen.

Herold
© Ein Foto der beliebten Bahn, die allerdings schon 50 Jahre im Märchenwald fährt und damals gebraucht gekauft wurde.

„So haben wir geplant, einen Tunnel für die Zukunft zu schaffen“, sagt Max. Großzügig, vor allem aber nach den jetzigen TÜV-Vorgaben. Der neue Tunnel weist in seiner Durchfahrgröße 2,50 x 2,50 Meter auf und erstreckt sich auf 30 Meter Länge. „Dann haben wir eine sichere Größe, um in Zukunft die Voraussetzung zu haben, einen größeren Zug durchfahren zu lassen“, erklärt Max. Er hat den Markt der Parkeisenbahnen im Vorfeld abgegrast, um alle etwaigen Probleme auszuschließen.

Natürlich soll in dem Tunnel wieder ein Platz für ein Märchen geschaffen werden. Jetzt kommt Sohn Florian ins Spiel. Der war seit seiner Kindheit kein großer Freund von Aladin und orientalisch, zu viel Bauchtanz. Florian schwärmt schon immer für Zwerge. Sein Gedanke wird jetzt umgesetzt. Inmitten des Tunnels, der als Bergwerkstollen dargestellt wird, öffnet sich ein Edelsteinbergwerk. Bewegliche Zwerge hacken die Edelsteine, schaufeln sie in Förderkörbe und transportieren sie ab. Natürlich wird auch an die große Schatzkiste gedacht. Ebenfalls eine Neuerung: Der Zug bleibt im Tunnel eine Minute lang stehen, um dem Treiben der Zwerge genau zusehen zu können. Und, und, und...mehr wird nicht verraten.

Zu Pfingsten soll das Bauwerk fertig befahrbar sein. Gute 300 Kubikmeter Erdreich mussten für das Bauvorhaben bewegt werden. Fast alles in Eigenregie, denn von den Zwergen hat sich noch keiner blicken lassen. Der Tunnel wird von einer Baufirma betoniert, der Innenausbau ebenfalls wieder in Eigenregie gestemmt. Nur so war es möglich, die Kosten tief zu halten. Trotzdem sind die 77 000 Euro für den Märchenwald eine große Investition.

Hans-Helmut Herold

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