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Harmonierten wunderbar im Schongauer Brauhaus: Marianne Sägebrecht (li.) und Andrea Schumacher. 

Weihnachtliche Lesung

Herzerfrischend authentisch: Marianne Sägebrecht begeistert im Brauhaus

Der Name zieht – nach wie vor: Aus allen Nähten platzte am Wochenende das Schongauer Brauhaus. Denn angekündigt war Marianne Sägebrecht mit einer weihnachtlichen Lesung samt Musik.

Schongau – Während sich andere Künstler von ihrer PR-Agentur als „authentisch“ preisen lassen müssen, hat Marianne Sägebrecht das gar nicht nötig. Denn sie ist es einfach. Als Wirtin einer Künstlerkneipe in Schwabing kam sie in den 70er-Jahren in Kontakt mit Theater- und Filmleuten – und so selbst auf die Bühne und vor die Kamera. Eine internationale Karriere nahm ihren Lauf.

Dabei war sich die 1945 in Starnberg geborene Schauspielerin immer treu geblieben und hat sich nicht verbiegen lassen. So wirkte sie im Brauhaus auch im besten Sinne wie „eine von uns“, wenn sie auf dem Podium saß und mit Charme, Witz und Können ihre Texte vortrug. Sofort entstand eine direkte, herzliche Verbindung mit dem Publikum und eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlten.

Marianne Sägebrecht im Schongauer Brauhaus: Geigerin begleitet den Auftritt

Sägebrecht hatte eine Musikerin mitgebracht: Andrea Schumacher ist Geigerin aus dem Münchner Kammerorchester, und die beiden Frauen sind voll auf einer Wellenlänge. Neulich sei die Andrea ganz weit weg gewesen, auf Tournee in Taiwan. Anerkennendes Raunen im Saal. „Und weil mein Koffer verloren ging, hatte ich die Chance, mich mal komplett neu einzukleiden“, fuhr Schumacher fort. „Ich war ganz erstaunt, was man da für entzückende Sachen bekommt.“

Auch das Outfit beim Auftritt in Schongau stammte von dort. Ein Austausch unter Freundinnen, der das Publikum einbezog. Dann wechselten sich Text und Musik im bunten Reigen ab. Erstaunlicherweise passte Alte Musik von Bach oder Telemann da genauso gut dazu wie ein verjazztes Weihnachtslied oder ein schmalziger Operettenhit („Lippen schweigen, ’s flüstern Geigen, hab dich lieb“), bei dem Sägebrecht alle zum Mitsingen aufforderte.

Marianne Sägebrecht mit buntem Programm im Schongauer Brauhaus

Ähnlich groß war die Bandbreite der Texte. Oft Gehörtes, ein wenig Sentimentales wie das von den Spuren im Sand („Da, wo du nur eine Spur siehst, habe ich dich getragen“), Lustiges wie die kleine Erika, die alle Weihnachtsgeschenke der Familie gegeneinander aufrechnet („2,50 Euro muss ich noch bekommen!“) bis zu Frivolem wie der Geschichte über die Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk für die Geliebte („Ein Pornofilm! Und mich dazu. Diesmal ganz nackert. Frohe Weihnachten, Anita“).

Aber auch Politisch-Motiviertes wie eine moderne Herbergssuche des biblischen Paares im heutigen München hatte Sägebrecht dabei – oder die Nummer mit dem „Ausländer raus!“-Plakat, das kurz vor Weihnachten neben dem türkischen Laden auftaucht. Daraufhin verlässt alles Ausländische, von Zitronen und Orangen über Zimt, Kakao und Kaffee bis zur asiatischen Unterhaltungselektronik fluchtartig das Land.

Marianne Sägebrecht im Schongauer Brauhaus: Für diese Geschichte erntet sie die meisten Lacher

Die meisten Lacher erntete aber die Geschichte von der Näherin, die am Flussufer des Lechs – über dessen Aussprache die Schauspielerin zur Gaudi des Publikums mehrmals scheiterte – einen Fingerhut verliert – und letztendlich vom lieben Gott mit George Clooney belohnt wird. Aber das muss man sich schon von Marianne Sägebrecht erzählen lassen. Hier nur soviel: „Wenn eine Frau lügt, dann aus guten Gründen – und im Interesse aller!“

VON SABINE NÄHER

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