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Die Stadt könnte viel mehr für den Tourismus tun, wie etwa die Organisation von Festen. Die Hexennacht organisiert jedes Jahr die Werbegemeinschaft.

Vor allem die privaten Vermieter sind in Schongau gefordert

Mehr Personal und mehr Betten für Tourismus

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„So schlecht, wie es mitunter dargestellt wird, steht es nicht um den Tourismus in Schongau.“ Mit diesen Worten leitete Bürgermeister Falk, Sluyterman den Vortrag von Ursula Diesch im Stadtrat ein, die nicht nur Zahlen parat hatte. Deutlich wurde, dass man den Bereich Tourismus bei der Stadt personell verstärken müsste.

Schongau – Harsche Kritik hatte es im Frühjahr in Richtung der Tourismus-Stelle bei der Stadt Schongau gehagelt. Stadtrat Stephan Hild (UWV) hatte im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Bauausschusses kein Blatt vor den Mund genommen und angemahnt, dass das Feld Tourismus dringend beackert werden müsse. Öffentlich gerügt hatte er, dass es dafür bei der Stadt Schongau zwar eine Vollzeitstelle gebe, deren erbrachte Leistung aber nicht mal Teilzeit wert sei (wir berichteten).

Diesch antwortet nun auf Vorwurf aus der Frühjahrssitzung

Thematisch hatte sich damals die Sitzung um das geplante Boardinghouse in Schongau-West gedreht, gegen dessen Planung, die Schongauer Hoteliers Sturm gelaufen waren. Auch darauf nahm nun Ursula Diesch, bei der Stadt für Tourismus, Städtepartnerschaft und die Volkshochschule zuständig, Bezug. 2,4 Vollzeitstellen teilen sich diesen Bereich auf. Seit Diesch im Jahr 2011 als Nachfolge von Georg Epple und Erika Schwarzbauer zusätzlich die VHS-Leitung übernommen hatte, habe sie immer weniger Zeit für den Tourismus aufwenden können, erläuterte sie. Der Bereich Erwachsenenbildung sei umfangreich. Diesch schätzt, dass sie etwa 80 Prozent ihrer Arbeitszeit für die VHS-Organisation aufwendet und nur 20 Prozent für die Tourist Information Schongau. 2500 Teilnehmer, 80 Kursleiter, zwei Programme pro Jahr zählte sie den Stadträten als Umfang auf. „Ich hoffe auf Ihr Verständnis, dass ich nicht mehr Zeit aufbringen kann, auch wenn mir der Tourismus sehr am Herzen liegt“, so Diesch.

Schongau bräuchte nicht nur mehr Personal, sondern es fehlen auch Betten. Die Liste der Übernachtungsmöglichkeiten ist übersichtlich: Vier Hotels, ein Gasthof mit Ferienwohnungen, eine Privatvermieterin und sieben private Ferienwohnungen. „Wir brauchen dringend private Quartiere“, betonte Diesch. Die geplante 40-Betten-Pension an der Bernbeurener Straße kommt da wie gerufen: „Es ersetzt nur die Betten, die weggefallen sind.“

Ein Minus von 32,1 Prozent bei den privaten Vermietern 

26 671 Übernachtungen wurden im Jahr 2018 in Schongau registriert, ein Plus von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gewerblichen Bereich wurde ein Zuwachs von 13,9 Prozent verzeichnet, bei den privaten Vermietern hingegen sieht es mau aus: 1625 Übernachtungen bedeuten ein Minus von 32,1 Prozent. 2074 Übernachtungen wurden 2018 am Wohnmobilstellplatz gezählt. Geschätzt sind es 6000, wenn man jene hinzurechnet, die während der Veranstaltungen am Festplatz anderswo parken.

Das Feld Tourismus in Schongau liege keinesfalls brach, wie Diesch deutlich machte. „Wir bauen auf die strategische Ausrichtung Erlebbarkeit von Kultur und Natur.“ Erlebnisführungen werden ebenso angeboten wie Touren für Wanderer und Radler. „Das Stichwort Ökologie ist uns wichtig, sanfter, naturverträglicher Tourismus.“ 2018 haben 3388 Gäste an 189 Führungen bei neun Stadtführern teilgenommen. Für 2019 rechnet man mit rund 4000 Gästen. Schon jetzt bereitet das Team das Jahr 2020 vor, in dem man sich durch die Passion Oberammergau weitere Gäste erwartet.

Lechfloß ist das Lieblingsprojekt

Als „Lieblingsprojekt“ bezeichnete Diesch das Lechfloß. Das Konzept, die Natur aus einem besonderen Blickwinkel zu erleben, der dem einzelnen sonst nicht möglich ist, geht offensichtlich auf. Zwar konnten die 2609 Teilnehmer von 2018 heuer nicht erreicht werden, aber es mussten auch 11 Fahrten wetterbedingt ausfallen. Das Lechfloß bedeutet auch personelle Anstrengungen: So wurde etwa für drei Monate eine spezielle Hotline eingerichtet. Nicht zuletzt sei man im Rathaus auch erster Ansprechpartner für Schongauer Bürger: „Wir haben oft 150 Kontakte pro Tag neben dem Tourismus“, so Diesch.

Einen Ausblick auf Besserung konnte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich geben. Im Januar beschließt der Stadtrat das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK). Vier Ziele wurden darin für den Bereich Naherholung und Urlaub formuliert. Unter anderem könnte eine Stelle für einen Kulturbeauftragten geschaffen werden.


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