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Ein Taucher suchte im vergangenen Jahr nach einer Handgranate, die im Baustellenbereich gesichtet worden war.

Noch mehr Waffen im Mühlkanal?

Trotz gesprengter Tellermine: Verantwortliche in Schongau sehen kaum Gefahr

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Mögliche weitere Kampfmittel im Schongauer Mühlkanal sorgen nach wie vor für Behinderungen bei den Brückenbauarbeiten. Im Juli wird im Auftrag des Staatlichen Bauamts im Baustellenbereich wieder nach Weltkriegsmunition gesucht. Der übrige Kanal bleibt fürs Erste unerforscht, die verantwortliche Firma UPM will noch abwarten.

Schongau– Das Staatliche Bauamt in Weilheim war nicht gerade erpicht darauf, den Mühlkanal nach Kampfmitteln zu durchforsten: „Wir tun das aus dem Umstand heraus, dass wir dort bauen“, erklärt Projektleiter Christoph Prause. Wie berichtet, hatte die Behörde buchstäblich 60 000 Euro im Kanal versenkt, als sie vor Baubeginn eine Spezialfirma nach Weltkriegsüberresten hatte suchen lassen. Denn später entdeckten Taucher der Baufirma eine Tellermine und Handgranaten, die zum Teil gesprengt werden musste. Es ist nicht auszuschließen, dass die Weltkriegsrelikte zwischendurch mit der Strömung ins Baufeld gerutscht waren. Die Spezialfirma kann jedenfalls nicht in Regress genommen werden.

Die Bereiche abseits der Baustelle sind bislang noch nicht nach Kampfmitteln abgesucht worden. Und Projektleiter Prause stellt die Frage, ob es nicht grundsätzlich im öffentlichen Interesse läge, dass sich jemand des Themas annimmt?

Reste des letzten Gefechts: Eine Pistole und jede Menge Munition entdeckten die Taucher im Schlamm. Der größte Fund war eine Tellermine.

Das Landratsamt hat auf die Frage eine klare Antwort: Die Stadt habe als örtliche Sicherheitsbehörde zu prüfen, „ob eine Gefahr vorliegt, die beseitigt werden muss oder ein Gefahrenverdacht vorliegt, der einen Gefahrerforschungseingriff erfordert“, erläutert Kreissprecher Hans Rehbehn die Rechtslage.

Stadt will nichts unternehmen

Die Stadt wird allerdings nichts unternehmen, macht Geschäftsleiterin Bettina Schade klar. Der Grund: Man wisse gar nicht, ob noch Kampfmittel im Kanal seien. Die Juristen sprechen laut Schade daher im Mühlkanal von einer „abstrakten“ Gefahr und keiner „konkreten“, bei der die Stadt tätig werden müsste. Zum Vergleich führt die Geschäftsleiterin der Stadt den Bombenfund am Weilheimer Bahnhof im vergangenen Jahr ins Feld. Dort musste im Juni vergangenen Jahres bekanntlich eine Fliegerbombe entschärft werden. Danach habe man auch nicht im Umkreis alles umgegraben, argumentiert Schade.

Baustellenbereich wird von Kampfmitteln befreit

In Schongau waren es knapp einen Monat später eine Tellermine und eine Handgranate, die im Kanal gesprengt wurden. Demnächst wird jetzt wieder nach Kampfmitteln in dem Gewässer gesucht, das dazu im Baustellenbereich ausgebaggert wird. Anschließend lässt das Bauamt mit Steinen gefüllte Drahtgitterkörbe ins Wasser, damit nichts ins Baufeld nachrutschen kann.

Wann und ob der übrige Kanal erforscht wird, ist offen

Wann und ob der übrige Kanalbereich erforscht wird, ist offen. „Wir haben uns mit dem Thema beschäftigt und mit einem Kampfmittelräumer Kontakt“, erläutert Wolfgang Ohnesorg, Werkleiter der Firma UPM, die Eigentümerin des Kanals ist. Das Ergebnis: Weil im Wasser Stahlträger eingebracht worden sind, wären die Ergebnisse einer Sondierung unzuverlässig, weiß Ohnesorg, dem geraten wurde, zu warten, „bis das Ganze abgeschlossen ist“, so der Werksleiter mit Blick auf die Baustelle. Man habe sich das Thema deshalb „auf Wiedervorlage“ gelegt. Eine „finale Entscheidung“, ob nach Kampfmitteln gesucht werden soll, sei noch nicht getroffen worden. Man schätze das Risiko „als relativ gering ein“, so Ohnesorg.

Waffen- und Munitionsreste stammen vermutlich vom „letzten Gefecht“

Wie berichtet, stammen die Waffen- und Munitionsreste vermutlich aus dem letzten Gefecht, das sich amerikanische und deutsche Soldaten am 27. April 1945 in Schongau lieferten. Die Deutschen zogen sich nach erbittertem Widerstand nach Peiting zurück und entledigten sich auf dem Weg ihrer Waffen im Mühlkanal. Was sie zurückließen, dürften später die Amerikaner hinterhergeworfen haben. Knapp 75 Jahre später kommen jetzt die Weltkriegsüberreste scheibchenweise wieder zum Vorschein.

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Die Freude über die erfolgreichen Sprengungen im Mühlkanal währte nur kurz. Schon wieder wurden zwei Granaten gefunden, der Seitenarm des Lechs in Schongau ist offenbar mit Weltkriegsüberresten übersät.

Das Video der Schongauer Feuerwehr von der Sprengung der Tellermine:

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