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Mit dieser Formation startete „Wireless“ durch: (v.l.) Bernd Plischke, Walter Plischke und Peter Enzensperger, im Hintergrund am Schlagzeug „Hase“ alias Werner Falgner.
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Neu formiert und erweitert: Die „Forgotten Five“ mit (v.l.) Karl Schlaf, Günther Tausch, Bernd Plischke, Gerhard Müller und Walter Plischke.
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So etwas hebt man auf: Eine Haarlocke von Fan Ingrid. Die Geschichte des durchtrennten Rings bleibt ein Geheimnis.
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Walter und Bernd Plischke: So sehen die beiden „Wireless“- Gründer 50 Jahre nach Gründung der Band aus.

Band-Serie

Die Musikanlage spendierte der Pfarrer

Tanzveranstaltungen waren schon immer der Renner. Die größten Chancen, immer mittendrin zu sein, hatte man natürlich, wenn man selbst zu einer Band gehörte. Solche Bands formierten sich vor allem in den 60er Jahren auch im Schongauer Land. Eine war „Forgotten Five“.

Schongau – Erwähnt man heute bei den Junggebliebenen aus den 60er Jahren den Namen „Forgotten Five“, gibt es glänzende Augen. Da kommen die Mädels immer noch ins Schwärmen wegen zweier Brüder. Bernd und Walter ließen Herzen höher schlagen. Etwas später kommt „Hase“ dazu, bringt Peter mit.

Es begann bei einer Skiwoche des Schongauer Gymnasiums Ende 1966. Mit dabei Bernd Plischke, 17 Jahre alt. In der Unterkunftshütte liegt ein Instrument herum. Bernd greift sich nach dem Abendessen das Ding und beginnt, mit den vier Saiten zu experimentieren. Mehr schlecht als Recht, aber laut und durchdringend. Aus zweiter Hand erfährt der junge Musicus, dass es sich um ein Banjo handelt. So ein Ding will er unbedingt haben.

Zurück in der Heimat, macht er den Vorsatz wahr. Bruder Walter urteilt wenig wohlwollend über die Klänge. „Holzhacken klingt schmeichelhafter“, so der Originalton Walter beim Zuhören. Bernd verkauft das Ding und erwirbt eine Gitarre. 100 DM muss er dafür berappen, ein stolzer Betrag aus dem Budget eines jungen Gymnasiasten. Die ersten Griffe werden geübt. E – A – G, immer wieder, bis die Fingerkuppen brennen. Aber es klappt, hört sich vor allem melodisch an.

Duo ohne Verstärker

Bruder Walter ist so begeistert, dass er auch 100 Mark opfert und sich so eine Gitarre kauft. Die Brüder im Gitarren-Doppelpack, das fetzt. Aber leider noch ohne Verstärker. Das ist auch der einfache Grund für die Namensgebung. Alles ohne Strom, Kabel und Verstärker – „Wireless“ ist geboren. Das Duo hat jetzt einen Namen.

Schließlich stoßen zwei weitere Jungs dazu. „Hase“, mit bürgerlichem Namen Werner Falgner, wird in nächster Zeit die Drums (Schlagzeug) bearbeiten, Peter Enzensperger ebenfalls Gitarrensaiten zupfen. Jetzt sind sie eine richtige Band. Soundmäßig wird experimentiert. Man schließt die Gitarren an ein in höherer Preisstufe liegendes Radiogerät an, zwingt das gute Ding immer wieder in die Knie.

Die zündende Idee kommt von Walter, in der Lehre befindlicher Fernmeldetechniker. Er entfernt aus Telefonhörern die Hörkapseln, verlötet sie nach ureigenen Vorstellungen und schließt das technische Wunderwerk ebenfalls ans Radio an. Qualitätsmäßig gewöhnungsbedürftig, aber unwahrscheinlich effektiv.

Der erste Auftritt im eigenen Partykeller unterhalb der städtischen Sporthalle lockt weibliche Fans an. Einige Monate später die Umformung und Verstärkung von „Wireless“. Günther Tausch übernimmt das Schlagzeug, Gerhard Müller die Sologitarre. Dazu gesellt sich noch Karl Schlaf, ein musikalischer Hauptgewinn. Karl spielt Bass und tobt sich auf dem Saxophon aus. Bernd Plischke spielt weiterhin die Rhythmusgitarre und zieht unverwechselbar die schmachtenden Blicke der Mädels durch seinen Gesang auf sich. Nur Walter Plischke wird zu einer Zwangspause verdonnert. Er muss sich auf die Abschlussprüfung als Fernmeldehandwerker bei der Deutschen Post vorbereiten. Und weil in der Musikerszene diese Jungs noch überhaupt keiner in dieser Zusammensetzung kennt, satteln sie namensmäßig auf „Forgotten Five“ um.

Sie landen aber keinesfalls vergessen in der Versenkung. Im Gegenteil. Schon im Januar 1968 ist der erste große öffentliche Auftritt in der Turnhalle in Peiting. Zusammen mit den „Crazies“ darf auf der Bühne gespielt werden. Zehn Stücke mussten einstudiert und geprobt werden, das war die Voraussetzung. Unter den Fans hatte sich Walter Plischke eingereiht, wegen der Prüfungen im musikalischen Exil. Während die Mädels lautstark dem Quartett zujubelten, war er gnadenlos kritisch. „Der Gesang war scheußlich“, erinnert sich Walter. Fügt abmildernd jedoch schnell hinzu, dass das Saxophonspiel von Karl allererste Sahne war.

Weiteres Lehrgeld musste die Formation beim darauffolgenden Beat-Festival bezahlen. Durch den einstimmigen Gesang von Bernd bedingt, belegten die „Forgotten Five“ einen der hinteren Plätze. Die weiblichen Fans hielten trotzdem zu ihren Jungs.

Das mit dem Gesang ändert sich schlagartig. Zu Hilfe kommen die bekannten „Bee Gees“ mit ihrem Welt-Hit „Words“. Diesen Gesang üben die „Forgotten Five“ bis zum Exitus. Das Ergebnis: „Words“ wird die Starnummer der Gruppe. Diese hatte dann im Pfarrsaal Verklärung Christi in Schongau-West einen weiteren Auftritt. Bei dem „Spezi-Ball“ (ohne Alkohol), bei dem sonst nur Schallplatten aufgelegt wurden, standen die Jungs voll im Mittelpunkt. Die Gage: Freie Getränke für den Abend, Spezi bis zum Abrülpsen.

Wenig später kommt der Hammer

Der katholische Pfarrer Cyprian Greuter finanziert den „Forgotten Five“ eine richtige große Anlage, um bei Veranstaltungen mit einem gewaltigen Sound aufzuspielen. Glatte 1500 Mark machte der Pfarrer locker. Wie? Bis heute noch ein gut gehütetes Geheimnis. Egal, der Betrag wurde im Laufe der nächsten Monate auf Heller und Pfennig zurückbezahlt. Wenn man bedenkt, dass es für einen Auftritt um die 100 DM für die Band Gage gab, eine mühsame Sache.

Doch die Jungs sind von den Auftritten so begeistert, dass sie ihren Auftrittsradius erweitern. Publik gemacht werden die Veranstaltungen durch Plakate, die Walter selbst herstellt. Jedes ein Unikat, mit Schablone und Spritzpistole gestaltet. „Manchmal sind die Dinger schon vor der Veranstaltung wieder weg gewesen, so wurden die von den Fans gesammelt und in ihren Zimmern aufgehängt“, erzählt Walter. Was ist schon ein Bravo-Starschnitt gegen ein handgefertigtes „Forgotten Five“-Plakat.

Ein weiteres Zugeständnis durch Pfarrer Cyprian Greuter. Wenn die „Forgotten Five“ im Pfarrheim auftreten, dürfen sie das Harmonium des Pfarrsaals mitbenutzen. Jetzt werden speziell Bee Gees-Nummern einstudiert. Schmusesongs auf dem Pfarrsaalharmonium. „To love somebody“, „Massachusetts“, oder doch lieber „I´ve gotta get a message to you“? Wer sich heute daran erinnert, bekommt immer noch weiche Knie und Gänsehaut.

Dann ein Schock für die Band Ende 1968. Gerhard Müller steigt nach dem „Tanz für die Sportjugend“ aus. Sologitarre ade. Schade, mit seiner Glanznummer „I‘m free“ von „The Who“ ist er ein musikalisches Zugpferd. Wenige Wochen später stoßen drei Neue in die Formation. Klaus Riedle mit seiner Trompete, Karl Horber spielt Sax und Rudi Tomascheck Posaune. Ideale Besetzung, da Soul auf dem Vormarsch ist. „In the Midnight Hour“ oder „Mustang Sally“, die Klassiker von Wilson Pickett, werden gespielt. „Es war ein absolut irrer Sound“, erinnert sich Walter. Soul, schwarze musikalische Magie. Doch nur für zwei Monate. Leider. Ende Februar das endgültiges Aus für „Forgotten Five“. „Letzter Auftritt im Pfarrheim ohne Gage“ ist noch in alten Aufzeichnungen zu lesen.

Hans-Helmut Herold

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