+
Sie hauen auch mal auf die Pauke, wenn es um den Erhalt der Kulturlandschaft in Schongau und Umgebung geht (v.il): Musikschul-Vorstand Erwin Krauthauf, Stellvertreterin Elisabeth Malzer, Schriftführerin Kornelia Funke und Musikschulleiter Marcus Graf.

Jahressitzung

Musikschule Pfaffenwinkel: „Wir brauchen die Stadt und die Gemeinden“

Sie ist ein verlässlicher Garant für musikalische Qualität in Schongau und darüber hinaus: die Musikschule Pfaffenwinkel. Damit das auch in Zukunft so bleibt, welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen und warum sie nicht in den Schoß der Stadt Schongau zurück möchten, das erklärten die Vorstände nach ihrer Jahressitzung.

Schongau – Über 700 Schüler können nicht irren: So viele Mädchen und Buben genießen derzeit eine musikalische Ausbildung in der Musikschule Pfaffenwinkel in Schongau. Ob im Einzelunterricht, in Ensembles oder in der Früherziehung – das Angebot der Schongauer Institution lässt wenig Wünsche offen.

Mittlerweile bietet die Musikschule auch in vielen umliegenden Gemeinden ihre Dienste an, in Kindergärten und Schulen.

Damit auch wirklich jeder die Möglichkeit bekommen kann, sich musikalisch zu bilden, braucht es natürlich viele gut qualifizierte Lehrkräfte. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: „Die Gehälter unserer Lehrer sind seit dem Jahr 2004 nicht erhöht worden“, bedauert Musikschulleiter Marcus Graf.

Gehälter sind seit 2004 nicht erhöht worden

Warum? „Da muss ich ein wenig ausholen“, erklärt Vorstand Erwin Krauthauf. Seit dem besagten Jahr ist die Musikschule nicht mehr in städtischer Hand, sondern ein Verein. Das heißt in erster Linie, dass die Verantwortlichen selbst schauen müssen, woher sie ihr Geld bekommen. 70 Prozent der anfallenden Gesamtkosten werden aus den Beiträgen, die die Schüler beziehungsweise deren Eltern zahlen, gedeckt.

Dazu kommt ein jährlicher Zuschuss der Stadt Schongau, die auch das Haus am Marienplatz zur Verfügung stellt, sowie des Verbands Bayerischer Sing- und Musikschulen. „Der Rest muss irgendwie aus Spenden zusammengetragen werden. Dazu zählen die Mitgliedsbeiträge der Freunde der Musikschule, die Einnahmen aus Konzerten und Spenden örtlicher Geschäfte und Gönner“, zählt Krauthauf auf.

Doch Spenden sind keine regelmäßige Posten, auf deren Grundlage man die Gehälter der Lehrkräfte finanzieren könne, zumal man auch für ausreichend Instrumente und deren Instandhaltung sorgen müsse.

Die Stadt müsste den jährlichen Zuschuss merklich erhöhen 

Und hier sind jetzt die Nutznießer der Musikschule gefragt: Wenn die Stadt Schongau die Qualität der Musikschule aufrechterhalten will und damit einen ihrer größten kulturellen Standortfaktoren, müsste sie den jährlichen Zuschuss merklich erhöhen. „Denn sonst wandern uns die wirklich guten Lehrer ab oder kommen erst gar nicht zu uns“, mahnt Graf. Dies wäre auch für die umliegenden Gemeinden ein Desaster, denn sie profitieren ebenfalls von der guten Ausbildung durch die Musikschullehrer und dem breiten Angebot.

In vielen Orten wird mit der Früherziehung, den Bläser- sowie neuerdings einer Percussion-Klasse und dem Instrumentalunterricht der Grundstein dafür gelegt, dass die örtlichen Musikkapellen gut ausgebildeten Nachwuchs bekommen. Zudem diene das musikalische Angebot auch dem Erhalt kleinerer Schulen.

„Kultur geht nur gemeinsam“

„Vor diesem Hintergrund möchte ich die Gemeinden um ihre Unterstützung bitten“, führt Erwin Krauthauf aus, der seit nunmehr 16 Jahren nimmermüde an die Verantwortlichen herantritt, sie um jährliche Zuwendungen bittet, und auch darum, sich in der Vorstandschaft zu beteiligen. Doch bisher sei der Erfolg überschaubar. „Wir werden weiterhin versuchen, das Eis zu brechen und die Gemeinden von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass Kultur nur gemeinsam geht.“

Es ist ein beinahe täglicher Kampf, den die neugewählte Vorstandschaft um Erwin Krauthauf, Elisabeth Malzer, Kornelia Funke und den Beirat Marcus Graf und Karl Höldrich ausficht. Dennoch wollen sie die Musikschule nicht mehr in die städtische Verantwortung geben: „Das derzeitige Konstrukt ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten“, ist sich Krauthauf sicher. Denn einerseits sei die Musikschule mittlerweile zu groß für Schongau allein, zudem könne mit der gewonnenen Freiheit besser und effektiver auf Veränderungen reagiert werden.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Da sind jetzt die Stadt- und Gemeinderäte gefragt.

Christine Wölfle


Und das könnte Sie auch interessieren:

Markus Graf erhielt erst kürzlich den Goldenen Ehrenring der Stadt Schongau

Die Bürgermeister bei der Podiumsdiskussion der Schongauer Nachrichten

Weitere Berichte aus der Region Schongau finden Sie hier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach langem Tüfteln: Realschüler entwickelt einen Rehkitz-Retter am Mähdrescher
Erik Meier kennt Mähdrescher. Er hilft selbst auf dem Feld beim Ernten. Eine Situation beim Mähen lässt ihn Grübeln - und zum Erfinder werden.
Nach langem Tüfteln: Realschüler entwickelt einen Rehkitz-Retter am Mähdrescher
Von Katzenfutter angelockt: Räudiger Fuchs schleicht durch Sachsenried - „Sah wie Hyäne aus“
Ein räudiger Fuchs hat jüngst in Sachsenried für Aufsehen gesorgt. Das kranke Tier schlich durch den Garten von Gemeinderat Rudi Kögel, der es fotografierte.
Von Katzenfutter angelockt: Räudiger Fuchs schleicht durch Sachsenried - „Sah wie Hyäne aus“
61-jähriger Schongauer bunkert 2,3 Kilo Marihuana
Den Beamten der Polizeiinspektion Schongau ist ein empfindlicher Schlag gegen die lokale Rauschgiftszene gelungen. Ein 61-jähriger Schongauer hatte zu Hause 2,3 …
61-jähriger Schongauer bunkert 2,3 Kilo Marihuana
Auch die Mannsbilder feiern ausgelassen mit
Weniger der klassische Weiberfasching als ein ausgelassener lumpiger Donnerstag wurde an zwei Orten in der Marktgemeinde zelebriert. Hunderte Maschkera waren wieder …
Auch die Mannsbilder feiern ausgelassen mit

Kommentare