Wie geht es nach den sieben Wochen weiter? In drei Arbeitsgruppen wurden Ideen gesammelt . Foto: uf

Fazit der Teilnehmer

Plastik-fasten-Aktion: „So weitermachen wie bisher geht nicht“

Den Inhalt des gelben Sacks auf die Hälfte zu reduzieren, fällt relativ leicht. So das Fazit der Aktion „7 Wochen ohne Plastik“ der evangelischen Kirchengemeinde und der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Peiting-Schongau. Was blieb, war die Frage: Darf ich Ostern wieder Schokolade essen?

Schongau– „Einfach so weitermachen, wie vorher, geht nicht mehr!“, stellte Pfarrer Jost Herrmann fest und traf damit auch die Stimmung bei den rund 25 Besuchern der Abschlussveranstaltung.

Sieben Wochen lang hatten rund 45 regelmäßige Besucher und insgesamt etwa 120 Interessierte mit mehr oder weniger Erfolg versucht, Plastik so gut es geht zu vermeiden. Und festgestellt, dass mit dem Material, das inzwischen als Mikroplastik Böden und Gewässer bis hin zu den Weltmeeren belastet, ziemlich sorglos umgegangen wird. Wegwerfbecher, mehrfache Plastikumhüllungen, Obst und Gemüse in Plastik verpackt – die Liste war lang.

Geblieben sind Erkenntnisse wie die Tatsache, dass der größte Verursacher von Mikroplastik der Abrieb von Autoreifen ist oder dass die Böden mehr belastet sind als der Ozean, von dem schaurige Bilder durch die Medien geistern.

„Über die Pflanze gelangen Mikroplaste in die Nahrungsmittel und können beim Menschen Entzündungen oder unklare Schmerzen verursachen“, so Dr. Volker Zahn. Geblieben sind aber auch neue Erfahrungen mit Holzzahnbürsten, Zahnputztabletten oder Haartönungen aus der Tüte.

Positive Erfahrungen hat man auch mit dem Handel vor Ort gemacht. Hier wurde nach Möglichkeit das Ansinnen der Teilnehmer unterstützt, ohne Plastik einkaufen zu wollen. Eine Teilnehmerin hat genau Buch geführt, was ihre Familie in sechs Wochen trotz Fastens an Plastik weggeworfen hat und kam auf 320 Stück. Ein anderer wunderte sich, dass Spezi vom gleichen Anbieter in der Plastikflasche ein Gramm Zucker mehr enthielt als das in der Glasfasche.

Eine andere Teilnehmerin hatte einen harten Einstieg mit einer Woche in Taizé, wo es Essen quasi nur aus Plastikbehältern gab. Frust verursachte bei manchen auch die Tatsache, dass Spontankäufe ohne die Dose im Gepäck kaum möglich waren.

Als Schlaraffenland für Plastik-Faster kristallisierte sich der Wochenmarkt heraus, wo man wirklich noch alles plastikfrei einkaufen kann.

Einig waren sich die Anwesenden, dass man in jedem Fall sensibler an das Thema herangeht. „Ich fange an, mich vor Plastik zu ekeln“, bekannte eine Teilnehmerin. Ein anderer ringt jedes Mal mit sich, ob er etwas dazu sagen soll, wenn er die vielen Plastikverpackungen, die manche Zeitgenossen auf das Kassenband im Supermarkt legen,sieht.

Dass oft Geld eine Rolle spielt, zu welchem Produkt man greift, das gab auch Jost Herrmann zu. Und ob sich die Erkenntnisse aus der Gruppe flächendeckend umsetzen lassen, bezweifelte er ebenfalls.

Die Teilnehmer wollen aber auf jeden Fall an dem Thema dranbleiben. Dazu wurde an eine neue Homepage gedacht, auf der man die Erfahrungen zum plastikfreien Einkauf austauschen kann.

Zudem wurden in drei Arbeitsgruppen Ideen gesammelt, wie man Menschen und zu allererst die Politik für das Thema sensibilisieren könnte. Denn ohne höhere Besteuerung von Kunststoffverpackungen und Verbot von Mikroplasten in Kosmetik- und Reinigungsartikeln wird sich wohl nicht wirklich etwas ändern.

VON URSULA FRÖHLICH

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