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Im Dauereinsatz waren auch heute wieder die Taucher einer Kampfmittelbeseitigungsfirma. Sie suchten im trüben Wasser nach der Handgranate, die am Dienstag an der Mühlkanalbrücke entdeckt worden war.

Absurde Szenen am Schongauer Mühlkanal

Nach Sprengung: Spezialfirma sucht Handgranate, die andere Firma längst hätte entsorgen sollen

  • Jörg von Rohland
    VonJörg von Rohland
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Auch am Tag nach der Sprengung einer Tellermine im Schongauer Mühlkanal ruhen die Arbeiten auf der Brücken-Baustelle. Taucher suchen nach einer Handgranate, die da eigentlich längst nicht mehr liegen sollte.

Schongau Die Kampfmittel im Mühlkanal waren am Dienstag von Tauchern entdeckt worden, die eine Kernbohrung am Bestandspfeiler der Brücke vorbereiten sollten, berichtete heute das Staatliche Bauamt in Weilheim auf Anfrage. Der Pfeiler wird zur Hälfte entfernt und erneuert.

Wie berichtet, fischten am Mittwoch dann Spezialtaucher einer Kampfmittel-Beseitigungsfirma jede Menge Weltkriegsüberreste aus dem Kanal: unter anderem eine Pistole, Patronenhülsen und Munition. Zu den gefährlicheren Entdeckungen zählten eine Tellermine und eine Handgranate. Beide sollten gesprengt werden. 

Die Tellermine wurde laut Bauamtsmitarbeiter Christoph Prause von den Spezialtauchern vorsichtig in Richtung Lech gezogen, bevor sie in die Luft gejagt wurde. So war gewährleistet, dass sie an der Brücke keinen Schaden anrichten konnte. Die Brücken über den Kanal wurden dennoch gesperrt, die nähere Umgebung evakuiert.

Die Handgranate liegt derweil noch immer irgendwo im Kanal. Trotz aller Bemühungen gelang es den Kampfmittel-Tauchern auch heute zunächst nicht, sie aufzuspüren. Dass die Granate abgetrieben ist, kann sich Schongaus Feuerwehrkommandant Werner Berchtold schwer vorstellen. Das staatliche Bauamt wollte es nicht ausschließen. Nach Angaben der Verantwortlichen sollte gestern das gesamte Baufeld von den Tauchern abgesucht werden. Wenn es kampfmittelfrei ist, werden die Arbeiten an der Brücke am heutigen Freitag fortgesetzt; unabhängig davon, ob die Handgranate gefunden wird oder nicht.

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Überhaupt nicht gut zu sprechen war die Bau-Behörde gestern auf eine Spezial-Firma, die vor Beginn der Abriss-Arbeiten der Brücke den Auftrag erhalten hatte, den Bereich im Mühlkanal nach Kampfmitteln abzusuchen. 60.000 Euro hat das Unternehmen nach Angaben von Bauamtsmitarbeiter Christoph Prause dafür erhalten. Man habe die Bestätigung, dass der Bereich kampfmittelfrei sei, berichtet Prause. „Umso erstaunter sind wir, dass das jetzt nicht der Fall war“, fügt er hinzu.

Schwierige Suche nach Handgranate

Schwierige Suche nach Handgranate

Prauses Worten nach war die Untersuchung im Wasser nicht einfach und musste in Teilbereichen mittels „Fühlprüfung“ erfolgen. Dass den Tauchern dabei kleinere Gegenstände durch die Lappen gehen, hätte der Bauamtsmitarbeitern der Firma wohl noch nachgesehen. „Aber so etwas großes wie eine Tellermine, das darf nicht passieren“, meint Prause, der davon ausgeht, dass die Mine schon seit Jahrzehnten im Mühlkanal lag. Inwieweit das Staatliche Bauamt jetzt die Firma in Regress nehmen wird oder juristische Schritte einleitet, ließ Prause offen.

Tellerminen hatten im Zweiten Weltkrieg einen Durchmesser von gut 30 Zentimetern und wogen knapp acht Kilogramm. Sie wurden von der Wehrmacht zur Panzerabwehr eingesetzt. Die Sprengung im Mühlkanal hatte am Mittwoch dann auch eine nicht zu unterschätzende Wucht. Die Feuerwehr filmte den Moment mit einer Kamera von einem Kran aus und stellte die Aufnahmen ins Netz. Der laute Knall und die Erschütterung des Krans geben Aufschluss über die enorme Sprengkraft, die sich unter Wasser ausgebreitet hat.

Die Feuerwehr füllte heute auch die Flaschen der Taucher mit Druckluft. Zwei Männer suchten bis zum späten Nachmittag weiter nach der Handgranate. Das Wasser im Mühlkanal war aufgrund der Gewitterschauer, die am Mittwochabend heruntergegangen waren, allerdings noch trüber als es ohnehin ist. Sollte die Granate noch gefunden werden, wird sie laut Kommandant Werner Berchtold auf jeden Fall gesprengt. Eine Bergung sei zu gefährlich, sagt er. Passieren wird das allerdings frühestens am kommenden Montag.

In Bremen Mahndorf wurde am Freitagmorgen bei Gleisarbeiten eine Sprenggranate gefunden, wie nordbuzz.de* berichtet. Nach erfolgreicher Evakuierung soll die Granate am Nachmittag gesprengt werden.

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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