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Michael Bernert und sein Tabletten-Sortierer

„Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“

Experimente: Wo die Banane auf die Platine trifft

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Es ist das 16. Mal, das sich Schüler in Schongau mit der Firma Hoerbiger als Pate an die großen Themen der Zukunft und die Rätsel unserer Zeit wagen.

Schongau – Es wird gestöpselt, die Solarzelle neu ausgerichtet, Wasser nachgefüllt. „Kann ich mir mal deinen Baustrahler ausleihen?“ Geschäftiges Treiben an den 48 Ständen in der Lechsporthalle. 68 Kinder und Jugendliche haben für den diesjährigen Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ getüftelt was das Zeug hält. Klar, dass man dann beim großen Tag durchaus auch mal nervös sein darf, wenn die Experten von der Jury alles genau unter die Lupe nehmen.

Ein Trend, der sich schnell erkennen lässt: Das Thema Umwelt, Ressourcen und regenerative Energien beschäftigt die jungen Menschen aus dem Oberland und dem Allgäu nachhaltig. Und die können offenkundig so viel mehr als nur „Fridays for future“.

Eine kleine Kühltasche dient bei Philipp und Anton Märkl als Wasserbehälter

Eine kleine Kühltasche von Mama dient am Stand von Philipp und Anton Märkl sowie Luis vom Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen als Wasserbehälter für ein Einfamilienhaus – gebaut aus Lego. Das Wasser wird von der Sonne beheizt, eine solarbetriebene Pumpe pumpt das warme Wasser ins Haus. Dort strahlt die Wärme aus, das Ende des Schlauches führt wieder in den Kühltaschen-Tank. „Das geht immer so weiter, so gehen keine Rohstoffe verloren“, erklärt Philipp (10) das Ergebnis des Experiments. Untermauert wird das Ganze von empirischen Daten aus drei Versuchen.

Ebenfalls mit dem Thema Technik befasst, hat sich Constantin Spitz, der die Vorzüge eines Superkondensators hervorhebt. Den sieht der Schüler des Gymnasiums Starnberg als Zukunft für das E-Auto. „Es ist nur noch nicht bekannt, wie nützlich der ist.“ Die Bremsenergie so zu speichern: Viel nützlicher als der Fahrzeugbetrieb mit einer Batterie. Sein Versuchs-Fazit: „Mit Superkondensator geht weniger Energie verloren und die Autos können besser fahren.“

Einen Säroboter gibt’s am Stand von Alexander Winter und Magnus Zellhuber (beide 13) vom Gymnasium Füssen anzuschauen. Er kann fahren, graben, Samen einbringen, wird über das Smartphone gesteuert und ist vor allem eines: ziemlich schlau. „Er schützt das Grundwasser, hat eine intelligente Gießanlage und zerdrückt keine Regenwürmer.“ Tatsächlich ist das Teil vielleicht 25 Zentimeter lang. Selbst zusammengebaut mit Kamera aus Fischertechnik Robotics.

Können zwei Solarzellen einen Haushalt versorgen: Luis Strobel vom Werdenfels Gymnasium hat’s erforscht und befindet: Ja. Warum und wie das so ist, dazu steckt er an einer Steckplatine viel um, um zu zeigen, wie das alles mit dem Lego-Haus und den angeschweißten Solarzellen funktioniert. Es geht um Widerstand und Schalter. Ein Kondensator lädt auf. Ist Physik sein Lieblingsfach? „Das habe ich in der fünften Klasse noch nicht.“ Respekt.

Einen sprachgesteuerten Getränkeautomaten gibt es bei Marius Höring zu bestaunen

Einen mit Hilfe von Amazons Alexa sprachgesteuerten Getränkeautomat gibt es am Stand von Marius Höring (14) vom Gymnasium Penzberg zu bestaunen. Der Automat bekommt von Alexa eine Ansage, prüft, ob ein Glas in der Öffnung steht, und dosiert dann das Getränk. Gebaut hat der Erfinder das für seinen Opa. „Der hatte einen Schlaganfall und kann nur noch eine Hand benutzen.“

Ebenfalls von einem ganz persönlichen Erlebnis zu seiner Erfindung gekommen ist Michael Bernert (12) von der Pfaffenwinkel Realschule Schongau. Er ist einer von insgesamt vier Teilnehmern aus der Lechstadt, die in diesem Jahr mit am Start sind und mit ihren Erfindungen um einen Einzug in die nächste Runde kämpfen.

Regina Schmid vom Schongauer Welfengymnasium

Für Michael ist es bereits das zweite Mal in Folge bei „Jugend forscht“, seinen „OTS – Opas Tabletten Sortierer“ hat er für 2020 noch mal so richtig „getunt“. „Das hatte ich schon im letzten Jahr geplant, ich hatte noch so viele Ideen.“ Ganz erstaunlich ist tatsächlich das, was da neben den Tablettenröhren mit Ausgabe-System alles zusätzlich entstanden ist. Ein Lager für gestapelte Tablettenboxen hat der Schüler angedockt. Außerdem ein Verschlusssystem, damit auch alles hygienisch abläuft. Ein neuer Füllstandssensor erkennt jetzt außerdem, ob die Tablettenröhre noch voll ist. Ebenfalls neu: Der persönliche Chip des Patienten, mit dem der Automat die Medikation korrekt zuteilen kann.

Gebaut hat Michael die Anlage, weil er im Familienkreis gesehen hat, wie mühsam das Tablettensortieren für einen pflegenden Angehörigen sein kann. Krankenhäuser und Altenheime dürften sich über diese Super-Erfindung jedenfalls richtig freuen.

Ob das mit der Rehkitz-Rettung klappen wird, weiß Erik Meier noch nicht

Ob das mit der Rehkitz-Rettung tatsächlich klappt: Das weiß Erik Meier (11) von der Schongauer Pfaffenwinkel-Realschule noch nicht so recht. Wir haben ihn bereits vorgestellt. Wie das tatsächlich am Modell funktionieren soll: Das zeigt er gestern nicht nur einmal den vielen Besuchern, oft sind es andere Schulklassen.

Am Stand von Paula Schindele (15) und Regina Schmid (17) vom Welfen-Gymnasium Schongau werden Erinnerungen an den alten Commodore C64 und Computerspiele auf Diskette wach. „Lenard“ heißt ein LED-Bildschirm zur Wiedergabe von selbstprogrammierten Spielen, den die beiden Schülerinnen entwickelt haben. LED und zocken: Es geht.

Programmiert hat übrigens Regina. „Ich habe das vor vier Jahren angefangen“, sagt der weibliche Profi mit Abiturfach Informatik bescheiden. Kein Wunder, dass es bei so viel kleinen Wissenschafts-Wundern schwer werden wird für die Jury.

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Den jungen Forscher Erik Meier und seinen Rehkitz-Retter haben wir bereits ausführlich vorgestellt

Auch 2019 waren schon viele heimische Tüftler und Bastler beim Wettbewerb Jugend forscht dabei

An der Pfaffenwinkel-Realschule gibt es eine eigene Forscherklasse

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