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Ein mehr als eingespieltes Trio: Von links Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg machten die „Opern auf Bayrisch“ zu einem wahren Genuss.

Jakob-Pfeiffer-Haus

„Opern auf Bayrisch“ schlichtweg grandios

Geplant war 1985 eigentlich nur eine Faschingsvorstellung, die der Bayerische Rundfunk seinerzeit mitschnitt und ausstrahlte. Der Erfolg war aber so überwältigend, dass „Opern auf Bayrisch“ nach 35 Jahren mit über 300 Vorstellungen längst Kult geworden ist. Zum dritten Mal gastierte das Ensemble jetzt in Schongau.

Schongau – Verfasst hat die Pocket-Opernfassungen der opernaffine Schriftsteller Paul Schallweg (1941-1998), dessen Gespür für Kraft und Saft der bajuwarischen Mundart heute genauso einschlägt wie in der Entstehungszeit der insgesamt 26 Opernfassungen. Im Jakob-Pfeiffer-Haus erschütterten die drei Mundartfassungen von „Der Freischütz“, „Tannhäuser“ und der „Barbier von Sevilla“ die Lachmuskeln bis in die letzte Faser. Die Dialekt-Musketiere Conny Glogger, Michael Lerchenberg und Gerd Anthoff sind dabei der absolute Glücksfall, schlicht die Idealbesetzung.

Sie feilen an der Sprache wie an einem Rohdiamanten

Schnappt Anthoffs Brillenetui zu, geht es in die Vollen. In rasendem Tempo schlüpfen die Akteure wechselseitig in die unzähligen Sängerpartien, tragen die Handlung schmunzelnd, frotzelnd, mit höchst akuten, geschickt dosierten politischen Seitenhieben als Erzähler voran. Sie wissen genau um die feinen Schwingungen des Dialekts, der an den bajuwarischen Provinzgrenzen so rasch seine Nuancen ändert. Sie feilen an der Sprache wie an einem in Bierteig gehüllten, zu polierenden Rohdiamanten.

Und das mit einem Genuss, einer Spielfreude, einem spontanen Humor, der den ganzen Saal zum Beben bringt. Hört man ihnen zu, entsteht unwillkürlich richtig großes Kopfkino. Das dämonisch höllische Spektakel beim Bleikugelgießen in der Wolfsschlucht, die sich lasziv im Daunenbett räkelnde Venus in den mysteriösen Eingeweiden der Kampenwand oder die unschuldig verschmitzt drein blickende Visage des Baders von Ruahplding: All’ das wird dem Hörer als suggestives Bild geschenkt, das jeden Operninhalt zum stets augenzwinkernden Erlebnis werden lässt. Und die zwischen den Zeilen geschmeidig eingeklemmte „Moral von der Gschicht“ kommt lässig, erstaunlich aktuell daher.

Alle Darsteller amüsieren gleichermaßen 

Man kann sich nicht entscheiden, wer einen eigentlich mehr amüsiert. Hebt Lerchenberg verdruckst die Schultern und windet sich leicht schelmisch, kann man sich bereits wegschmeißen vor Lachen. Mimik und Gestus seiner Papst-Persiflage, rein zufällig nach prominentem bayerischen Vorbild, lässt einen nach Luft japsen.

Anthoff und Glogger sind ideale Sparringspartner, stehen Lerchenberg in nichts nach. Es ist diese subtile Portion Selbstironie, mit der Anthoff sein Publikum dahin schmelzen lässt. Seine tiefwarme Stimme breitet sich genüsslich in der Magengrube aus, während er sich als Schöngeist elegant durchs Haar fährt. Glogger als „Venus“ weiß einfach, wo der Bartel den Most holt, schluchzt als sehnsuchtsgebeutelte Elisabeth herzzerreißend.

Großartiges Musikensemble

Kommt dazu noch das unnachahmliche Musikensemble mit Mitgliedern der großen Münchner Orchester unter der Leitung von Andreas Kowalewitz, ist das Hörerglück nicht zu toppen. Man badet in Jägerchor und Wagners Leitmotivik, würzt mit Hummelflug und Kuhglockengeläut, tanzt mittelalterlich auf der Spitze, knallt Papst Urban ein funkelndes „oh when the saints“ um die Ohren oder „möchte Dein Herzklopfn hörn“. Dieser Abend war nicht nur „C’est si bon“, sondern schlichtweg grandios.

DOROTHE GSCHNAIDNER


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