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Auf der Empore der Stadtpfarrkirche Verklärung Christi in Schongau-West durften die Besucher Organist Andreas Wiesmann (Mitte) über die Schulter schauen. 

Tag des offenen Denkmals

Unterschiedliche Baustile und Klänge

Alle Register gezogen hat Organist Andreas Wiesmann bei der ersten Schongauer Orgelwanderung zum Tag des offenen Denkmals in fünf Schongauer Kirchen. Helmut Schmidbauer lieferte den baugeschichtlichen Hintergrund.

Schongau – Rund 50 Besucher hatten sich bei der Volkshochschule zur Orgelwanderung angemeldet und genossen einen geschichtsträchtigen Samstagnachmittag mit viel Musik und einem gemütlichen Ausklang im Gasthof Lindauer. „Sie werden sich wundern, was Schongau an Vielfalt zu bieten hat“, hatte Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer angekündigt und nicht zu viel versprochen. Die fünf angesteuerten Kirchen (Verklärung Christi, Wallfahrtskapelle Heilig- Kreuz, Dreifaltigkeitskirche, Mariae Himmelfahrt und Heiliggeist-Spitalkirche) boten nicht nur die verschiedensten Baustile, sondern auch die unterschiedlichsten Orgelklänge.

Bei der Führung zeigte einerseits der von Schmidbauer als „König der Königin der Instrumente“ titulierte Chorregent Andreas Wiesmann sein Können auf den verschiedenen Instrumenten, andererseits wusste Helmut Schmidbauer allerhand Interessantes und Amüsantes aus der baulichen Geschichte der Kirchen zu berichten.

So ist laut Andreas Wiesmann, der die Instrumente vorstellte, die 1972 erbaute Orgel aus dem Hause Offenbach die Kopie einer Barockorgel, „wie man sie sich in den 70er Jahren vorgestellt hat“. In der Wallfahrtskapelle Heilig-Kreuz dagegen hat man auf eine Orgel verzichtet und dafür auf liebliche Spinett-Klänge gesetzt. Sie birgt laut Schmidbauer ein wundertätiges Kreuz sowie ein Bild als Kundmachung zur Errettung angesehener Bürger während des spanischen Erbfolgekriegs. Damals wurde nicht nur die Stadt verwüstet, sondern auch die Schongauer Prominenz in die Feste Ehrenberg gesteckt, um Lösegeld zu erpressen. 32 000 Gulden hatte die Stadt von überall her zu leihen genommen, um die Bürger zu befreien. Zusätzlich musste sie auch noch 246 Gulden Biergeld fürs Wachpersonal löhnen. Längst nicht so alt ist die Geschichte der evangelischen Dreifaltigkeitskirche, die laut Schmidbauer durch Modernisierung in den 1970er Jahren einiges an Attraktivität eingebüßt hat. „Manchmal ist es nicht gut, wenn eine Kirche zu viel Geld hat“, so Schmidbauer zu dem „verborgenen Juwel“, auf dessen Steinmeier-Orgel Andreas Wiesmann passenderweise das Präludium E-Dur des Protestanten Johann Sebastian Bach zu Gehör brachte.

Ein Juwel, das seine Reize ganz offen zeigt, ist dagegen die Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt. Hier durften die Besucher nicht nur großartige Deckenfresken bewundern, sondern bekamen auch eine besondere Orgel-Spezialität vorgeführt. Nämlich die kleine Chororgel im Altarraum, die unter den Händen von Musikstudent Sebastian Schindler beherzt in einen Dialog mit der von Andreas Wiesmann virtuell bedienten großen Schwester auf der Empore trat.

Den Abschluss fand die unterhaltsame Wanderung in der historischen HeiliggeistSpital-Kirche St. Anna, die Andreas Wiesmann wiederum durch erhebende Klänge auf einem facettenreichen Instrument in einen wunderbaren Klangmantel hüllte.

Ursula Fröhlich 

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