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Am Bahnsteig in St. Alban wartete Elke Robert auf den Zug nach Schongau. 

Mit Bus und Bahn in die Arbeit

Pendler-Selbstversuch einer Redakteurin: „Angenehm - aber ich komme zu spät“

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Nach dem Vorbild „Fridays for Future“ wagte Redakteurin Elke Robert den Pendler-Selbstversuch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Von Dießen aus ging es für sie nach Schongau.

Dießen – Etwas mehr als eine Stunde dauert die Zugfahrt von Dießen bis Schongau. Bayerische Regiobahn via Weilheim, ohne umsteigen. 260 mittelgroße Schritte sind es vom Gartentor bis zum Bahnsteig am Ammerseegymnasium, optimaler geht es eigentlich nicht. 30 Minuten eher, als ich ins Auto steigen müsste, verlasse ich das Haus, kostbare morgendliche Minuten. Das Ticket habe ich schon via App auf dem Handy, wobei die BRB auch einen Fahrkartenautomaten an Bord hat – noch. 20 Euro habe ich per Paypal überwiesen für die Hin- und Rückfahrt, ein stolzer Preis. Dafür fahre ich mit meinem 40 Jahre alten VW T2, der vergleichsweise viel verbraucht, doppelt so weit. Nicht ganz vollständig diese Rechnung, schon klar, aber Steuer, Versicherung und Unterhalt sind „Eh-da-Kosten“. Und Milchmädchen brauchen auch ihre Daseinsberechtigung.

Mit Bus und Bahn zur Arbeit: Im Zug lässt sich wunderbar Zeitung lesen

Die BRB kommt pünktlich um 8.50 Uhr. Die Zeitung lässt sich wunderbar im Zug lesen, ab Weilheim habe ich den Wagen fast für mich allein. Weil ich freie Platzwahl habe, kommt mir der Vierersitz gerade recht. So kann ich auch meine Teetasse abstellen. Und noch rasch meine Unterlagen sortieren. Weil ich zuletzt im Homeoffice gearbeitet habe, schleppe ich meinen Laptop mit. Im wahrsten Sinne des Wortes: 5,5 Kilo wiegt die Tasche samt Gerät und zwei großen Blöcken. Inklusive der obligatorischen Teekanne, ohne die ich nie das Haus verlasse, ein ganz schönes Gewicht. Das gleich den Lechberg hinaufgetragen werden will. Den Bratenrest für mittags habe ich erst gar nicht eingepackt.

Eine planmäßige Ankunft um 9.51 Uhr in Schongau wäre gut, sonst könnte es eng werden bis zur Redaktionskonferenz. Der Zug hält um 9.55 Uhr am Bahnhof, ich stehe schon wartend an der Tür. Eine gefühlte Stunde verliere ich an der Fußgängerampel in der Bahnhofstraße. Obwohl ich in Ideallinie den Bahnberg hinaufhechele, schlägt die Kirchturmuhr beim Einbiegen in die Liedlstraße zehn Mal – ich komme zu spät. Die Kollegen aus Weilheim und Penzberg sind bereits via Skype zugeschaltet. Viel kann ich aber nicht verpasst haben. Und bis die Themenauswahl für die Schongau-Seite an der Reihe ist, habe ich auch wieder genügend Luft zum Sprechen.

Gegen 17.50 Uhr verlasse ich die Redaktion Richtung Bahnhof, Überstunden sind heute definitiv ausgeschlossen, aber es brennt ja weder das Rathaus, noch gab es Munitionsfunde an der Kanalbrücke. In dem Augenblick, in dem ich am Bahnhof eintreffe, fährt der Zug ein. Die zehn Minuten bis zur Abfahrt muss ich also nicht am unansehnlichen Bahnsteig warten, sondern sitze bereits im Warmen. Die Rückfahrt ist unspektakulär, gegen 19.10 Uhr bin ich zuhause.

Pendler-Selbstversuch einer Redakteurin: „Angenehm - aber ich komme zu spät“

Mein Fazit: Der Arbeitsweg mit der BRB war angenehm. Ich könnte das tatsächlich öfter nutzen. Allerdings brauche ich fast doppelt so lang. Und die Bahn müsste erst in einem Langzeitversuch mein Vertrauen zurückgewinnen, zu viele Katastrophen habe ich als Mutter einer Schülerin, die täglich nach Giesing pendelt, erlebt. Wenn allerdings die Benzinpreise wie angekündigt steigen, ohne dass die Pendler gleich stark entlastet werden, würde ich den zeitlichen Mehraufwand in Kauf nehmen. Ob sich dann aber alle Termine in Schongau mit dem Fahrplan des Stadtbusses vereinbaren lassen, steht auf einem anderen Blatt. Länger als bis 22 Uhr dürfte ohnehin kein Termin dauern, weil sonst der letzte Zug weg ist – gebongt!

ELKE ROBERT

Neben Elke Robert wagten noch drei ihrer Kollegen den Selbstversuch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zu ihren Artikeln kommen sie auf der Übersichtsseite: Redakteure wagen Pendler-Selbstversuch mit erstaunlichen Ergebnissen

Kürzlich erreichten die Proteste der Klima-Bewegung „Fridays for Future“ Schongau - der Verkehr stand still. 

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