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An das Bild würden sich viele nur zu gerne gewöhnen: Vom 9. bis 17. April 2017 war die Bayerische Regiobahn zu Überführungsfahrten mit den sogenannten LINT 41-Triebwagen von Alstom auf der Strecke der Fuchstalbahn unterwegs. Die Fahrt von Schongau nach Landsberg dauerte 45 Minuten. „Wir wären gerne eingestiegen“, hieß es damals von der Initiative Fuchstalbahn, die sich mittlerweile aufgelöst hat.

Bahnstrecke Schongau-Landsberg

Personenverkehr soll wieder aufleben, doch die Gemeinden stellen sich quer

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Seit der Klimaschutz immer stärker in den Mittelpunkt der Politik rückt, werden in Schongau die Rufe nach einer Wiederbelebung des Personenverkehrs auf der Fuchstalbahn lauter. Vor allem die Umweltinitiative Pfaffenwinkel rührt kräftig die Werbetrommel. Die Anrainer zwischen Schongau und Landsberg treten aber auf die Bremse.

Schongau – Die Mitglieder des Arbeitskreises Fuchstalbahn in der Umweltinitiative Pfaffenwinkel lassen zur Zeit keine Gelegenheit aus, Werbung für die Fuchstalbahn zu machen. Jüngst waren Harald Baumann, Irmgard Schreiber-Buhl und Hans Schütz zum Beispiel zu Gast beim für den Landkreis zuständigen CSU-Landtagsabgeordneten Harald Kühn, um ihm ihr Positionspapier zu überreichen. Zudem händigten sie dem Abgeordneten eine Liste des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmens (VDV) aus, die Vorschläge für die Reaktivierungen stillgelegter Bahnstrecken in ganz Deutschland enthält. Die Fuchstalbahn ist eine davon.

Im Landtag offene Türen eingerannt

Während sich die CSU zuletzt noch zurückgehalten hatte, rannte der Arbeitskreis bei den anderen Parteien im Landtag mit dem Reaktivierungswunsch offene Türen ein. Nach einer Petition ist das Verkehrsministerium angehalten, die starren Kriterien für die Reaktivierung von Bahnstrecken auf den Prüfstand zu stellen.

Entlang der Strecke der Fuchstalbahn überwiegt die Skepsis

Mitspielen müssten bei einer Reaktivierung des Personenverkehrs zwischen Landsberg und Schongau auch die Städte und Gemeinden entlang der Strecke. Und dort überwiegt die Skepsis. „Ich denke, man sollte es vorab mit einem besseren öffentlichen Busverkehr probieren“, meint zum Beispiel der Denklinger Rathauschef Andreas Braunegger. Zwar habe man bis vor einigen Jahren noch einen zentral gelegenen Bahnhof gehabt, der sei aber verkauft worden.

Auch die Gemeinde Fuchstal brennt nicht gerade vor Begeisterung. So fürchtet Bürgermeister Erwin Karg unter anderem „einen Aufstand der Landwirte“, sollten Bahnübergänge geschlossen werden.

Überzeugungsarbeit beim Landtagsabgeordneten: Die Mitglieder des Arbeitskreises Fuchstalbahn Harald Baumann, Irmgard Schreiber-Buhl und Hans Schütz (v.l.) besuchten jüngst auch den CSU-Politiker Harald Kühn (r.) und warben für die Reaktivierung des Personen-Schienenverkehrs.

Der Hohenfurcher Bürgermeister Guntram Vogelgesang zweifelt grundsätzlich an dem Nutzen einer Reaktivierung: Von Schongau nach Landsberg brauche man eine Stunde mit dem Zug, „mit dem Auto sind es von Hohenfurch aus nur 20 Minuten“. Obendrein habe Hohenfurch keinen Bahnsteig mehr, geschweige denn einen Bahnhof, stellt Vogelsgesang klar.

Der größte Fan der Fuchstalbahn sitzt in Schongau

Keine Überzeugungsarbeit muss der Arbeitskreis dagegen in Kinsau leisten: Er würde es „sehr begrüßen, wenn die Fuchstalbahn für den Personenschienenverkehr wieder freigegeben werden würde“, sagt Gemeindechef Marco Dollinger. Und in Schongau sitzt mit Bürgermeister Falk Sluyterman einer der größten Fans der Bahnstrecke. „Entscheidend ist doch, dass wir mehr Menschen dazu bringen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen“, betont Sluyterman.

Landsberg hin- und hergerissen

Sein Landsberger Bürgermeisterkollege Mathias Neuner sieht es ähnlich. Wenn das Angebot der Fuchstalbahn passe, „wird man sicher nicht über eine abstrakte Zahl zur Wirtschaftlichkeit oder Rentabilität diskutieren müssen, da die Bahn dann eine echte Alternative zur Fahrt mit dem eigenen Pkw darstellt und auch angenommen wird“, meint der CSU-Politiker. Sein banger Blick richtet sich aber auf die Landsberger Katharinenstraße, die die Strecke der Fuchstalbahn kreuzt. Derzeit senken sich die Bahnschranken dort nur sporadisch, wenn vereinzelt Güterzüge anrollen. „Ein höherer Takt hätte natürlich weitere Einschränkungen des ohnehin schon stockenden Verkehrs auf unserer Hauptverkehrsstraße zur Folge“, gibt der Oberbürgermeister zu bedenken.

Auf den Arbeitskreis wartet also noch viel Überzeugungsarbeit. Man werde „weiter Gespräche mit Kommunal-, Landes- und Bundespolitikern führen“, so Baumann.

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Der neu gegründete Arbeitskreis zur Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) auf der Fuchstalbahn feiert einen ersten Erfolg. Und die Landespolitik hat dabeiein Schongauer Duo im Nacken, das für seine Hartnäckigkeit bekannt ist.

In Schongau wächst die Angst vor dem Aus der Fuchstalbahn und mehr Schwerlastverkehr. Grund ist ein Schreiben, in dem von einer Stilllegung der Strecke die Rede ist.

Die Zukunft des Schienen-Güterverkehrs zwischen Schongau und Landsberg scheint fürs Erste gesichert. Nachdem sich die Augsburger Localbahn aus wirtschaftlichen Gründen von der Fuchstalbahn zurückzieht, übernimmt die Deutsche Bahn (DB Cargo)

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