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Ein tolles Team: Sinah Mayer (links) und Stephanie Köhler besu chen beide die Heimerer Schule in Schongau und sind von ihrer Berufswahl begeistert.

Gespräch mit Schülerinnen der Heimerer Berufsfachschule für Altenpflege Schongau

Ein Dankeschön mit Blicken

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Händeringend werden in der Pflege Fachkräfte gesucht. Was macht diesen Beruf aus? Was wird erwartet? Interview mit zwei Schülerinnen der Heimerer Schule Schongau.

Schongau– „Ich könnte das nicht machen, ich muss dich da bewundern.“ Das ist einer der abgedroschenen Sätze, den Altenpfleger ganz oft zu hören bekommen. Aber was ist es eigentlich, was diesen Beruf ausmacht? Dies und mehr erklären Sinah Mayer (18), gebürtige Schongauerin und Altenpflege-Schülerin bei Heimerer im zweiten Jahr, sowie Stephanie Köhler, 56 Jahre alt, am Ammersee aufgewachsen und im ersten Jahr an der Schongauer Altenpflegeschule. Beide absolvieren ihre praktische Ausbildung im Heiliggeist-Spital.

Ab wann hatten Sie die Idee einer Ausbildung zur Pflegefachkraft?

Sinah Mayer: Ich habe verschiedene Praktika gemacht und mich nach der Mittleren Reife zunächst für die fünfjährige Ausbildung zur Kindererzieherin in Rottenbuch beworben. Aber die Altenpflege hat mir besser gefallen. Auch die Berufsvorstellung von Conni Leibig (Leiterin Heimerer-Schule Schongau) hat mich überzeugt.
Stephanie Köhler: Ich habe Bürokauffrau gelernt und lange in diesem Beruf gearbeitet, aber für mich eine Veränderung gesucht. Nach einem Praktikum im privaten Altenheim in Schwabbruck, das mir richtig gut gefallen hat, habe ich mich gefragt: Warum nicht mal mit Menschen zusammenarbeiten. Nach einer Ausbildung zur Beschäftigungsassistenz habe ich 2009 im Heiliggeist-Spital Schongau angefangen und unter Anleitung schon immer in der Pflege mitgeholfen. Das wollte ich nun auch lernen.

Wie haben Sie die erste Zeit in der Pflege erlebt?

Stephanie Köhler: Pflege ist eine körperliche Herausforderung, auch eine psychische, denn man muss Distanz halten können. Sport treiben hilft da sehr, im Sommer fahre ich auch immer mit dem Rad zur Arbeit. Aber die Pflege erfüllt mich sehr – von den Menschen kommt so viel Wertschätzung zurück, ein Dankeschön mit Blicken.
Sinah Mayer: Ich habe fast ein Jahr auf Station mit Demenz-Erkrankten gearbeitet, das ist schwer, aber es gefällt mir.
Stephanie Köhler: Jeder Tag ist anders, heute himmelhochjauchzend, morgen tief betrübt – man muss sehr flexibel und gefühlvoll sein, schauen, wie fange ich die Person ein, damit sie jetzt auch etwas isst.
Sinah Mayer: Ja, man braucht Geduld, muss die Ruhe haben.
Stephanie Köhler: Und man braucht Sozialkompetenz und Empathie, man muss sich einfühlen können – es kann nicht jeder in die Altenpflege.

Aber Sie bereuen diesen Schritt ganz offenbar nicht?

Stephanie Köhler: Für mich war das das Pünktchen auf dem I, jetzt Fachkraft zu werden. Man hat auch als älterer Quereinsteiger unglaubliche Chancen, und ich bekomme auch viel Zuspruch von den Arbeitskollegen. Es ist noch einmal eines oben drauf, komplette Verantwortung zu übernehmen.
Sinah Mayer: Erwachsenenbildung ist doch etwas anderes als in der Schule. Ich hatte am Anfang Welpenschutz, einen Kükenbonus – ich war ja erst 16. Auch meine Jugendsprache musste ich erst einmal ablegen, das passt einfach nicht. Aber das Wort „Alter“ vermisse ich nicht wirklich (lacht).

Was ist besonders wichtig an der Ausbildung?

Sinah Mayer: Der fachliche Blick wird geschärft – man bekommt einen ganz anderen Blick auf den Alltag als Helfer.
Stephanie Köhler: Der fachliche Blick ist gleichzeitig der kritische Blick – man muss sehr genau hinsehen. Und man hat natürlich auch engen Kontakt mit Ärzten und Angehörigen, mit denen man sehr sensibel und behutsam umgehen muss.
Sinah Mayer: Je mehr man über die Bewohner weiß, umso besser kann man mit ihnen umgehen.
Stephanie Köhler:
Ja, es ist wichtig, die Biographie des Bewohners zu kennen, ob jemand vielleicht ein Trauma hat oder Ängste, das kommt dann im Alter raus.

Welche Eigenschaft sollte man selbst unbedingt mitbringen?

Stephanie Köhler:Die Empathie steht über allem.

Ist der Alltag nicht unglaublich anstrengend?

Stephanie Köhler: Es ist ein sehr anspruchsvoller Beruf, man arbeitet ja mit Menschen, nicht mit Robotern. Viele überschätzen sich vielleicht, aber man wächst an seinen Aufgaben.
Sina Mayer:Der Stellenwert der Altenpflege muss sich ändern, der Beruf muss aufgewertet werden, die Leute sollten einen anderen Einblick in die Pflege bekommen. Der Beruf ist mehr als nur die Menschen zu waschen.
Stephanie Köhler:Stimmt. Satt und sauber – dieses alte Klischee sollte man mal neu erklären. Es geht ja nicht nur um das leibliche Wohl des Bewohners, sondern um den Tagesinhalt, den Sinn des Tages. Für mich ist es eine Berufung, aber auch über die Berufsportale sollte man sich ein besseres Bild von diesem Beruf machen können.

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