Heiliggeist-Spital-Stiftung und haus Marie-Eberth

Pflegenotstand ist in Schongau angekommen

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Der Fachkräftemangel in der Altenpflege trifft Schongau bereits voll. Schon 2018 konnten acht Plätze im Heiliggeist-Spital nicht besetzt werden.

Schongau – Ernüchternde Zahlen präsentierte Christian Osterried, Einrichtungsleiter der Heiliggeist-Spital-Stiftung Schongau, jetzt dem Stadtrat. Der Pflegenotstand steht nicht mehr nur auf dem Papier. Erstmals konnten im vergangenen Jahr nur 106 der 114 Plätze in der KarmeliterStraße belegt werden, weil die Bewohner sonst nicht ausreichend betreut wären. Eine Lösung ist nicht in Sicht, macht Osterried deutlich. „So schnell kommen wir gar nicht mit der Ausbildung hinterher.“ Und die Situation wird sich weiter verschärfen, wie Osterried betonte. Denn drei oder vier der langjährigen Mitarbeiter gehen in absehbarer Zeit in den Ruhestand.

Spital fürchtet keine Konkurrenz

Eine große Fluktuation gebe es am Haus übrigens nicht. Auch das Haus Marie- Eberth müsse man nicht als Konkurrenz fürchten. „Wir zahlen nach Tarif, die Konditionen sind in Ordnung“, erläuterte Osterried auf Nachfrage von Friedrich Zeller. In Zeiten der Personalknappheit müsse es nach dem Credo gehen „Finden, binden, halten“, so Zeller, der darauf verwies, dass es dem neuen Betreiber der Einrichtung beim Schongauer Krankenhaus umso schwerer fallen werde, fehlende Fachkräfte zu akquirieren. „Wir sind öffentlicher Dienst, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das bei einem privaten Betreiber funktioniert.“ Nach den Informationen des Stadtrats müssten geschätzte 25 bis 30 Pflegekräfte eingestellt werden.

Stefan Konrad (SPD) wollte wissen, welche Möglichkeit es seitens der Stadt gebe, das Heiliggeist-Spital gezielt zu unterstützen, neue Pflegekräfte zu finden. Mit der neuen Ausbildung ab 2020 werde man sich professionell aufstellen, so Osterried, der in diesem Zusammenhang bat: „Machen Sie Werbung für uns.“

Mehrkosten müssen die Pflegebedürftigen zahlen

Der Heimleiter hatte dem Stadtrat zuvor über die Ergebnisse der Heimkostensätze berichtet. Der Wermutstropfen: Lediglich die Erhöhung bei der Betreuungsvergütung wird von den Pflegekassen komplett finanziert. Erreicht werden konnte sonst eine durchschnittliche Anhebung um 3,2 Prozent, was Erhöhungen im pflegebedingten Aufwand, bei der Unterkunft und der Verpflegung nach sich zieht. Moderat fallen die Erhöhungen beim Rüstigensatz aus, bei den Pflegegraden zwei bis fünf beträgt die Erhöhung knapp 98 Euro im Monat. Osterried: „Das trifft zu 100 Prozent die Menschen, die in Pflege sind.“

Christian Osterried, Heimleiter Heiliggeist-Spital

SPD-Fraktionssprecherin Ilona Böse bedankte sich bei Osterried für sein Engagement. „Ihre Aufgabe wird nicht leichter, sondern schwerer.“ 100 Euro für die Bewohner sei aber auch „kein Kleckerbetrag“, so Böse, „da schluckt man erst mal.“ Aber die Stadt möchte ja eben auch, dass das Pflegepersonal gezahlt und in das städtische Altenheim investiert werden könne. „Und es ist ja schon viel auf den Weg gebracht und für die Zukunft gemacht, wie etwa das Renovieren von Zimmern, da müssen wir in den sauren Apfel beißen und den Weg mitgehen.“

Personalsuche über soziales Netzwerk

Ähnlich sah es Kornelia Funke, Fraktionssprecherin der CSU. „Wir machen es richtig, richtig für die Bewohner und richtig für uns.“ Allerdings liege ihr das Problem mit den Pflegekräften im Magen. Bürgermeister Falk Sluyterman kündigte an, dass man demnächst über ein soziales Netzwerk einen Aufruf starten wolle, der über den Personalrat der Stadt gesteuert werde.

Nachgefragt im Haus Marie-Eberth 

Von 59 Bestandsbewohnern auf maximal 121 Bewohner kann mit dem Neubau des Seniorendomizils erhöht werden. Dies berichtet Gisela Mair, Einrichtungsleiterin des Hauses Marie-Eberth. Der Umzugstermin steht bereits: am 1. September können alle Heimbewohner ihre neuen Räumlichkeiten beziehen. Mair: „Derzeit reduzieren wir die Anzahl der Bewohner auf 50, damit wir sicher und in aller Ruhe rübergehen können.“ Was die Fachkräfte angeht, sei man bereits aktiv geworden. Zum einen seien Anfang August Karrieretage geplant. Vom 2. bis zum 4. August können sich alle Interessenten in den neuen Räumlichkeiten umsehen und informieren (geöffnet Freitag von 13 bis 17 Uhr, am Wochenende zwischen 10 und 17 Uhr).

Man ist gut gerüstet

Aber auch jetzt sei man schon gut gerüstet. Man habe derzeit sogar einen Personalüberhang. Dennoch würden jederzeit weitere Fachkräfte eingestellt – bezahlt wird laut einer Anzeige nach TVöD (Tarifvertrag Öffentlicher Dienst). „Wir gehen mit sehr guten Personalzahlen ins neue Haus. Dann erst schauen wir uns an, wie viele Bewohner wir aufnehmen können, denn die Betreuung muss ja gewährleistet sein.“ Wenn Mair in die Zukunft blickt, wird ihr nicht Angst und Bange.

Gisela Mair, Heimleiterin Haus Marie-Eberth

„Wir setzen auf Ausbildung, das ist ein fortlaufender Prozess.“ Pro Kalenderjahr würden vier Auszubildende aufgenommen, insgesamt zwölf. Im ersten Kurs seien derzeit vier Schüler, weitere vier kämen ab September hinzu. Aktuell besuchen alle Auszubildenden die Heimerer Altenpflegeschule in der Karmeliterstraße, aber man kooperiere auch mit der Krankenpflegeschule der Krankenhaus GmbH. Wenn ab 2020 die Generalistik-Ausbildung in der Pflege startet, wolle man mit beiden Schulen eine Kooperation bilden. „Den Fachkräftemangel spürt man, aber unser neues Arbeitsumfeld ist sehr attraktiv, unser neuer Träger Compassio hat ein wunderschönes Umfeld geschaffen“, ist Mair überzeugt. „Es ist immer eine Herausforderung, aber ich bleibe zuversichtlich.“

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Rubriklistenbild: © dpa / Christophe Gateau

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