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Modernste Technik: Auszubildende Reetu Maharjan misst unter den Augen von Schulleiter Klaus Fenzl und seinem Stellvertreter Bernhard Bölt (re.) den Blutdruck der lebensechten Puppe. 

Moderne Technik

Pflegeschule am Schongauer Krankenhaus geht neue Wege in der Ausbildung

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Seit Januar ist das Pflegeberufegesetz in Kraft, das die Ausbildung in der Pflege neu regelt. Das stellt Einrichtungen wie die Pflegeschule am Schongauer Krankenhaus vor Herausforderungen. Dort begreift man die Änderung jedoch vor allem als Chance, um den Beruf attraktiver zu gestalten.

Schongau – Es ist eine einschneidende Änderung, die der Gesetzgeber beschlossen hat. Mit dem neuen Pflegeberufegesetz wird die Pflegeausbildung komplett neu geregelt. Waren Alten-, Kranken-, und Kinderkrankenpflege bislang jeweils eigenständig erlernbare Berufe, gibt es künftig nur noch eine Ausbildung, die alle drei Bereiche zusammenfasst. Flexible Einsatzmöglichkeiten der künftigen Pflegefachfrauen und -männer sind das Ziel, schließlich gibt es immer mehr Bewohner in Altenheimen, die auf medizinische Hilfe angewiesen sind und gleichzeitig immer ältere Patienten in den Krankenhäusern. Dazu ist es der Versuch, einen Beruf, der unter Nachwuchssorgen leidet, attraktiver zu machen. An der Pflegeschule der Krankenhaus GmbH begrüßt man deshalb die Reform. „Es war höchste Zeit dafür“, sagt Schulleiter Klaus Fenzl.

Suche nach Kooperationspartnern

Für die Einrichtung, die seit 1956 besteht, ist die Umsetzung zum neuen Schuljahr im September freilich eine große Herausforderung. Nicht nur muss der umfangreiche neue Lehrplan an die eigenen Gegebenheiten angepasst werden. Die Schule braucht auch neue Kooperationspartner. Denn wurden bislang die Praxiseinsätze bei der Krankenpflege-Ausbildung auf den verschiedenen Stationen im eigenen Haus absolviert, sollen die Schüler künftig in mehrwöchigen externen Einsätzen auch Erfahrungen in der Alten- und Kinderpflege sammeln. Die Suche entpuppte sich vor allem in letzterem Bereich als schwierig. „Die Pädiatrie ist das Nadelöhr, da gibt es nicht viele Einrichtungen“, sagt Fenzl. Deshalb habe der Gesetzgeber den Kreis der möglichen Partner auf Einrichtungen wie Förderschulen oder integrative Kindergärten erweitert. Mittlerweile habe man alle Kooperationen unter Dach und Fach, freut sich der Schulleiter. Für die Schüler, die am 1. September beginnen, sei der komplette Einsatzplan fertig.

Zahl der Auszubildenden soll verdoppelt werden

Insgesamt zwei Klassen à 25 Schüler starten im neuen Schuljahr in die neue dreijährige Ausbildung – ein Kurs mehr als bislang. Die Aufstockung ist Teil einer ehrgeizigen Strategie, die Krankenhaus GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann verfolgt. In den nächsten Jahren wolle man die Zahl der Auszubildenden sukzessive auf über 200 verdoppeln. Die Schule sei in der Vergangenheit stiefmütterlich behandelt worden, weil sie Geld koste. Dabei gebe es nichts besseres, als eigenes Personal auszubilden, um dem Mangel an Pflegepersonal zu begegnen, betont Lippmann. „Das ist ein wertvoller Schatz.“

Moderne Technik für den Unterricht

Der soll nicht nur mit der Garantie auf einen Arbeitsplatz nach erfolgreichem Abschluss gehoben werden. Um junge Leute für eine Ausbildung zu begeistern, geht man in der Pflegeschule ab September auch neue Wege im Unterricht. In einem sogenannten „Skills-Lab“ können die Schüler an zwei programmier- und steuerbaren Pflegepuppen unter realistischen Bedingungen üben. Rund 45 000 Euro kostet die technische Neuerung. In einem weiteren Raum wird gerade ein digitales Klassenzimmer eingerichtet. Jeder Schüler erhält zudem für die Dauer der Ausbildung ein Ipad gestellt, mit dem er Zugang zu digitalen Lehrbüchern und Unterrichtsmaterialien erhält. Per App lassen sich zudem Stunden- und Einsatzpläne künftig digital abrufen.

Ein wichtiger Baustein seien auch die beiden Appartementhäuser, die in Schongau entstehen sollen, sagt Lippmann. Im Dezember hatte der Kreistag grünes Licht für das 12,6 Millionen Euro-Projekt gegeben. „Wohnraum ist ein Punkt, der ständig nachgefragt wird.“

Gerne würde Lippmann auch die Ausbildung finanziell attraktiver machen. „Solange ein Schrauber in Ingolstadt in der Ausbildung mehr verdient als ein Pflegeschüler, stimmt etwas nicht.“ Eine Einstiegsvergütung von 1200 Euro halte er für „absolut adäquat“. Hier seien die Tarifparteien gefordert. „Deutschland hat hier großen Nachholbedarf.“

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Am Sonntag, 15. März 2020 finden die nächsten Bürgermeisterwahlen in Bayern statt. Hier finden Sie alle Bürgermeister-Kandidaten in der Region Schongau.

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