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Vor mehr als einem Jahr wurde die erweiterte Sauna im Plantsch von den Stadträten eröffnet.

Plantsch-Diskussion

Bürgermeister-Schelte für eigene Partei

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Eine Abschlussbilanz der Sauna-Erweiterung im Plantsch wollte die Schongauer CSU im Stadtrat haben, die gab es am Dienstagabend. Trotz Erfolgsbilanz gab es längere Diskussionen – und eine Schelte von Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) an seine eigene Partei.

Schongau – 1,674 Millionen Euro: Diese Summe steht als Fixpunkt bei den Baukosten für die Sauna-Erweiterung, die im März vergangenen Jahres nach jahrelanger Vorlaufzeit abgeschlossen worden ist. Dazu gehören begleitende Arbeiten wie die Umgestaltung der Parkplätze, die letztlich dem ganzen Freizeitbad zu Gute kommen, betonte der künftige Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Die Baukosten seien nur um 3300 Euro überschritten worden. Allerdings wurde das Projekt vor allem wegen Problemen mit dem unerwartet schwammigen Untergrund bereits im Vorfeld erheblich teurer.

Plantsch-Chef Andreas Kosian lieferte anschließend eine erste Jahresbilanz der neuen Sauna, und die konnte sich sehen lassen. „In meinen zwölf Jahren kann ich erstmals ausschließlich Pluszahlen vorstellen“, freute er sich. Denn während die Besucherzahlen im defizitären Badewelt- und Freibadbereich ständig hin und her schwanken, aber weitgehend gleich bleiben, ging es beim Saunaland steil nach oben: 42 Prozent mehr Gäste und sogar 65 Prozent mehr Erlöse als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, der trotz der Bauphase nur geringe Einbußen hatte. Knapp 50 000 Saunagäste kamen ins Plantsch, im bisherigen Rekordjahr 2014 waren es rund 36 000. Der noch höhere Erlös im Vergleich zum Besucheranstieg liegt laut Kosian an der Tatsache, dass die Besucher offenbar länger bleiben, wenn sie sich für einen Besuch der neuen Sauna entschieden.

Auch die Möglichkeit, vom Bad in die Sauna zu wechseln, werde öfter genutzt, so Kosian. Positiver Nebeneffekt: Die Saunagäste konsumieren mehr in der Gaststätte, wo der Erlös ebenfalls stark um einen fünfstelligen Betrag angewachsen ist, was aber bei der Sauna-Bilanz noch gar nicht eingeflossen ist. Trotzdem steht, nach Abzug von höherer Pacht und Mehraufwand bei den Betriebskosten, ein Reingewinn von 70 000 Euro allein aus dem ersten Betriebsjahr, den die Stadt weniger für den Badbetrieb zuschießen muss. „Ich hätte mich schon gefreut, wenn es nach drei Jahren so ausschaut. Ich hoffe, es geht so weiter“, sagte Kosian.

Mit ihrer Rutschen-Diskussion hat die Schongauer SPD für viel Ärger gesorgt.

Das hofften auch die Stadträte wie Michael Eberle (CSU). Der zeigte sich erfreut, dass das Millionen-Projekt möglicherweise schon in zehn Jahren refinanziert sei, erinnerte aber daran, dass die ersten Schätzungen von 800 000 Euro Kosten ausgegangen waren. Das bemängelte auch Siegfried Müller (ALS).

„Diese Zahl war allein eine Schätzung des Bedarfs, die ich im Jahr 2010 auf Butterbrotpapier geschrieben hatte“, rechtfertigte sich Kosian. Natürlich sei im Laufe der Planung für eine zukunftsfähige Lösung „klar gewesen, dass es teurer wird und man da keine Holzhütte hinstellt“, so Kosian, von der allgemeinen Preis-Explosion im Bausektor ganz zu schweigen.

Doch Kosian wurde auch wegen der kürzlich aufgeflammten Diskussion zur Rutschen-Sanierung (wir berichteten) angegriffen. Helmut Hunger (CSU) wollte von Sluyterman wissen, ob er von einem Zeitungsinterview Kosians wusste und ob der Plantsch-Geschäftsführer überhaupt Interviews geben dürfe. Hunger fühlte sich von Kosians Äußerungen unter Druck gesetzt. Auch Eberle sagte, man habe viele verärgerte Reaktionen von Bürgern bekommen nach dem Motto: „Wollt ihr das Plantsch verlottern lassen?“ Dabei habe man stets alle Wünsche erfüllt.

„In meinem Vertrag steht, ich repräsentiere das Bad nach innen und außen, und das mache ich“, sagte der sichtlich perplexe Kosian. Außerdem sei die SPD verantwortlich, die sei mit dem Thema auf ihn zugekommen. Das weiß auch Sluyterman, der nicht informiert und sichtlich angefressen war über die Rutschen-Diskussion. „Die kommt zur Unzeit“, sagte er in Richtung seiner Parteivertreter. Man lasse sich bei dem Thema nicht treiben, das sei erst nach 2020 aktuell, wenn die Stadt so ein Projekt finanzieren könne. Friedrich Zeller (SPD) riet, den Ball flachzuhalten, gab aber zu, in einen Fettnapf getreten zu sein. „Das war nicht unsere Absicht.“

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