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Peter Haggenmiller aus Schongau ließ zwei Pistolen abholen .

Bei einem pensionierten Oberstleutnant aus Schongau

Polizei kommt ins Haus und holt Pistolen ab

Was tun mit geerbten Waffen? Dass es gar nicht so einfach ist, diese ordnungsgemäß abzugeben, zeigt ein Fall aus Schongau.

Weilheim-Schongau – Amnestie für alle, die ihre Waffen bis zum 30. Juni 2018 abgeben, hatte das Landratsamt Weilheim-Schongau versprochen. Viele Bürger machten davon Gebrauch. Insgesamt 246 Langwaffen, 274 Kurzwaffen und 240 Kilogramm Munition wurden bis dahin abgeliefert. Doch die Waffenaktion ist immer noch nicht vorbei, wie ein Schongauer berichtet.

Was tun mit den beiden Waffen?

Peter Haggenmiller aus Schongau stand vor der Frage: Was soll er mit den zwei Pistolen machen, die er geerbt hatte und die seit Jahren im Wandtresor seines Hauses sicher aufbewahrt sind? Er hatte die Wahl: Entweder er gibt sie an das Landratsamt weiter, oder er lässt sie durch eine Blockiermaßnahme unbrauchbar machen (Kosten: 270 Euro) oder er tritt einem Sportschützenverein bei, damit er die Waffen behalten darf.

Haggenmiller hat sich für das Abgeben der Pistolen entschieden. Und weil er für den Transport der Waffen zum Landratsamt eine eigene Genehmigung gebraucht hätte, ließ der pensionierte Oberstleutnant die Pistolen jetzt von der Polizei abholen.

Das Landratsamt hatte die Frist mehrfach verlängert

Das Landratsamt hatte die Frist für Peter Haggenmiller über den 30. Juni 2018 mehrmals verlängert, weil die Behörde von ihm zunächst einmal einen Bedürfnisnachweis für den Waffenbesitz angefordert hatte. Und danach kam noch hinzu, dass es für eine der beiden Pistolen erst seit einigen Monaten eine reversible Blockierung gibt.

Doch jetzt gab es auch für Haggenmiller keinen Aufschub mehr. Wenige Tage vor Ablauf der letzten Frist klingelten zwei Polizeibeamte an seiner Wohnung in Schongau-West. Der pensionierte Oberstleutnant hatte den Besuch bereits erwartet und führte die beiden Polizisten ins Haus. Er öffnete seinen Tresor und holte zwei Pistolen heraus. Es sind Erbstücke. Die eine gehörte seinem Großvater, im Ersten Weltkrieg zuletzt Zugführer eines Kabeltrupps, die andere Pistole führte sein Vater als Stabsarzt während des Zweiten Weltkriegs mit sich, vom ersten bis zum letzten Tag, bei Einsätzen in Polen, Frankreich und Russland. Selbst bei der Gefangenschaft in Schleswig-Holstein konnte er die Pistole heimlich durch die Kontrollen schmuggeln.

Waffenschein und Waffenbesitzkarte

Peter Haggenmiller hat die beiden Waffen 1993 als Erbe übernommen, und damit alles seine Ordnung hat, stellte ihm das Landratsamt eine Waffenbesitzkarte aus. Einen Waffenschein hat der pensionierte Oberstleutnant ohnehin. Überhaupt kennt er sich mit Waffen bestens aus. Als Schießlehrer bei der Bundeswehr hat er tausende Schuss abgegeben. Die beiden geerbten Pistolen hat er immer vorschriftsmäßig in seinem Haus in einem Stahlschrank aufbewahrt.

Mitte des vergangenen Jahres bekam Peter Haggenmiller ein Schreiben des Landratsamtes Weilheim-Schongau. Darin wird dem pensionierten Oberstleutnant zwar eine Sachkunde im Umgang mit Waffen bescheinigt, jedoch sei neben der Sachkunde nach Paragraf 7 des Waffengesetzes auch das Vorliegen eines entsprechendes Bedürfnisses (nach Paragraf 8 des Waffengesetzes) zu überprüfen. Wenn kein solches Bedürfnis, beispielsweise als Jäger oder Sportschütze, bestehe, gelte eine Blockierpflicht, die Waffe müsse also gebrauchsunfähig gemacht werden. Andernfalls werde sie eingezogen.

Erbstücke gibt man nicht so leicht aus der Hand 

Sicherlich hat Haggenmiller einige Zeit überlegt, was er tun soll. Erbstücke gibt man halt nicht so leicht aus der Hand. Sollte er Kontakt mit der Königlich-privilegierten Feuerschützengesellschaft Schongau aufnehmen – zwecks Mitgliedschaft als Sportschütze? Dann hätte er die Waffen behalten dürfen.

Haggenmiller hat sich darüber hinaus in einem Waffengeschäft erkundigt. Dabei kam heraus, dass es sich bei den beiden Pistolen um Waffen ohne besonderen Wert handelt.

Die beiden Polizisten haben Haggenmillers Pistolen samt Munition im Landratsamt abgeliefert. Von dort werden sie an das Landeskriminalamt weitergeleitet. „Zur Vernichtung“, wie Manfred Plonner, beim Landratsamt für Öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig, auf Anfrage mitteilte.

Michael Gretschmann

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Auch bei der Schongauer Bürgerversammlung meldete sich Peter Haggenmiller zu Wort.

Notfalls nimmt Peter Haggenmiller auch mal Pinsel und Farbe zur Hand.

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